Länge des Tages auf 50,18° N: Was bedeutet das für Fadschr und Ischa?
Königstein im Taunus liegt auf 50,18 Grad nördlicher Breite. Diese geografische Lage führt zu deutlich längeren Tagen im Juni und zu kurzen Tagen im Dezember. Im Hochsommer geht die Sonne nur knapp sechs Stunden unter; die bürgerliche und astronomische Dämmerung überlappen sich fast. Das wirkt sich direkt auf zwei Gebete aus: Fadschr beginnt, wenn die morgendliche Dämmerung einsetzt, und Ischa endet, wenn die Abenddämmerung vollständig verschwunden ist. Je länger die Dämmerung anhält, desto weiter rücken Fadschr und Ischa auseinander. Im Winter dagegen ist die Nacht lang, wodurch die beiden Gebetszeiten enger zusammenliegen und der Abstand zwischen Ischa und Fadschr komfortabler wird.
Obwohl Königstein im Taunus noch deutlich südlich des Polarkreises liegt, können die „weißen Nächte“ um die Sommersonnenwende dennoch dazu führen, dass die astronomische Dämmerung (−18° Sonnenstand) nicht komplett verschwindet. Einige Rechtsschulen erlauben in solchen Fällen, Ischa nach einer festen Zeitspanne oder spätestens bis Mitternacht zu beten. Für den Alltag reicht es meist aus, sich an den hier veröffentlichten Zeiten zu orientieren, weil diese bereits methodische Anpassungen für hohe Breiten enthalten.
Astronomische Dämmerung: Wie Fadschr präzise bestimmt wird
Die Grenze zwischen Nacht und Tag wird im Islam nicht willkürlich, sondern astronomisch definiert. Fadschr beginnt, sobald der erste horizontale Lichtstreifen (al-fadschr al-sādiq) erscheint. Aus praktischen Gründen wird dieser Moment rechnerisch dem Zeitpunkt gleichgesetzt, an dem die Sonne etwa 18 Grad unter dem Horizont steht. Einige Institutionen nutzen −17° oder −15°, um lokale klimatische Bedingungen zu berücksichtigen. Kurz nach Fadschr folgt , der Sonnenaufgang. Wer erst nach Sonnenaufgang betet, holt das Fadschr-Gebet als qadaʾ nach.
Maghrib hingegen tritt sofort beim Sonnenuntergang ein, unabhängig von der Lichtintensität. Die darauf folgende Abenddämmerung (Schāfaq) endet, wenn die rote bzw. weiße Helligkeit am westlichen Horizont vollständig verschwunden ist. Dann beginnt Ischa. Durch die exakte Beobachtung oder – wie hier – durch zuverlässige Rechenmodelle wird verhindert, dass Gebete außerhalb ihres vorgeschriebenen Rahmens verrichtet werden.
Berechnungsmethoden in Deutschland: MWL, Diyanet und IGMG
In Deutschland dominieren drei Berechnungssysteme, die sich vor allem durch den verwendeten Sonnenstand für Fadschr und Ischa unterscheiden:
- MWL (Muslim World League): −18° für Fadschr und Ischa. Wird häufig von internationalen Apps übernommen und ist für mittlere Breiten solide.
- Diyanet Türkei: −18° für Fadschr, −17° für Ischa. In vielen Moscheen türkischer Gemeinden verbindlich.
- IGMG: Nutzt überwiegend die Diyanet-Werte, berücksichtigt jedoch lokale Anpassungen, etwa die Verkürzung langer Dämmerungsphasen im Juni.
Die hier angezeigten Zeiten für Königstein im Taunus basieren auf der aktuell verbreitetsten Methode in Deutschland. Unterschiede von ein bis drei Minuten zu anderen Kalendern entstehen, weil die Institute verschiedene geodätische Modelle, Höhenangaben oder Rundungsregeln anwenden. Für Asr kommt ein weiteres Kriterium hinzu: Die hanafitische Schule setzt den Zeitpunkt erst dann an, wenn der Schatten eines Objekts doppelt so lang ist wie sein Körper (zusätzlich zum ursprünglichen Schatten zur Mittagszeit). Die übrigen Rechtsschulen akzeptieren schon die einfache Schattenlänge. Auf den meisten deutschen Zeittafeln wird üblicherweise die hanafitische Zeit ausgewiesen, daneben aber auch die frühere Variante, damit alle Gemeinschaften ihre Praxis wiederfinden.
Wer Orientierung für die freiwilligen Nachtgebete sucht, kann sich an der Mitte der Nacht (nisf al-lail) orientieren. Für heute fällt sie ungefähr auf .