Geografische Länge und der genaue Sonnenuntergang in Achern
Achern liegt bei 8,08° östlicher Länge und damit etwas westlicher als viele andere Städte Baden-Württembergs, etwa Stuttgart oder Ulm. Weil sich die Erde in 24 Stunden einmal um 360 Grad dreht, entspricht ein Längengrad einer Zeitdifferenz von vier Minuten. Das bedeutet: Für jede Stadt, die ein Grad weiter östlich liegt, geht die Sonne rund vier Minuten früher unter. In Achern verschiebt sich der Maghrib-Zeitpunkt also geringfügig nach hinten, verglichen mit Orten östlich des Oberrheins. Diese scheinbar kleinen Abweichungen erklären, warum zwei benachbarte Gemeinden unterschiedliche Gebetskalender veröffentlichen können, obwohl beide dieselbe Berechnungsmethode verwenden. Je präziser die Koordinaten, desto exakter das Ergebnis – insbesondere zur Sommerzeit, wenn Sekunden über den Beginn des Fastenbrechens entscheiden.
Der Breitengrad von 48,63° hat ebenfalls Konsequenzen: Im Juni sind die Tage lang, der Winkel der Sonnenbahn flach, und die Abstände zwischen Fadschr, Sonnenaufgang und Ischa werden kürzer. Während im Dezember in Achern fast 16 Stunden Nacht herrschen, schrumpft die Dunkelphase im Hochsommer auf gut sechs Stunden zusammen. Das führt dazu, dass die Morgendämmerung (Fadschr) teilweise schon kurz nach 03:00 Uhr beginnt, während das Abendgebet (Ischa) erst gegen 23:00 Uhr eintritt. Wer zusätzlich die empfohlene freiwillige Nachtandacht verrichtet, kann sich mithilfe der Schaltfläche den Zeitpunkt der Mitte der Nacht anzeigen lassen und so seine Planung erleichtern.
Asr-Zeit nach hanafitischer und schafiitischer Schule
Die fünf täglichen Gebete sind unstrittig; offen ist nur, wann genau die Asr-Zeit beginnt. Das liegt an zwei unterschiedlichen Interpretationen eines Hadith, der die Länge des Schattenwurfs erwähnt. In der schafiitischen, malikitischen und hanbalitischen Rechtsschule startet Asr, sobald der Schatten eines Objekts seine eigene Länge erreicht (SchafiD-Meinung). Nach hanafitischer Auffassung beginnt die Zeit erst, wenn der Schatten doppelt so lang ist wie das Objekt selbst (HanafiD-Meinung). Für Achern bedeutet das insbesondere in den Sommermonaten einen Unterschied von durchschnittlich 40 bis 60 Minuten. Viele Moscheegemeinden veröffentlichen daher zwei Spalten oder markieren den späteren Hanafi-Zeitpunkt separat. Beide Meinungen haben eine legitime Grundlage in der Überlieferung; Gläubige richten sich in der Regel nach dem in ihrer Gemeinde gelebten Rechtsschul-Usus.
Zu beachten ist, dass sich das Ende des Asr-Zeitfensters nicht ändert: Es endet mit Sonnenuntergang, also dem Beginn von Maghrib. Wer sich für die frühere SchafiD-Zeit entscheidet, gewinnt lediglich ein größeres Zeitfenster für die Verrichtung des Gebets.
Fadschr und die astronomische Morgendämmerung
Die Berechnung der Fadschr-Zeit orientiert sich am ersten Lichtstreifen, der den östlichen Horizont quert. Astronomisch spricht man von der bürgerlichen, nautischen und astronomischen Dämmerung. Für islamische Kalender wird meist der Beginn der astronomischen Morgendämmerung herangezogen, wenn die Sonne 18 Grad unter dem Horizont steht. In Deutschland hat sich ein Wert von 18° für Fadschr und 17° für Ischa etabliert. Manche Systeme nutzen 12° oder 15°, um in hohen Breiten die problematisch lange Zeit bis Ischa zu verkürzen. Dadurch verschieben sich die Ergebnisse teilweise um bis zu 25 Minuten.
In Achern ist der 18°-Ansatz das gängigste Modell. Die Software, die unser Kalender nutzt, kombiniert die geografischen Koordinaten (48,63° N, 8,08° E) mit dem tagesaktuellen Sonnenstand und dem gültigen Zeitsystem (Mitteleuropäische Zeit bzw. MESZ). Zusätzlich wird Temkin – ein Korrekturwert von ein bis zwei Minuten – auf Fadschr und Maghrib angewandt, um atmosphärische Lichtbrechung auszugleichen. Deshalb können Zeiten von Quelle zu Quelle leicht schwanken. Eine Differenz von bis zu fünf Minuten gilt als normal und beeinträchtigt nicht die Gültigkeit des Gebets.
Wer nachts wach ist, kann sich auch am Zeitpunkt des letzten Drittels der Nacht orientieren: . Laut Überlieferung ist dies eine besonders segensreiche Phase für Bittgebete, weil «Allah in den untersten Himmel hinabsteigt» (Sahih al-Bukhari).