Berlin, Februar 2026. In dieser Woche beginnt für Millionen Muslime in Deutschland und weltweit der heilige Monat Ramadan. Nach übereinstimmenden Berechnungen der islamischen Verbände fällt der erste Fastentag auf den 19. Februar 2026, das Fest des Fastenbrechens (Zuckerfest) wird am 20. März gefeiert. Eine Zeit der Besinnung, des Verzichts und der besonderen Gemeinschaft.
Für die rund 5,5 Millionen Muslime in Deutschland – davon große Gemeinschaften in Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt – bedeutet der Ramadan eine intensive Phase der Spiritualität. Der Alltag wird von festen Zeiten bestimmt: Suhoor (Mahlzeit vor der Morgendämmerung), Iftar (Fastenbrechen bei Sonnenuntergang) und die fünf täglichen Gebete strukturieren den Tag.
Warum heißt der Monat eigentlich Ramadan?
Der Name «Ramadan» leitet sich vom arabischen Wort «ar-ramad» ab, was so viel wie «glühende Hitze» oder «brennender Sand» bedeutet. Diese Bezeichnung ist symbolisch zu verstehen: So wie die Sonne den Boden erhitzt, soll das Fasten die Seele des Gläubigen von Sünden reinigen und läutern.
Im Ramadan wurden dem Propheten Muhammad die ersten Verse des Korans offenbart. Deshalb ist dieser Monat für Muslime weltweit eine Zeit der besonderen Gottesnähe, des verstärkten Koranstudiums und der spirituellen Einkehr. Es geht nicht einfach ums Hungern – sondern um die Entwicklung von Selbstbeherrschung (Taqua), Mitgefühl für Bedürftige und die Reinigung von negativen Eigenschaften wie Zorn, Lüge und Egoismus.
Wann beginnt der Ramadan 2026 in Deutschland?
Die Bestimmung des Ramadan-Beginns folgt dem islamischen Mondkalender. In Deutschland gibt es dabei eine Besonderheit: Anders als in manchen muslimisch geprägten Ländern gibt es keine staatliche Behörde, die den Beginn einheitlich festlegt. Die verschiedenen Moscheegemeinden und Dachverbände orientieren sich an unterschiedlichen Methoden.
Einheitliche Linie der großen Verbände: Der Koordinationsrat der Muslime (KRM), dem unter anderem DITIB, ZMD und IGR Mitglied angehören, hat sich auf eine astronomische Berechnung geeinigt. Danach beginnt der Ramadan 2026 am Abend des 18. Februars (mit dem Maghrib-Gebet), der erste Fastentag ist Donnerstag, der 19. Februar 2026.
Einige Gemeinschaften, wie die PCINU (indonesische Gemeinde in Deutschland), bestätigen dieses Datum ebenfalls. Andere orientieren sich an der tatsächlichen Sichtung der Mondsichel und könnten gegebenenfalls einen Tag später starten. Diese unterschiedlichen Methoden führen in Deutschland immer wieder zu leichten Abweichungen von einem Tag – ein normaler Vorgang, der von den Gelehrten mit Toleranz betrachtet wird.
Für die Praxis in Deutschland: Die meisten großen Moscheen in Berlin (Sehitlik-Moschee), Köln (Zentralmoschee), Frankfurt und Hamburg werden den Ramadan am 19. Februar beginnen. Es empfiehlt sich, die Bekanntgabe der eigenen Gemeinde zu verfolgen.
Wann endet der Ramadan 2026?
