Asr-Zeit: Warum sich Hanafi und Schafi-i in Dillenburg unterscheiden
Die fünf täglichen Gebete sind eng an den Sonnenstand gebunden. Beim Asr-Gebet existieren jedoch zwei in der Sunnah belegte Möglichkeiten, den Beginn festzulegen. Der wesentliche Unterschied liegt in der Länge des eigenen Schattens:
- Schafi-i, Maliki und Hanbali: Asr beginnt, sobald der eigene Schatten die gleiche Länge wie der Körper erreicht (zusätzlich zum Mittags-Schatten).
- Hanafi: Asr beginnt erst, wenn der Schatten doppelt so lang ist wie der Körper.
Auf der Breite von 50,74° N, auf der Dillenburg liegt, hängen die beiden Zeitpunkte im Sommer oft nur rund eine Stunde auseinander, im Winter können es dagegen bis zu zwei Stunden sein. Wer dem hanafitischen Mazhab folgt, betet Asr also deutlich später. Beide Varianten sind gültig; entscheidend ist, sich für eine Methode zu entscheiden und diese konsequent einzuhalten.
Schuruk verstehen: Fadschr rechtzeitig abschließen
Fadschr beginnt mit dem ersten Morgengrauen (al-fajr as-sadiq) und endet mit dem Sonnenaufgang. In der täglichen Übersicht sehen Sie deshalb direkt nach Fadschr die Zeit für Schuruk – den exakten Moment, in dem die obere Kante der Sonne erscheint. Bis muss das Fadschr-Gebet beendet sein; danach gilt eine gut 15-minütige Sperrzeit (karihat), in der freiwillige Gebete unerwünscht sind, bis die Sonne sich deutlich vom Horizont gelöst hat.
Gerade im Juni und Juli ist die Zeitspanne zwischen Fadschr und Schuruk in Dillenburg besonders knapp, weil die Dämmerung auf der hohen nördlichen Breite sehr früh einsetzt. Im Dezember dagegen kann fast drei Stunden zwischen Morgendämmerung und Sonnenaufgang liegen. Das erklärt, warum die Fadschr-Zeit in unserer monatlichen Tabelle täglich leicht schwankt.
MWL, Diyanet oder IGMG? Wie verschiedene Rechenmethoden entstehen
Die Gebetszeiten werden heute meist algorithmisch berechnet. Entscheidend sind dabei unter anderem:
- der geographische Ort (Breite 50,74° N, Länge 8,29° E),
- die lokale Zeitzone (Europe/Berlin),
- der Sonnenstand unter dem Horizont, gemessen in Grad.
Die großen Institutionen unterscheiden sich vor allem in den gewählten Sonnen-Depressionswinkeln für Fadschr und Ischa:
- MWL (Muslim World League): 18° für Fadschr und 17° für Ischa – weltweit verbreitet, oft als Standard genutzt.
- Diyanet (Türkische Präsidium für Religionsangelegenheiten): 18° / 17° plus lokale Korrekturen; viele deutsch-türkische Gemeinden orientieren sich daran.
- IGMG: 12° / 12° für Europa nördlich von 48°, um das Problem sehr später Nacht zu lösen – besonders relevant für Städte wie Dillenburg.
Warum braucht es angepasste Winkel? Nördlich des 48. Breitengrades wird die bürgerliche Dämmerung im Hochsommer extrem lang. Bei 18°-Berechnung verschwände Ischa in manchen Nächten ganz oder läge weit nach Mitternacht. IGMG wählt daher flachere Winkel, damit die Gläubigen eine praktikable Ischa-Zeit haben. Zugleich akzeptieren viele Gelehrte Ersatzlösungen wie Mitternacht () oder das letzte Drittel der Nacht (). Welcher Ansatz verfolgt wird, entscheidet jede Gemeinde nach eigener Fatwa.
Wenn Sie also in Dillenburg Gebetszeiten aus unterschiedlichen Apps vergleichen, können Abweichungen von zehn bis dreißig Minuten auftreten. Das ist kein Fehler, sondern spiegelt lediglich die Wahl verschiedener Rechenmethoden wider. Wichtig ist, sich auf eine zuverlässige Quelle festzulegen und eventuelle Gemeinderichtlinien zu beachten.