Geografische Länge: Warum der Sonnenuntergang in Arnsberg Minuten anders liegt
Arnsberg liegt bei 8,08° östlicher Länge. Schon wenige Längengrade entscheiden darüber, wann die Sonne den Horizont erreicht. Ein Grad entspricht rund vier Minuten Zeitunterschied. Vergleicht man Arnsberg etwa mit Dortmund (7,47° E), geht die Sonne hier im Durchschnitt knapp zwei Minuten früher unter. Das wirkt sich direkt auf Maghrib aus, denn diese Gebetszeit beginnt mit dem tatsächlichen Sonnenuntergang. Wer regelmäßig zwischen benachbarten Städten pendelt, sollte deshalb nicht pauschal dieselben Zeiten verwenden, sondern sich immer nach dem konkreten Längenwert richten.
Bei den anderen Gebeten wird die Längendifferenz über den gesamten Tag hinweg „mitgerechnet“. So kann auch Zuhr, das auf dem Höchststand der Sonne basiert, um wenige Minuten variieren. Der Einfluss ist zwar klein, aber gerade im Winter, wenn die Spanne zwischen Maghrib und Ischa kurz ist, können diese Minuten entscheidend sein.
Beliebte Berechnungsmethoden in Deutschland: MWL, Diyanet und IGMG im Vergleich
In Deutschland werden vor allem drei Rechenansätze verwendet:
- MWL (Muslim World League): arbeitet mit –18° für Fadschr und –17° für Ischa. Diese Winkel beschreiben, wie tief sich die Sonne unter dem Horizont befindet, wenn die astronomische Morgendämmerung bzw. Abenddämmerung beginnt.
- Diyanet: legt –18° für beide Gebete zugrunde, allerdings mit einer zusätzlichen Beobachtungskomponente. In Regionen mit extremen Sommernächten wird der Zeitpunkt von Ischa notfalls gekürzt, um praktikabel zu bleiben.
- IGMG: nutzt meistens –12° für Fadschr und –13° für Ischa. Dadurch rücken beide Zeiten näher an den Sonnenaufgang bzw. -untergang heran, was viele Gemeinden im mitteleuropäischen Alltag als leichter umsetzbar empfinden.
Welche Methode angezeigt wird, hängt davon ab, für welche Parameter sich eine Gemeinde oder ein digitaler Dienst entscheidet. Schariarechtlich sind alle drei Ansätze anerkannt, solange die zugrunde liegenden Sonnenstände stimmen. Wichtig ist, innerhalb einer Gemeinde einheitlich zu handeln, um gemeinsame Jamaʿat-Gebete problemlos organisieren zu können.
Asr nach hanafitischer und schafiitischer Sicht
Das Asr-Gebet beginnt, wenn der Schatten eines Objekts seine ursprüngliche Länge erreicht (Shafiʿi-, Maliki-, Hanbali-Schulen) oder sie verdoppelt (hanafitische Schule). Dadurch entsteht in Arnsberg je nach Tag ein Unterschied von 45–60 Minuten. Auf vielen Zeittafeln werden deshalb beide Asr-Zeiten ausgewiesen.
Astronomische Dämmerung und die exakte Bestimmung des Fadschr
Fadschr beginnt nicht mit dem ersten farbigen Streifen am Osthimmel, sondern mit dem sogenannten „wahren“ Morgengrauen (Fadschr ṣādiq). Dieser Zeitpunkt wird astronomisch über den Tiefenwinkel der Sonne definiert. Bei einem Winkel von –18° (MWL, Diyanet) ist der Horizont gerade so aufgehellt, dass eine horizontale Lichtlinie entsteht. Liegt der Winkel höher (–12° bis –15°), erscheint das Gebet leichter erreichbar, aber auch etwas früher im dunklen Abschnitt der Nacht.
Arnsberg befindet sich auf 51,38° nördlicher Breite. Diese relativ hohe Breite führt zu deutlichen saisonalen Schwankungen: Im Juni wird es erst sehr spät dunkel, im Dezember dagegen schon am Nachmittag. Je länger die astronomische Dämmerung dauert, desto weiter rückt Ischa nach hinten. Umgekehrt nähert sich Fadschr im Sommer stark an den Sonnenaufgang an. Manche Methoden wenden daher Hilfsregeln wie die Proportional-Methode oder eine fixe Zeitdifferenz an, wenn der Abstand zwischen Fadschr und Sonnenaufgang auf unter 90 Minuten schrumpft.
Eine praktische Eselsbrücke: Zwischen Ischa und Fadschr liegt immer die Nacht. Halbiert man diese Spanne, erhält man den ungefähren Zeitpunkt von Mitternacht nach islamischer Definition (). Dieser Wert kann zur Planung von Tahadschud-Gebeten dienen, ohne dass er mit Ischa oder Fadschr verwechselt wird.