Der Fastenmonat dauert 29 oder 30 Tage, abhängig von der Mondsichtung. In Deutschland wird das Ende voraussichtlich wie folgt sein:
| Ereignis | Datum | Details |
|---|---|---|
| Letzter Fastentag | 19. März 2026 | Letztes Fastenbrechen (Iftar) bei Sonnenuntergang |
| Lailat al-Qadr (Nacht der Bestimmung) | Eine der letzten 10 Nächte | Die bedeutendste Nacht, in der der Koran herabgesandt wurde |
| Zuckerfest / Bayram (1. Tag) | 20. März 2026 | Festgebet am Morgen, Familienbesuche, Geschenke |
| Zuckerfest (2. und 3. Tag) | 21. – 22. März 2026 | Feierlichkeiten, Ausflüge, Besuche bei Freunden |
Das Fest des Fastenbrechens heißt auf Arabisch «Eid al-Fitr», im türkischen Sprachgebrauch «Ramazan Bayramı» – bekannt ist es in Deutschland vor allem als «Zuckerfest», weil traditionell viele Süßigkeiten gereicht werden.

Wann beginnt der Ramadan 2026 in Deutschland
Was ist im Ramadan verboten?
Das Fasten (arabisch: Saum) ist eine der fünf Säulen des Islam und für jeden gesunden, erwachsenen Muslim verpflichtend. In der Zeit von der Morgendämmerung (Fadschr-Gebet) bis zum Sonnenuntergang (Maghrib-Gebet) gilt:
Absolutes Verbot:
- Essen und Trinken (auch Wasser!)
- Rauchen und jeglicher Konsum von Tabakprodukten
- Eheliche Intimität
- Absichtliches Herbeiführen von Erbrechen
Was den Fasten nicht bricht:
- Vergessenes Essen oder Trinken (sofort aufhören, wenn man sich erinnert)
- Duschen, Baden, Schwimmen (solange kein Wasser geschluckt wird)
- Zähneputzen (darauf achten, keine Zahnpasta zu schlucken)
- Blutabnahme oder medizinische Injektionen (nicht-nährende Spritzen)
- Versehentliches Verschlucken von Staub oder Fliegen
Wie wird der Ramadan richtig begangen?
Der Tagesablauf verändert sich während des Ramadan grundlegend. Zwei Mahlzeiten strukturieren den Tag:
Suhoor – Die Mahlzeit vor der Morgendämmerung
Diese Mahlzeit wird vor dem Fadschr-Gebet eingenommen. Der Prophet empfahl sie ausdrücklich: «Nehmt die Suhoor-Mahlzeit ein, denn in ihr ist Segen.» Empfohlen werden sättigende Speisen mit komplexen Kohlenhydraten (Vollkornbrot, Haferflocken), Proteinen (Eier, Joghurt, Käse) und ausreichend Flüssigkeit.
Iftar – Das Fastenbrechen bei Sonnenuntergang
Pünktlich zum Maghrib-Gebet wird das Fasten gebrochen – traditionell mit Datteln und Wasser oder Milch, wie es der Prophet praktizierte. Erst danach folgt das eigentliche Abendessen. In Deutschland haben sich viele Restaurants und Catering-Services auf Iftar-Menüs spezialisiert, und in fast allen Moscheen werden öffentliche Iftars angeboten.
Bittgebet beim Fastenbrechen:
«Allahumma laka sumtu wa ‘ala rizqika aftartu» (O Allah, für Dich habe ich gefastet und mit Deiner Versorgung breche ich das Fasten).
Die Gebete im Ramadan
Neben den fünf täglichen Pflichtgebeten wird im Ramadan das besondere Nachtgebet verrichtet: Tarawih. Es wird nach dem Ischaa-Gebet in der Moschee im Gemeinschaftsgebet verrichtet. In den großen Moscheen Deutschlands – wie der Kölner Zentralmoschee oder der Sehitlik-Moschee in Berlin – versammeln sich hierzu Hunderte Gläubige.
Wer ist vom Fasten befreit?
