Die Asr-Zeit: Unterschiedliche Madhhab-Kriterien verstehen
Nach übereinstimmender Auffassung beginnt das Asr-Gebet, wenn der Schatten eines Objekts länger wird als seine eigene Höhe – doch hier scheidet sich die Definition:
- Schafiʿitische und die meisten anderen Rechtsschulen setzen den Beginn ein, sobald der zusätzliche Schatten die Länge des Objekts erreicht (Faktor 1).
- Hanafiten warten, bis der zusätzliche Schatten doppelt so lang ist wie das Objekt (Faktor 2).
In Bühl führt das – je nach Jahreszeit – zu einer Differenz von rund 50 bis 90 Minuten zwischen den beiden Berechnungen. Wer der hanafitischen Schule folgt, hat also ein längeres Zeitfenster für das Zuhr-Gebet und beginnt Asr entsprechend später. Damit jede Person zuverlässig planen kann, zeigt das Tages- und Monatsraster beide Varianten separat an.
Berechnungsmethoden in Deutschland: MWL, Diyanet und IGMG
Die Gebetszeiten basieren überall auf astronomischen Parametern: geografische Breite (hier 48,70° N), Länge, Datum und Zeitzone. Der Unterschied liegt in den Fajr- und Isha-Zwielichtwinkeln, die von den Organisationen festgelegt werden:
| Methode | Fadschr-Winkel | Ischa-Winkel | Häufigkeit in Deutschland |
|---|---|---|---|
| MWL (Muslim World League) | 18° | 17° | Weit verbreitet in Apps & internationalen Plattformen |
| Diyanet (Türkische Präsidium für Religionsangelegenheiten) | 18° | 17° | Standard in vielen türkischen Gemeinden |
| IGMG (Islamische Gemeinschaft Millî Görüş) | 12° | 12° | Oft in Moscheen mit IGMG-Anbindung |
Alle drei Varianten sind islamisch legitim, weil der Prophet ﷺ lediglich die Beobachtungsmerkmale – nicht aber fixe Gradangaben – festlegte. Durch moderne Astronomie können die Winkel mit hoher Genauigkeit auf jede Koordinate angewendet werden. Unsere Darstellung verwendet standardmäßig MWL; wer Diyanet- oder IGMG-Werte bevorzugt, kann sich problemlos daran orientieren, da sie nur die Zwielichtphasen betreffen und die Sonnenposition identisch bleibt.
Zu beachten ist, dass Breitengrade nördlich von 48° – wie in Bühl – im Sommer besonders kurze Nächte haben. Die Dämmerungswinkel von 18° können dann so spät oder so früh erreicht werden, dass Fadschr und Ischa einander annähern. Methoden mit 12° verkürzen dieses Intervall, um ein praktikables Zeitfenster zu bieten, ohne den schariatischen Rahmen zu verlassen.
Schuruq — warum Fadschr vor Sonnenaufgang endet
Der Begriff Schuruq (Sonnenaufgang) markiert den Moment, in dem die oberste Kante der Sonne den Horizont berührt. Bis zu diesem Zeitpunkt dauern sowohl Fadschr als auch das Suhur im Ramadan an; danach ist das Gebet nicht mehr gültig und ein Nachholen als qadaʾ nötig.
Die astronomische Berechnung ist eindeutig: Sobald erreicht ist, gilt der Tag als angebrochen. Wer seine Uhr nach diesem Fixpunkt stellt, vermeidet unbeabsichtigtes Verspäten. Gerade auf dem 48. Breitengrad ist das wichtig, weil im Sommer der Abstand zwischen dem hellen Morgengrauen und Sonnenaufgang nur etwa 70 bis 90 Minuten beträgt, während er im Winter über zwei Stunden liegen kann.
Zum Ausklang des Tages beginnt Maghrib exakt beim Sonnenuntergang; Ischa folgt nach dem Verschwinden der rötlichen Dämmerung. Beide Punkte verschieben sich täglich um ein bis drei Minuten, da die Erde auf ihrer Umlaufbahn ständig den Sonnenstand relativ zu Bühl verändert. Die Monatsübersicht zeigt diese allmähliche Variation, sodass jede Person ihren Zeitplan kontinuierlich anpassen kann.