Wie sich das Zeitfenster zwischen Maghrib und Ischa im Winter verkürzt
Essen liegt auf 51,46° nördlicher Breite. Diese geografische Lage sorgt dafür, dass die Sonne im Dezember besonders flach über den Horizont wandert und schon am späten Nachmittag untergeht. Der Beginn von Maghrib fällt daher in die frühe Dämmerung, während Ischa kurz darauf eintritt. Zwischen beiden Gebeten bleiben im tiefen Winter oft weniger als anderthalb Stunden – ein deutlich kürzeres Zeitfenster als im Sommer. Wer nach Feierabend betet, sollte deshalb beachten, dass Ischa im Januar manchmal schon vor 18 Uhr fällig ist.
Im Sommer zeigt sich das Gegenteil: Die Sonne bleibt lange sichtbar, die nautische Dämmerung dauert deutlich länger und Ischa beginnt erst spät am Abend. Diese jahreszeitliche Verschiebung erklärt, warum die Monatsübersichten so unterschiedliche Abstände zwischen den Abendgebeten ausweisen.
Astronomische Dämmerung und die Berechnung des Fadschr in Essen
Der Beginn des Fadschr-Gebets wird in der klassischen Fiqh-Literatur mit dem ersten fühlbaren Aufhellen des Osthorizonts („wahre Morgendämmerung“) verknüpft. Astronomisch entspricht dies dem Moment, in dem die Sonnendeklination etwa 18 Grad unter dem Horizont liegt. Bei dieser Sonnenhöhe ist das Sonnenlicht noch nicht sichtbar, aber die Streuung in der oberen Atmosphäre erzeugt das charakteristische sanfte Glimmen.
Zwischen Fadschr und dem Sonnenaufgang vergehen in Essen durchschnittlich 90 – 100 Minuten. Wer bis kurz vor wartet, läuft Gefahr, die Gebetszeit zu verpassen, denn der Eintritt von Shuruq beendet die zulässige Zeit für das Fadschr-Gebet.
Die Länge der Morgendämmerung verändert sich mit den Jahreszeiten: Auf 51° Breite sind die Sommerdämmungen sehr lang, weil die Sonne nur flach unter den Horizont taucht. In der hellsten Zeit kann die Astronomische Dämmerung praktisch ineinander übergehen, was spezielle Rechenregeln erforderlich macht (siehe unten).
Beliebte Berechnungsmethoden in Deutschland: MWL, Diyanet und IGMG im Vergleich
MWL (Muslim World League)
MWL nutzt für Essen einen Sonnenwinkel von −18° für Fadschr und −17° für Ischa. Dadurch liegen die beiden Gebetszeiten relativ weit auseinander. Diese Methode wird häufig von internationalen Apps eingesetzt, weil sie für mittlere Breiten verlässliche Werte liefert.
Diyanet
Der türkische Präsidium für Religionsangelegenheiten (Diyanet) rechnet mit −19,5° für Fadschr und −17,5° für Ischa. Die Resultate liegen meist einige Minuten vor den MWL-Zeiten. In vielen Moscheegemeinden türkischer Prägung in Nordrhein-Westfalen ist dies der Standard.
IGMG
Die Islamische Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG) folgt in Deutschland heute weitgehend dem Diyanet-Modell, ergänzt dieses jedoch um regionale Korrekturen für hohe Breiten. Dadurch werden an sehr langen Sommertagen Minimalabstände zwischen Maghrib und Ischa sichergestellt.
Warum weichen die Zeiten voneinander ab?
Der Hauptunterschied liegt in den verwendeten Sonnenwinkeln. Ein größerer Winkel (z. B. −20°) bedeutet: Der dafür berechnete Fadschr beginnt früher, weil die Sonne noch tiefer unter dem Horizont steht. Hinzu kommen lokale Faktoren wie Höhenlage, horizontale Hindernisse und die Definition von Asr. Im hanafitischen Madhhab beginnt Asr, wenn der Schatten eines Objekts das Doppelte seiner Länge erreicht hat; in den übrigen drei Madhahib genügt die einfache Schattenlänge. Entsprechend listet ein detaillierter Kalender oft zwei Asr-Spalten. Beide Zeiten sind schariatisch gültig, jedoch wählen Moscheen in Deutschland überwiegend die hanafitische Variante, da viele Gemeindemitglieder diesem Madhhab folgen.
Moscheen und islamische Zentren in Essen
| Name | Adresse | Kontakt |
|---|---|---|
| DITIB Merkez Moschee Essen | Altendorfer Str. 353, 45143 Essen | +49 201 866030 |
| Abu Bakr Moschee | Krayer Str. 209, 45307 Essen | abubakr-essen.de |
| Mevlana Moschee | Vereinstr. 24, 45141 Essen | +49 201 365020 |
| Islamisches Kulturzentrum Essen e.V. | Kruppstr. 35, 45145 Essen | ikz-essen.de |
| Masjid Ar-Rahman | Schederhofstr. 109, 45145 Essen | — |