Berechnungsmethoden und ihre Rolle in Deutschland
Die in Deutschland am häufigsten genutzten Gebetskalender basieren fast immer auf einer von drei international anerkannten Berechnungsmethoden: Muslim World League (MWL), Diyanet İşleri Başkanlığı und IGMG. Alle drei setzen die gleichen astronomischen Grundlagen ein – Datum, geografische Koordinaten von München (48,137° N, 11,575° O), Zeitzone Europe/Berlin sowie die jeweilige Sommerzeitregelung – unterscheiden sich jedoch in den verwendeten Sonnen-Depressionswinkeln für Fadschr und Ischa.
- MWL verwendet 18° für Fadschr und 17° für Ischa. Das führt besonders im Winter zu etwas früheren Morgenzeiten und etwas späteren Nachtzeiten.
- Diyanet nutzt 18°/17° wie MWL, passt die Ergebnisse aber über ein eigenes Korrekturmodell an die Türkei-Koordinaten an und überträgt diese Differenz tabellarisch auf Deutschland. Dadurch verschieben sich die Zeiten in München um wenige Minuten nach vorn.
- IGMG arbeitet mit 18°/17° und ergänzt regionale Korrekturen speziell für Mitteleuropa. In der Praxis liegen die IGMG-Zeiten meist zwischen den Werten von MWL und Diyanet.
Kleine Abweichungen – oft drei bis fünf Minuten – entstehen, weil jede Organisation ihre Berechnungen auf andere Referenzstädte oder zusätzliche Rundenregeln stützt. Die Pflicht des Muslims ist erfüllt, wenn das Gebet sicher innerhalb des islamrechtlich zulässigen Zeitfensters verrichtet wird. Wer absolute Gewissheit sucht, kann sich an die konservativste der angebotenen Zeiten halten.
Die geografische Breite Münchens spielt dabei eine besondere Rolle: Nördlich von 48° verschiebt sich der Sonnenstand im Jahreslauf stärker als in mediterranen Regionen. In den langen Sommernächten sinkt die Sonne nur flach unter den Horizont, während sie im Winter sehr niedrig aufsteigt. Das erklärt, warum Fadschr und Ischa hier je nach Jahreszeit um mehrere Stunden auseinanderdriften.
Asr-Zeit im hanafitischen und schafiitischen Verständnis
Die Scharia definiert den Beginn des Nachmittagsgebets durch die Länge des Schattens eines Objekts.
- Schafiitische, malikische und hanbalitische Schule: Asr beginnt, sobald der Schatten eines Gegenstands seine eigene Länge plus den Mittags-Nullschatten erreicht.
- Hanafitische Schule: Asr beginnt, wenn der Schatten die doppelte Länge des Objekts plus den Mittags-Nullschatten erreicht.
Im Sommer, wenn die Sonne hoch steht, liegen zwischen beiden Berechnungen in München bis zu 40 Minuten Unterschied. Im Winter schrumpft die Differenz auf wenige Minuten. Gläubige richten sich nach der Lehre ihres jeweiligen Madhhabs; wer sich unsicher ist, kann das Gebet innerhalb des früheren Zeitfensters verrichten, ohne eine mögliche Überschreitung zu riskieren.
Zu beachten ist, dass die spätere hanafitische Asr-Zeit nicht bedeutet, dass das Gebet bis dahin aufgeschoben werden muss. Vielmehr erweitert sie das zulässige Zeitfenster. Wer nach hanafitischer Auffassung betet, sollte jedoch das Gebet vor dem Sonnenuntergang abgeschlossen haben, da mit Maghrib eine neue Pflichtzeit beginnt.
Schuruq verstehen: Warum der Fadschr vor Sonnenaufgang enden muss
Schuruq bezeichnet den Augenblick, an dem die obere Sonnenscheibe in München sichtbar wird. Der Fadschr-Zeitraum beginnt mit dem ersten wahren Morgendämmern (weißer Streifen am Osthorizont) und endet spätestens mit Schuruq. Wer den Fadschr erst nach Schuruq betet, hat das Gebet außerhalb seiner vorgeschriebenen Zeit verrichtet.
Die Kombination aus hoher Breite und Sommerzeit sorgt dafür, dass der Abstand zwischen dem Beginn des Fadschr und Schuruq in München im Juni auf kaum mehr als 90 Minuten schrumpft, während er im Dezember fast drei Stunden erreicht. Gerade in den hellen Sommerwochen ist daher ein strukturierter Schlaf- und Gebetsplan wichtig. Manche Muslime stellen sich einen Wecker knapp vor dem Berechnungspunkt von , um genug Zeit für Wudhu und Sunna-Gebete zu haben.
Maghrib wiederum knüpft unmittelbar an den Sonnenuntergang an; erst wenn die Sonnenscheibe komplett verschwunden ist, beginnt die nächste Pflichtzeit. Ischa beginnt, sobald die nautische Dämmerung endet und keine rötlichen Restlichter mehr am Himmel stehen. Durch die flachen Nachtwinkel in München kann sich dies im Hochsommer bis tief in die Nacht verschieben; weshalb manche Kalender Ischa mit angepasster Methode (z. B. 12° statt 17°) ausweisen.
Moscheen und islamische Zentren in München
| Name | Adresse | Kontakt |
|---|---|---|
| Islamisches Zentrum München (IZM) | Hansastraße 2, 80686 München | izm-muenchen.de |
| DITIB Mevlana Moschee | Schanzenbachstraße 2, 81543 München | ditib-muenchen.de |
| Münchner Forum für Islam (MFI) | Hotterstraße 16, 80331 München | forum-islam.de |
| Masjid Darul Quran | Valleystraße 25, 81371 München | darulquran.de |