Die Uhrzeiten für die fünf täglichen Gebete richten sich unmittelbar nach dem Lauf der Sonne über Alt-Hohenschönhausen. Obwohl das Gebets-Widget bereits die konkreten Zeiten anzeigt, hilft es, die dahinterliegenden Faktoren zu verstehen. So lässt sich einschätzen, warum sich das heutige Schema von dem der Vorwoche unterscheidet und weshalb andere Webseiten gelegentlich abweichende Werte melden.
1. Längengrad und lokaler Sonnenuntergang
Alt-Hohenschönhausen liegt auf 13,5 ° östlicher Länge. Für den Zeitpunkt des Sonnenuntergangs – und damit für Maghrib – ist vor allem der Längengrad entscheidend: Pro Längengrad verschieben sich Sonnenauf- und ‑untergang um rund vier Minuten. Deshalb geht die Sonne hier etwa 28 Minuten früher unter als in Köln (6,9 ° O) und rund zwölf Minuten später als in Frankfurt (8,7 ° O). Auch wenn die Differenz klein klingt, wirkt sie sich bei der Berechnung sämtlicher Folgegebete aus, weil Zuhr, Asr, Maghrib und Ischa sukzessive an den Untergang des vorherigen Sonnenstands gekoppelt sind.
Die geografische Breite von 52,55 ° beeinflusst zusätzlich die Dauer der Dämmerungsphasen: Je höher die Breite, desto flacher schneidet die Sonnenbahn den Horizont. Das führt im Berliner Raum zu langen Sommerabenden und sehr kurzen Nächten. Im Dezember dagegen ist der Tag kurz, und die Sonne erreicht schon am frühen Nachmittag ihren Meridian, was ein verhältnismäßig frühes Asr-Fenster eröffnet.
2. Astronomische Dämmerung: Wie Fadschr berechnet wird
Der Beginn von Fadschr hängt nicht am ersten Sonnenstrahl, sondern am Einsetzen der Morgendämmerung. Klassische Fiqh-Werke definieren diesen Moment als den Zeitpunkt, zu dem das horizontale Lichtband (Fadschr sadiq) erscheint, während der Himmel noch überwiegend dunkel ist. Astronomisch entspricht das dem Winkel, bei dem die Sonne 18 Grad unter dem Horizont steht. Diese Grenze wird weltweit am häufigsten verwendet, doch einige Institutionen arbeiten mit 17 oder 15 Grad, um den unterschiedlichen Sichtbedingungen Rechnung zu tragen.
Auf 52,55 ° Breite verschwindet die wahre Dunkelheit im Hochsommer kaum vollständig; die Sonne taucht nur für kurze Zeit tiefer als 18 Grad. Das verkürzt den Abstand zwischen Fadschr und auf kaum mehr als anderthalb Stunden. Im Winter verlängert sich diese Spanne erheblich, weil die Nacht länger und die Sonne steiler unter den Horizont sinkt.
3. Rechenmethoden in Deutschland: MWL, Diyanet und IGMG
Damit weltweit automatische Gebetskalender erstellt werden können, haben große islamische Institutionen Berechnungsverfahren publiziert. In Deutschland begegnen einem vor allem folgende drei:
- MWL (Muslim World League) – verwendet 18° für Fadschr und 17° für Ischa. Dieser konservative Ansatz wird häufig von internationalen Apps übernommen.
- Diyanet (Türkische Religionsbehörde) – legt 18° für beide Dämmerungen zugrunde, passt jedoch Zuhr und Asr um wenige Minuten empirisch an die lokalen Beobachtungen in der Türkei an. In europäischen Breitengraden führt das zu leicht späteren Ischa-Zeiten.
- IGMG – nutzt ebenfalls 18°/17°, variiert aber die Parameter minimal, um das Sommerproblem der hohen Breiten zu glätten. Bei Bedarf wird Ischa auf einen spätesten Zeitpunkt (z. B. Mitternacht) begrenzt.
Dasselbe Prinzip erklärt auch den Unterschied beim Asr-Gebet. Die Methode «Standard» (ʿAsr al-aulā) zieht den längeren Schatten der eigenen Körperhöhe heran, während die hanafitische Schule einen Schatten von zwei Körperhöhen verlangt. In der Praxis verschiebt dies Asr in Alt-Hohenschönhausen heute um ca. 30 – 40 Minuten nach hinten. Viele Moscheen im deutschsprachigen Raum veröffentlichen daher beide Zeiten.
Warum sich die Zeiten täglich ändern
Die Erdachse ist um 23,4 Grad geneigt. Dadurch variiert der Sonnenstand von Tag zu Tag; in unserer Breite verschiebt sich der Sonnenuntergang pro Tag im Frühling und Sommer um bis zu zwei Minuten. Schon eine einzige Woche summiert sich diese Drift auf 10 – 14 Minuten. Die Gebetszeiten-Tabelle aktualisiert deshalb jeden Tag neu, um diese natürliche Bewegung abzubilden.