Die geografische Breite von Köln (≈ 50,9° N) führt zu spürbar längeren Tagen im Sommer und kurzen Tagen im Winter. Dadurch verschieben sich die Gebetszeiten über das Jahr hinweg deutlich: In den hellen Juni-Nächten rückt das Fadschr-Gebet sehr früh in die Morgenstunden, während Ischa erst spät beginnt. Umgekehrt liegen beide Gebete im Dezember enger beieinander. Dieses saisonale Muster basiert ausschließlich auf dem Sonnenstand – nicht auf Kalenderdaten oder Sommerzeitregeln.
Für die Berechnung wird jeder Tag einzeln betrachtet. Grundlage sind die Koordinaten der Stadt, der jeweilige Sonnenwinkel für Beginn und Ende der Dämmerung sowie die lokale Zeitzone (Europe/Berlin). Computerprogramme setzen diese Parameter in astronomische Formeln um und liefern die Zeiten der fünf Pflichtgebete plus Sonnenaufgang. Die folgenden Abschnitte erklären, warum es dennoch mehrere Methoden gibt und wie man die Angaben richtig einordnet.
1. Unterschiede zwischen MWL, Diyanet und IGMG – warum drei Methoden?
In Deutschland sind vor allem drei Berechnungsstandards verbreitet:
- Muslim World League (MWL) – benutzt 18° Sonnenhöhe für Fadschr und 17° für Ischa. Diese relativ großen Winkel erfassen das Ende der astronomischen Dämmerung und liefern tendenziell frühere Fadschr- und spätere Ischa-Zeiten.
- Diyanet – das türkische Präsidium für religiöse Angelegenheiten rechnet mit 18°/17° wie MWL, wendet aber zusätzliche Korrekturen für hohe Breiten an. Deshalb können die Zeiten im Sommer etwas zusammenrücken.
- IGMG – legt 12° für Fadschr und Ischa zugrunde. Der kleinere Winkel markiert das Ende der nautischen Dämmerung und führt zu späterem Fadschr und früherem Ischa. Viele Gemeinden mit türkischem Hintergrund in Deutschland bevorzugen dieses Modell, weil es praxisnäher erscheint, wenn der Himmel in nördlichen Breiten nie völlig dunkel wird.
Alle drei Verfahren sind nach anerkannten Fiqh-Regeln zulässig. Die Wahl richtet sich meist nach Gemeindetradition oder Abstimmung des örtlichen Imams. Wichtig ist, innerhalb einer Gemeinde konsistente Zeiten zu nutzen, um Einheitlichkeit im Jamaʿa-Gebet zu wahren.
2. Schuruq: Was genau passiert zwischen Fadschr und Sonnenaufgang?
Der Begriff Schuruq bezeichnet den Moment, in dem die obere Sonnenscheibe den Horizont erreicht – also den tatsächlichen Sonnenaufgang. Ab diesem Zeitpunkt ist das freiwillige Gebet verboten, bis die Sonne sich etwas über den Horizont erhoben hat. Das Pflichtgebet Fadschr muss daher unbedingt vor Schuruq abgeschlossen sein. Die Zeitspanne zwischen Fadschr-Beginn und Schuruq variiert je nach Jahreszeit und Methode. In Köln beträgt sie im Winter etwa 90 Minuten, im Hochsommer dagegen nur 60 Minuten.
Ein praktischer Merksatz: Sobald das erste Morgenlicht am östlichen Horizont erscheint (Fadschr-Anbruch), beginnt das Zeitfenster. Es endet mit . Wer sein Gebet näher an das Ende verschiebt, läuft Gefahr, von witterungsbedingten oder rechnerischen Unsicherheiten überrascht zu werden. Ein paar Minuten Sicherheitsabstand sind daher ratsam.
3. Zwei Ansätze für Asr: schafiitisch vs. hanafitisch
Die Asr-Zeit definiert sich über die Länge des Objektschattens:
- Schafiitische, malikitsche und hanbalitische Meinung: Asr beginnt, wenn der Schatten eines Gegenstands seine eigene Länge plus den Mittags-Kernschatten erreicht (Verhältnis 1:1).
- Hanafitische Meinung: Das Verhältnis beträgt 2:1, d. h. der Schatten muss die doppelte Objektlänge erreichen.
In mittleren Breiten wie Köln liegt der Unterschied zwischen beiden Varianten meist bei 30 – 60 Minuten. Beide Ansichten stützen sich auf authentische Überlieferungen; daher bieten viele Gebetskalender zwei Asr-Spalten oder kennzeichnen den späteren hanafitischen Zeitpunkt gesondert. Wer einer Rechtsschule folgt, hält sich konsequent an deren Definition, vermeidet aber Urteile über andere Methoden.
Moscheen und islamische Zentren in Köln
| Name | Adresse | Kontakt |
|---|---|---|
| DITIB Zentralmoschee Köln | Venloer Str. 160, 50823 Köln | +49 221 508 000 |
| Abu-Bakr Moschee | Hansaring 5, 50670 Köln | — |
| Bilal-Moschee | Palmstr. 14, 50672 Köln | — |
| Al-Farooq Moschee | Vogelsanger Str. 220, 50825 Köln | — |