Der Islam kennt Ausnahmen für Menschen, denen das Fasten gesundheitlich nicht zuzumuten ist oder die sich in besonderen Lebensumständen befinden:
- Kinder vor der Pubertät (keine Pflicht, aber spielerisches Heranführen erwünscht)
- Kranke Menschen, wenn das Fasten die Gesundheit gefährden würde
- Reisende (ab einer Entfernung von etwa 80 km)
- Schwangere und stillende Frauen
- Frauen während der Menstruation oder im Wochenbett
- Ältere und chronisch kranke Menschen, die dauerhaft nicht fasten können
Wer vorübergehend nicht fasten kann, muss die versäumten Tage zu einem späteren Zeitpunkt nachholen. Wer dauerhaft nicht fasten kann, leistet stattdessen eine Ersatzzahlung (Fidya) – für jeden Tag wird eine bedürftige Person verpflegt.
Die Ramadan-Spende: Zakat-ul-Fitr und Fidya
Die Mildtätigkeit nimmt im Ramadan einen besonders hohen Stellenwert ein.
Zakat-ul-Fitr (auch: Fitr-Spende): Diese Pflichtabgabe muss jeder Muslim, der über das Nötigste verfügt, vor dem Festgebet des Zuckerfestes entrichten. Sie dient dazu, dass auch Bedürftige das Fest würdig begehen können. In Deutschland empfiehlt der Koordinationsrat der Muslime für 2026 einen Betrag von 10,00 Euro pro Person.
Fidya (Ersatzleistung): Wer aus gesundheitlichen Gründen dauerhaft nicht fasten kann, entrichtet für jeden versäumten Tag eine Ersatzzahlung. Diese liegt in Deutschland ebenfalls bei etwa 10 Euro pro Tag – der ungefähre Preis für eine Tagesverpflegung.
Ramadan in den deutschen Großstädten: Vielfalt und gelebte Tradition
Deutschland ist Heimat einer lebendigen muslimischen Gemeinschaft. In den Metropolen zeigt sich der Ramadan in besonderer Weise:
- Berlin – Die Hauptstadt beherbergt eine der größten muslimischen Gemeinden Deutschlands. Die Sehitlik-Moschee im Bezirk Neukölln ist ein zentraler Anlaufpunkt mit täglichen Tarawih-Gebeten und öffentlichen Iftars. Auch die Omar-Ibn-Al-Khattab-Moschee in Kreuzberg bietet ein umfangreiches Ramadan-Programm. Die Berliner Morgenpost veröffentlicht täglich aktualisierte Gebetszeiten für Berlin. Besonders stimmungsvoll: In den vergangenen Jahren wurde am Rathaus Tiergarten erstmals eine Ramadan-Beleuchtung angebracht – ein Zeichen der wachsenden Anerkennung.
- Hamburg – In der Hansestadt, dem «Tor zur Welt», ist die muslimische Community stark vernetzt. Die Imam-Ali-Moschee (auch bekannt als «Blaue Moschee») und die Centrum-Moschee in St. Georg sind wichtige Anlaufpunkte. Die Hamburger Gebetszeiten werden täglich aktualisiert, für den Stadtstaat mit seiner spezifischen geografischen Lage sind präzise Zeiten besonders wichtig.
- Frankfurt am Main – Frankfurt hat im Verhältnis zur Einwohnerzahl die größte muslimische Community Deutschlands. Über 50 Moscheegemeinden mit unterschiedlichsten kulturellen Prägungen – türkisch, arabisch, bosnisch, pakistanisch, indonesisch und viele mehr – verteilen sich über das Stadtgebiet. Besonders bemerkenswert: Die Stadt Frankfurt hat den Ramadan mehrfach durch eine festliche Beleuchtung der beliebten «Freßgass» gewürdigt – ein bundesweit viel beachtetes Signal der Wertschätzung. Bürgermeisterin Dr. Nargess Eskandari-Grünberg betont in ihrer jährlichen Grußbotschaft die Bedeutung des Ramadan für das städtische Miteinander: «Die Iftars in den Frankfurter Moscheegemeinden, zu denen auch viele Nicht-Muslime eingeladen sind, sind längst eine schöne Tradition in vielen Stadtteilen geworden».
