Die auf dieser Seite angezeigten Gebetszeiten beruhen auf astronomischen Berechnungen, die an das geografische Profil von Engelskirchen (Breite 50,99° N, Länge 7,41° E) und die Zeitzone Europe/Berlin angepasst sind. Die relativ hohe Breite bewirkt, dass die Tage im Sommer sehr lang und im Winter deutlich kürzer sind. Das spiegelt sich direkt in den Gebetszeiten wider: Fadschr und Ischa rücken im Juni weit auseinander, während sie im Dezember eng beieinanderliegen.
1. Verschiedene Rechenmethoden – MWL, Diyanet und IGMG
In Deutschland werden hauptsächlich drei Berechnungsansätze genutzt:
- MWL (Muslim World League) verwendet den Sonnenstand –18° für Fadschr und –17° für Ischa. Diese Werte wurden für ein breites Spektrum islamischer Gemeinschaften festgelegt und gelten als internationaler Kompromiss.
- Diyanet – das türkische Präsidium für Religionsangelegenheiten – arbeitet mit –18°/–17° sowie einer automatischen Anpassung für hohe Breitengrade. Viele Moscheen türkischer Herkunft in Deutschland richten sich danach.
- IGMG (Islamische Gemeinschaft Millî Görüş) nutzt dieselben Winkel wie Diyanet, nimmt jedoch zusätzliche leichte Korrekturen vor, um lokale Beobachtungen in Europa besser abzubilden.
Dasselbe Datum kann also je nach Methode um einige Minuten differierende Gebetszeiten liefern. Unterschiede entstehen durch:
- Wahl der Sonnenwinkel (z. B. –18° vs. –15°).
- Lokale Korrekturen, die auf historischen Beobachtungen beruhen.
- Abweichende Konventionen zur Sommerzeit-Umstellung.
Hanafi- vs. Schafiʿi-Meinung für Asr
Beim Asr-Gebet existieren zwei etablierte Sichtweisen: Nach der Schafiʿi-, Maliki- und Hanbali-Schule beginnt Asr, sobald der eigene Schatten die ursprüngliche Länge erreicht (Faktor 1). Die Hanafi-Schule wartet, bis der Schatten doppelt so lang ist (Faktor 2). Viele Gemeinden in Deutschland veröffentlichen beide Zeiten, damit jede*r entsprechend seines Madhhab beten kann.
2. Das enge Zeitfenster zwischen Maghrib und Ischa im Winter
Wenn die Sonne in Engelskirchen um den 21. Dezember bereits gegen 16 Uhr untergeht, bleibt kaum Tageslicht übrig. Da die astronomische Dämmerung (–17°/–18°) im Winter rasch eintritt, können zwischen Maghrib und Ischa manchmal weniger als 70 Minuten liegen. Die Gemeinde gewinnt dadurch:
- Die Möglichkeit, beide Gebete in zeitlicher Nähe zu verrichten, ohne lange warten zu müssen.
- Den Vorteil, das Nachtgebet rechtzeitig zu beenden, bevor der Abend zu spät wird – besonders hilfreich für Berufstätige und Schüler*innen.
Im Sommer dagegen dauert die nautische Dämmerung länger, weshalb Ischa erst spät beginnt. Bei sehr nördlichen Breiten kann die Dämmerung gar nicht mehr enden, worauf muslimische Gelehrte alternative Regelungen empfehlen (siehe FAQ).
3. Schuruq verstehen – warum Fadschr davor beendet sein muss
Schuruq bezeichnet den Zeitpunkt, an dem die obere Sonnenscheibe die Horizontlinie durchbricht. Ab diesem Moment ist Fadschr abgelaufen. Praktisch bedeutet das:
- Die Fadschr-Gebete sollten vollständig vor verrichtet sein.
- Wer erst kurz vor Sonnenaufgang erwacht, hat noch einen kleinen Puffer, da das Gebet bis zum ersten Sonnenstrahl gültig ist. Nach Schuruq muss mit dem Nachholen (qadaʾ) gewartet werden, bis die Sonne etwa 15 Minuten höher steht, um die verbotene Zeit zu umgehen.
Damit Fadschr exakt terminiert werden kann, fließen folgende Faktoren in die Berechnung ein:
- Datum – je näher am Sommer, desto früher liegt Fadschr.
- Geografische Breite – bei 50° N wird die Morgendämmerung im Juni sehr lang, sodass Fadschr schon vor 03 Uhr beginnen kann.
- Zeitzone und Sommerzeit – die Umstellung auf MESZ verschiebt alle Gebetszeiten um eine Stunde nach vorn.
Die Kombination aus diesen Elementen sorgt dafür, dass sich die täglichen Zeiten ständig leicht verändern. Beobachtet man die Tabelle für Juni, wird deutlich: Kein Tag gleicht dem anderen.