Fadschr und Schuruq: Warum der Sonnenaufgang die Grenze setzt
Das Fadschr-Gebet beginnt mit der ersten Morgendämmerung («wahre Morgenröte») und endet genau in dem Moment, in dem die obere Sonnenscheibe den Horizont berührt. Dieser Zeitpunkt wird Schuruq beziehungsweise genannt. Wer das Fadschr noch nach Schuruq verrichtet, betet außerhalb der vorgeschriebenen Zeit und verfehlt damit eine der fünf festen Säulen des Tagesablaufs. Deshalb empfiehlt es sich, einen kleinen Sicherheitsabstand von ein bis zwei Minuten vor Schuruq einzuplanen, um Störungen wie das Ausfallen des Weckers oder Verzögerungen bei der Gebetsvorbereitung abzufangen.
Besonders in Senden mit der geografischen Breite von 51,856 ° N verlängern sich in den Sommermonaten die Dämmerungsphasen merklich. Das bedeutet: Das erste Licht erscheint sehr früh, während die Sonne vergleichsweise spät aufgeht. Im Winter sind die Zeitabstände dagegen kürzer, weil der Sonnenbogen flacher verläuft. Wer die unterschiedlichen Längen der Morgendämmerung kennt, kann seine Routinen das ganze Jahr über besser anpassen.
Geographische Länge und ihr Einfluss auf den Sonnenuntergang in Senden
Senden liegt auf 7,483 ° östlicher Länge. Diese Position sorgt dafür, dass die Sonne hier rund 18 bis 20 Minuten später untergeht als in Städten auf gleichem Breitengrad, die näher an der polnischen Grenze liegen, während sie einige Minuten früher verschwindet als in Rotterdam oder Brüssel. Schon wenige Dutzend Kilometer in Ost-West-Richtung verschieben das Maghrib-Gebet spürbar. Deshalb sollte man sich nicht auf Pauschalzeiten für ganz Nordrhein-Westfalen verlassen, sondern immer einen Ort wählen, der den tatsächlichen Koordinaten möglichst nahekommt.
Auch das Ischa-Gebet hängt von dieser westlichen Lage ab. Je weiter westlich sich ein Ort in Mitteleuropa befindet, desto später sinkt die Sonne die vorgeschriebenen Grade unter den Horizont, und desto länger dauert die astronomische Abenddämmerung. In den Sommerwochen kann Ischa in Senden deshalb erst deutlich nach 23 Uhr eintreten. Gebetskalender berücksichtigen diesen Effekt, indem sie die lokale Länge in die astronomischen Gleichungen für Sonnenzenit, Zenitwinkel und Deklination einbeziehen.
Asr nach zwei Rechtsschulen: Die Methode der Schafiiten und der Hanafiten
Im Qur’an wird das Nachmittagsgebet (Asr) nicht mit einer festen Uhrzeit, sondern mit dem Schattenstand beschrieben. Die Rechtsschulen haben diesen Anhaltspunkt unterschiedlich konkretisiert:
- Schafiitische, malikitische und hanbalitische Methode: Die Zeit beginnt, wenn der Schatten eines Objekts seine eigene Länge erreicht (zusätzlich zum Mittags-Schatten). Das ist hierzulande meist der Zeitpunkt, den Gebetskalender als „Standard-Asr» ausgeben.
- Hanafitische Methode: Der Schatten muss das Doppelte der Objektlänge erreichen. Der Beginn verschiebt sich dadurch je nach Jahreszeit um etwa 40 bis 60 Minuten nach hinten.
Beide Berechnungen basieren auf authentischen Hadithen und sind in ihrer jeweiligen Rechtsschule gültig. In vielen Kalendern für Deutschland werden deshalb zwei Asr-Spalten angegeben. Wer dem hanafitischen Madhhab folgt – was in vielen türkischen Gemeinden üblich ist – orientiert sich an der späteren Zeit. Alle anderen können die frühere Asr-Zeit wählen. Wichtig ist, innerhalb des eigenen Madhhabs konsequent zu bleiben, um Unklarheiten zu vermeiden.