- Köln – Die DITIB-Zentralmoschee am Kölner Ebertplatz ist eines der bekanntesten muslimischen Gotteshäuser Deutschlands. Mit ihrer markanten Architektur und den hohen Besucherzahlen ist sie ein Anziehungspunkt für Muslime aus dem gesamten Rheinland. Die Tarawih-Gebete sind täglich gut besucht, und die Moschee öffnet ihre Pforten auch für Nicht-Muslime, die den Ramadan kennenlernen möchten.
- München – In der bayerischen Landeshauptstadt hat die muslimische Gemeinschaft ebenfalls tiefe Wurzeln. Das Islamische Zentrum München bietet ein umfangreiches Programm. Aufgrund der südlichen Lage Münchens verschieben sich die Gebetszeiten leicht gegenüber Norddeutschland – ein wichtiger Aspekt für die korrekte Einhaltung der Fastenzeiten.
- Düsseldorf – Die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt beherbergt eine große muslimische Gemeinde. Lokale Medien wie die Ruhr Nachrichten veröffentlichen detaillierte tägliche Iftar- und Gebetszeiten für Düsseldorf, was die Bedeutung des Ramadan im städtischen Leben unterstreicht.
Praktische Tipps für ein erfülltes Ramadan-Erlebnis in Deutschland
Für Fastende:
- Vorbereitung ist alles: Stellen Sie sicher, dass Sie die genauen Gebetszeiten für Ihren Ort kennen. Die Zeiten unterscheiden sich zwischen Flensburg und München um mehrere Minuten.
- Flexible Arbeitszeiten: Viele Arbeitgeber zeigen Verständnis für die besonderen Umstände im Ramadan. Sprechen Sie frühzeitig mögliche flexible Arbeitszeiten an.
- Gesundheit im Blick: Besonders in den ersten Tagen ist die Umstellung herausfordernd. Trinken Sie zwischen Iftar und Suhoor ausreichend Wasser und meiden Sie schweres, fettiges Essen.
- Gemeinschaft nutzen: Besuchen Sie Iftars in der Moschee oder mit Freunden – der Ramadan lebt von der Gemeinschaft.
Für Nicht-Muslime:
- Der Ramadan ist eine Zeit der Besinnung – ein «Frohen Ramadan» («Ramadan Mubarak» oder «Ramadan Kareem») wird als freundliche Geste empfunden.
- Kollegen, die fasten, freuen sich über Verständnis, wenn sie in der Mittagspause vielleicht lieber eine ruhige Ecke aufsuchen.
- Viele Moscheen laden zu öffentlichen Iftars ein – eine wunderbare Gelegenheit, die Gemeinschaft kennenzulernen.
Fazit: Ramadan in Deutschland – Tradition in der Moderne
Der Ramadan 2026 wird für die muslimische Gemeinschaft in Deutschland eine Zeit der Spiritualität, der Gemeinschaft und der Besinnung sein. In den Großstädten von Berlin bis München, von Hamburg bis Frankfurt zeigen sich lebendige Traditionen und eine zunehmende gesellschaftliche Sichtbarkeit.
Ob in der Kölner Zentralmoschee, der Berliner Sehitlik-Moschee oder den über 50 Frankfurter Gemeinden – überall treffen sich Gläubige zum Gebet, zum Iftar und zum Austausch. Die deutschen Städte haben längst verstanden, dass der Ramadan zu ihrem kulturellen Kalender gehört, wie die Grußworte der Frankfurter Bürgermeisterin oder die ersten Ramadan-Beleuchtungen in Berlin zeigen.
Möge dieser Ramadan für alle Frieden, Besinnung und Segen bringen. Ramadan Mubarak!
Hinweis: Die genauen Anfangszeiten können je nach Methode der Mondsichtung variieren. Bitte beachten Sie die offiziellen Bekanntgaben Ihrer örtlichen Moscheegemeinde.


