Wie Fadschr und Ischa anhand der astronomischen Dämmerung berechnet werden
Die fünf täglichen Gebete sind unmittelbar an den Stand der Sonne gebunden. Für Mühlhausen/Thüringen mit seiner geografischen Breite von 51,21° N bedeutet das: Der Sonnenlauf unterscheidet sich deutlich zwischen Sommer und Winter. Je weiter nördlich ein Ort liegt, desto länger bleibt es im Juni hell und desto kürzer ist der Tag im Dezember. Genau das spiegelt sich in den Gebetszeiten wider.
Fadschr beginnt, wenn der erste schwache Lichtstreif am östlichen Horizont erscheint (astronomische Morgendämmerung). Auf den meisten europäischen Gebetskalendern entspricht das einem Sonnenstand von −18 ° bis −15 ° unter dem Horizont. Der genaue Winkel ist eine Konvention: Manche Institute nutzen −18 °, andere −17 ° oder −15 °. Daraus können Abweichungen von mehreren Minuten resultieren. Die Sonne steigt danach weiter, bis bei Sonnenaufgang (Schuruk) der obere Rand die Horizontlinie erreicht – dann endet die Zeit für Fadschr.
Am Abend ist es umgekehrt: Sobald die Sonnenscheibe vollständig untergegangen ist, tritt Maghrib ein. Ischa beginnt erst, wenn die astronomische Abenddämmerung endet, also wenn die Sonne wieder etwa −18 ° unter dem Horizont steht. In nördlichen Breiten wie Thüringen verschiebt sich dieser Punkt im Sommer weit nach hinten. An sehr langen Tagen zwischen Ende Mai und Mitte Juli kann es vorkommen, dass die bürgerliche und nautische Dämmerung praktisch ineinander übergehen und die astronomische Dämmerung kaum endet. Einige Fiqh-Räte empfehlen dann, Ischa nach einer festen Zeitspanne (z. B. 90 Minuten) oder mit der Methode der Mitternacht zu beten. Die islamische Mitternacht fällt nicht auf 00:00 Uhr, sondern auf den Zeitpunkt, an dem die Hälfte der Nachtspanne zwischen Maghrib und Fadschr vergangen ist – ungefähr bei .
Alle Gebetszeiten auf dieser Seite werden auf Basis folgender Parameter errechnet:
- Datum: 11 Juli 2026
- Koordinaten: 51,21° N / 10,45° E
- Zeitzone: Europe/Berlin (UTC + 1 bzw. + 2 im Sommer)
- Berechnungsstandard: üblicher europäischer Fiqh-Rat-Winkel (Fadschr −18 °, Ischa −18 °)
Wer andere Quellen nutzt, sollte prüfen, mit welchem Sonnenwinkel dort gearbeitet wird. Schon ein Grad Unterschied kann während der Dämmerungsphasen 4–6 Minuten Verschiebung bedeuten.
Asr nach verschiedenen Rechtsschulen: kleine, aber wichtige Unterschiede
Die Asr-Zeit beginnt, wenn der Schatten eines Objekts seine eigene Länge plus den Mittagsschatten erreicht. Hier unterscheiden sich die Rechtsschulen:
- Schafiitisch, malikisch und hanbalitisch: Asr startet, sobald der Schatten genau die Eigenlänge erreicht.
- Hanafitsch: Erst wenn der Schatten doppelte Eigenlänge hat, beginnt Asr.
In Mühlhausen/Thüringen liegt die Differenz zwischen den beiden Ansätzen im Sommer meist bei 40–50 Minuten, im Winter oft nur bei 20–25 Minuten. Wer der hanafitischen Schule folgt, sollte daher die spätere Zeit verwenden. Beide Methoden sind islamrechtlich anerkannt; entscheidend ist, konsequent der eigenen Schule zu folgen, um keine Gebete unbewusst zu früh zu verrichten. Für Gemeinschaftsgebete empfiehlt es sich, in der jeweiligen Moschee nachzufragen, welche Methode praktiziert wird.
Praktische Tipps: Gebete, Arbeit und Studium im deutschen Winter
Von November bis Januar liegen zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang in Mühlhausen/Thüringen kaum acht Stunden. Zuhr, Asr und Maghrib rücken dann eng zusammen. Damit keine Pflichtgebete verdrängt werden, haben sich folgende Strategien bewährt:
- Planung mit Kalendererinnerungen: Eine diskrete Benachrichtigung kurz vor Zuhr und Asr hilft, die Zeit nicht zu verpassen. Viele Muslime stellen zusätzlich einen zweiten Alarm fünf Minuten vor dem Ende der jeweiligen Zeit, um einen Puffer zu haben.
- Pausen aktiv nutzen: Wer in Schule, Universität oder Büro eine feste Mittagspause hat, kann Zuhr und, je nach Länge, direkt auch Asr (nach schafiitischer Methode) verrichten. Hanafiten verschieben Asr einfach auf den ersten kurzen Nachmittagsbreak oder auf den Heimweg.
- Gebetsplatz vorbereiten: Ein kleiner, sauberer Teppich im Spind oder im Auto braucht kaum Platz, erspart aber die Suche nach einem geeigneten Raum.
- Maghrib nicht aufschieben: Im Winter ist Maghrib oft schon kurz nach Feierabend. Wenn kein Stau oder langer Heimweg dazwischenkommt, lässt sich das Gebet unmittelbar nach dem Verlassen des Gebäudes verrichten.
- Flexibilität des Islam nutzen: Bei nicht vermeidbarer Überschneidung – etwa Schichtarbeit – erlaubt die Scharia unter strengen Bedingungen das Zusammenlegen von Zuhr + Asr bzw. Maghrib + Ischa. Diese Ausnahme sollte jedoch nicht zur Routine werden und nach Möglichkeit mit einer religiösen Autorität besprochen werden.
Mit klarer Vorbereitung können selbst die engsten Winterzeiträume ohne Stress eingehalten werden. Im Sommer hingegen verschiebt Ischa sich bis weit nach 23 Uhr; wer früh aufstehen muss, kann das Gebet direkt nach Eintritt beten oder kurz vor der islamischen Mitternacht, um genügend Schlaf vor Fadschr zu haben.