Die Rolle der geografischen Breite (49,2° N): Lange Sommernächte und das Ishaa-Gebet
Öhringen liegt auf einer Breite von knapp 49 Grad nördlicher Breite. Damit befindet sich die Stadt deutlich oberhalb des 45. Breitengrads, ab dem die Dauer der bürgerlichen und nautischen Dämmerung in den Sommermonaten spürbar ansteigt. Je näher man sich Richtung Polarkreis bewegt, desto länger bleibt der Himmel nach Sonnenuntergang aufgehellt. Für die muslimische Gebetspraxis bedeutet das zweierlei:
- Ishaa im Sommer: Die Ischa-Zeit beginnt erst, wenn die nautische Dämmerung endet und der Himmel vollständig dunkel ist. In Öhringen kann das zwischen Mai und Juli sehr spät sein, teilweise erst nach 23 Uhr. Manche Berechnungsmethoden greifen deshalb im Sommer auf fixe Winkeldifferenzen (z. B. 15°–18° unter dem Horizont) oder auf den Anteil der Nachtlänge zurück.
- Fadschr im Hochsommer: Die Morgendämmerung setzt früh ein. An den längsten Tagen beginnt Fadschr bereits rund vier Stunden nach Ischa. Wer die freiwilligen Nachtgebete (Qiyâm al-lail) verrichten möchte, sollte diese Veränderung im Blick behalten.
Ein Sonderfall tritt ein, wenn in sehr nördlichen Breiten die astronomische Dämmerung gar nicht endet (weiße Nächte). Für Öhringen ist das noch nicht der Fall, aber die Dämmerungsphasen sind lang genug, um den Gebetsrhythmus spürbar zu verschieben. Daher erscheint die Ischa-Zeit in den Sommerwochen später als in südlicher gelegenen Regionen Deutschlands.
Längengrad und lokale Abweichungen beim Sonnenuntergang
Der Längengrad Öhringens (etwa 9,5° Ost) entscheidet darüber, wann genau die Sonne hier den Horizont berührt. Ein Grad Länge entspricht vier Minuten Zeit. Städte, die nur 30 Kilometer westlich liegen, erleben den Sonnenuntergang also einige Minuten später, östlich gelegene Orte entsprechend früher. Diese Differenz verursacht unterschiedliche Maghrib- und Ischa-Zeiten, obwohl die Städte im selben Bundesland liegen.
Die Berechnungsprogramme berücksichtigen für jeden Ort exakt:
- den genauen Längengrad für den Zeitpunkt des Sonnenuntergangs (Maghrib) und Sonnenaufgangs (Sonnenaufgang/Schuruk);
- den Standard-Zeitzonenoffset (MEZ) sowie die Sommerzeitregelung (MESZ);
- die jeweilige Höhe der Sonnenscheibe unter beziehungsweise über dem Horizont für Fadschr und Ischa (Gebetswinkel).
Warum es zwei Asr-Zeiten geben kann
Für Asr existieren zwei anerkannte Definitionen:
- Schāfiᶜī, Mālikī, Ḥanbalī: Asr beginnt, wenn der Schatten eines Gegenstands dessen eigene Länge erreicht.
- Ḥanafī: Derselbe Punkt plus eine zusätzliche Eigenlänge des Schattens.
Daher zeigen einige Kalender zwei Asr-Zeiten an. In Öhringen liegt der Unterschied je nach Jahreszeit zwischen 30 und 50 Minuten.
Schuruk verstehen: Warum der Fadschr vor Sonnenaufgang enden muss
Fadschr ist an das erste Morgengrauen gekoppelt, wenn ein schwacher, quer am Horizont verlaufender Lichtstreifen erscheint. Diese Phase dauert bis zum Sonnenaufgang (Schuruk). Ab Schuruk betritt die Sonne den sichtbaren Himmel, und das Fadschr-Gebet darf nicht weiter hinausgezögert werden.
Wer das Ende der Fadschr-Zeit exakt im Blick behalten möchte, kann sich an orientieren. Einige Minuten Sicherheit (z. B. 5 Min.) verhindern, dass das Gebet unbemerkt in eine ungültige Zeit rutscht.
Maghrib umgekehrt beginnt unmittelbar mit dem Untergang der Sonnenscheibe. Zu diesem Zeitpunkt endet die Zuhr-Asr-Periode abrupt, und die Verpflichtung zum Maghrib-Gebet tritt ein. Die genaue Beobachtung des Schattens oder des Himmels ist im Alltag nicht immer möglich. Verlässliche Berechnungsmethoden, die Datum, Koordinaten und Sonnenstand kombinieren, bieten deshalb eine praktische Hilfe und bilden die Grundlage für die hier angegebenen Zeiten.
Warum ändern sich die Zeiten täglich? Die Erdachse steht schief, und die Bahn der Erde um die Sonne ist elliptisch. Dadurch verschiebt sich der wahre Sonnenstand Tag für Tag leicht. Schon wenige Sekunden Differenz pro Tag summieren sich im Laufe des Monats zu mehreren Minuten, die man im Gebetsplan deutlich sieht.