Berechnungsmethoden in Deutschland: MWL, Diyanet und IGMG
Für Bezirk Wandsbek werden die Gebetszeiten in der Regel nach einem von drei verbreiteten Algorithmen berechnet:
- MWL (Muslim World League) – internationaler Standard mit einem Fadschr-Winkel von 18° und einem Ischa-Winkel von 17° unter dem Horizont. Viele Apps und weltweite Listen nutzen diese Methode.
- Diyanet – die türkische Religionsbehörde arbeitet mit 18° für Fadschr und 17° für Ischa, gleicht die Ergebnisse jedoch an lokale Beobachtungen in der Türkei an. Viele in Deutschland lebende Türkischsprachige bevorzugen deshalb Diyanet-Tabellen.
- IGMG – stellt auf 12° für Fadschr und Ischa ab. Dieser kleinere Winkel verschiebt die Morgendämmerung etwas nach vorn und die Nachtgebetszeit etwas nach hinten und berücksichtigt damit die langen Sommernächte in Mitteleuropa.
Alle drei Berechnungswege basieren auf denselben astronomischen Daten (Sonnenstand, Datum, Koordinaten), setzen jedoch unterschiedliche Dämmerungswinkel ein. Je steiler der Winkel, desto früher beginnt Fadschr und desto später fällt Ischa aus. Das erklärt die teilweise deutlichen Abweichungen in Tabellen, selbst wenn sie für denselben Tag und dieselbe Stadt erstellt wurden.
Asr nach den Rechtsschulen
Für die Nachmittagszeit Asr gibt es zwei akzeptierte Definitionen:
- Schafi‘i, Maliki und Hanbali: Asr beginnt, wenn der Schatten eines Objekts seine eigene Länge erreicht.
- Hanafi: Asr beginnt, wenn der Schatten die doppelte Länge erreicht.
Dadurch kann die Asr-Zeit in Bezirk Wandsbek je nach angewendetem Mazhab um 30 bis 60 Minuten variieren. In den hier angezeigten Tabellen wird der Hanafi-Beginn oft zusätzlich ausgewiesen, damit jede Person die für sie passende Zeit leicht erkennt.
Breitengrad 53,58° N – Auswirkungen auf Fadschr und Ischa
Bezirk Wandsbek liegt etwas nördlich des 53. Breitengrades. Das bedeutet:
- Lange Tage im Juni / Juli: Die Sonne geht spät unter und sehr früh auf. Zwischen Maghrib und Fadschr liegen manchmal weniger als fünf Stunden. Ischa kann erst weit nach 23 Uhr eintreten.
- Kurze Tage im Dezember: Sonnenaufgang erst nach 8 Uhr, Sonnenuntergang gegen 16 Uhr. Die Nacht ist lang, Fadschr und Ischa rücken näher zusammen.
- Sommerliche Dämmerungsprobleme: Ab etwa 48° N verschwindet die astronomische Dunkelheit im Hochsommer teils völlig. Am 53. Breitengrad bleibt der Himmel zwar dunkel genug, die anhaltende Helligkeit kann jedoch die exakte Feststellung der Ischa-Zeit erschweren. Einige Gemeinden greifen dann auf Hilfsmethoden wie die 1/7-Regel oder die Mitternachtsmethode zurück, andere folgen weiterhin festen Dämmerungswinkeln.
Praktisch heißt das: In den längsten Nächten verkürzt sich das Zeitfenster für Fadschr auf weniger als 90 Minuten. Wer sicher gehen möchte, plant ein paar Minuten Sicherheitsabstand zum endgültigen Beginn des Sonnenaufgangs.
Schuruk und das Ende des Fadschr – warum der Übergang entscheidend ist
Schuruk bezeichnet den Moment, in dem die obere Sonnenscheibe den Horizont berührt. Mit diesem Augenblick endet die Zeit für das Morgengebet. Das bedeutet konkret:
- Das Fadschr-Gebet muss vor vollständig abgeschlossen sein.
- Nach Schuruk beginnt eine Phase, in der freiwillige Gebete (z. B. Duha) empfohlen sind, während Pflichtgebete nicht nachgeholt werden dürfen.
- Maghrib wiederum beginnt erst, wenn die Sonne komplett untergegangen ist. Erst zu diesem Zeitpunkt wird das Abendgebet fällig.
Wer also die Tabelle für Bezirk Wandsbek betrachtet, sollte Fadschr spätestens ein bis zwei Minuten vor dem angegebenen Schuruk-Zeitpunkt beenden, um nicht in das kritische Zeitfenster zu geraten.