Asr nach 1-facher oder 2-facher Schattenlänge?
Für das Nachmittagsgebet gibt es zwei akzeptierte Berechnungsweisen. Im schafiitischen, malikitischen und hanbalitischen Rechtsschulrecht beginnt Asr, sobald der Schatten eines Objekts seine eigene Länge plus den Mittagsschatten erreicht. Die hanafitische Schule wartet, bis der Schatten die doppelte Länge erreicht hat. In Bad Oeynhausen liegt die Differenz zwischen beiden Zeitpunkten je nach Jahreszeit zwischen 35 und 70 Minuten.
Welcher Zeitpunkt in der Praxis befolgt wird, hängt von der eigenen Rechtsschule, aber auch von der lokalen Gemeinschaft ab. Viele Moscheen in Deutschland veröffentlichen beide Zeiten, damit jede und jeder entsprechend der eigenen Madhhab beten kann. Wichtig ist, dass zwischen Ende von Zuhr und Beginn von Maghrib genügend Raum bleibt: Beide Methoden erfüllen diese Voraussetzung.
Hinweis für den langen Sommer im Norden: Bei rund 52° nördlicher Breite werden die Tage deutlich länger, sodass der hanafitische Asr manchmal erst in den späten Nachmittag fällt. Wer am Arbeitsplatz oder in der Schule nur kurze Pausen hat, kann den schafiitischen Zeitpunkt als letzte Sicherheitspuffer nutzen, sofern die eigene Rechtsschule dies erlaubt.
Berechnungsmethoden in Deutschland: MWL, Diyanet und IGMG
Gebetszeiten werden mathematisch aus Sonnenstand, Datum, Längengrad 8,80° Ost, Breitengrad 52,21° Nord und der Zeitzone CET/CEST bestimmt. Entscheidend sind die sogenannten Sonnen-Depressionswinkel für Fadschr und Ischa.
- MWL (Standard): 18° für Fadschr und 17° für Ischa. International verbreitet, bildet in vielen Apps den Default.
- Diyanet: 18°/17° wie MWL, ergänzt um lokale Korrekturen für türkische Gemeinden. Diyanet-Tabellen sind in vielen deutschen Moscheen ausgehängt.
- IGMG: 12°/12°. Der geringere Winkel bringt Fadschr etwas später und Ischa etwas früher – eine Erleichterung für hohe Breiten, in denen die Nacht kurz ist.
Weil jede Methode andere Winkel oder Korrekturen anwendet, erhalten Sie in verschiedenen Kalendern leicht unterschiedliche Zeiten. Da alle Methoden jedoch auf anerkannten astronomischen Grundlagen beruhen, gilt jede als gültig, solange sie nachvollziehbar ist. Für die eigene Routine empfiehlt es sich, eine Methode konsequent beizubehalten, um Verwechslungen zu vermeiden.
Je höher die geographische Breite, desto flacher verläuft die Sonne unter dem Horizont. In Bad Oeynhausen resultiert das im Juni in sehr heller Dämmerung: die astronomische Nacht dauert nur wenige Stunden. Methoden mit 12-Grad-Winkeln (IGMG) liefern hier praxisnähere Ischa-Zeiten, während 18-Grad-Ansätze manchmal weit nach Mitternacht liegen oder rechnerisch ganz ausfallen.
Zeitmanagement zwischen Job, Studium und Gebet
Kurze Wintertage
Von November bis Februar vergehen zwischen Zuhr und Maghrib kaum vier Stunden. Planen Sie daher feste Gebetsfenster ein: Zuhr direkt in der Mittagspause, Asr unmittelbar danach oder kurz vor Feierabend. Eine Tasbih und kurze Suren helfen, die Pflicht schnell, aber mit Konzentration abzuschließen.
Lange Sommernächte
Im Juni steigt die Sonne erst nach 4 Uhr über den Horizont. Trotzdem endet die Fadschr-Zeit schon einige Minuten zuvor: spätestens bis sollte das Gebet beendet sein. Nutzen Sie den Wecker mit Vibrationsalarm, um Familie oder Mitbewohner nicht zu wecken.
Nutzbare Pausen identifizieren
- Gleitzeit ausschöpfen: Viele Arbeitgeber in Nordrhein-Westfalen bieten flexible Kernzeiten. Ein früher Arbeitsbeginn erleichtert eine Pause für Zuhr und Asr.
- Raum reservieren: Besprechen Sie rechtzeitig mit Vorgesetzten die Möglichkeit, einen ruhigen Raum zu nutzen. Eine saubere Gebetsmatte genügt.
- Auf Bewölkung achten: Stark bedeckter Himmel verschiebt die sichtbare Helligkeit, nicht aber die rechnerischen Zeiten. Halten Sie sich deshalb an den Kalender und nicht an das persönliche Helligkeitsempfinden.
Wer in Schichtarbeit tätig ist, kann Gebete notfalls zusammenlegen, sofern die jeweilige Rechtsschule das bei echten Erschwernissen erlaubt. Eine rechtskundige Person oder lokale Imame geben dazu individuelle Auskunft.