Auswirkungen der nördlichen Breite von Bad Schwartau auf Sommernächte und die Ischa-Zeit
Bad Schwartau liegt auf 53,9 ° N. Diese hohe Breite sorgt im Juni und Juli für sehr lange Tage: Dämmerung setzt schon kurz nach Mitternacht wieder ein, während die Sonne erst gegen 22 Uhr untergeht. In solchen «weißen Nächten» wird die Abenddämmerung nur schwach dunkel; der für das Ischa-Gebet maßgebliche astronomische Sonnenstand von 15–18 ° unter dem Horizont wird spät oder gar nicht erreicht. Daher kann Ischa in den Sommermonaten nach 23 Uhr oder – bei strengem 18°-Kriterium – rechnerisch sogar auf den nächsten Tag fallen.
Um diese Herausforderung zu lösen, greifen Gelehrte für nördliche Breiten auf Ersatzziehungen zurück. Häufig angewendete Modelle sind:
- 1/2-Methode: Ischa liegt bei , also in der Mitte zwischen Sonnenuntergang und Morgendämmerung.
- 1/3-Methode: Ischa fällt auf das erste Drittel der Nacht, .
- Festes Dämmerungsintervall von 90 oder 120 Minuten nach Maghrib.
Welche Lösung gewählt wird, richtet sich nach lokalen Fatwas und persönlicher Überzeugung. Für alle Methoden gilt: Das Pflichtgebet darf nicht mutwillig verzögert werden, sobald die festgelegte Zeit erreicht ist.
Warum unterscheiden sich die Kalenderwerte? Die Berechnung stützt sich auf mehrere Parameter:
- Datum und Sonnenstand (Deklination, Gleichung der Zeit)
- exakte Koordinaten von Bad Schwartau (53,91887 ° N, 10,69691 ° E)
- Zeitzone Europe/Berlin mit Sommer- und Winterzeit
- gewählte Dämmerungswinkel für Fadschr und Ischa (z. B. 18°, 15°)
- Methode für Asr (Schattenlänge × 1 oder × 2)
Schon kleine Unterschiede bei diesen Werten verschieben die Ergebniszeit um mehrere Minuten – ein Grund, weshalb verschiedene Websites selten identische Zeiten anzeigen.
Was bedeutet Schuruq und warum muss das Fadschr-Gebet davor beendet sein?
Fadschr beginnt mit der ersten Morgendämmerung (arab. al-fadschar al-sādiq), wenn ein heller Streifen horizontal am östlichen Horizont erscheint. Der Zeitraum endet unmittelbar vor dem Sonnenaufgang , auf Deutsch meist einfach «Sonnenaufgang» genannt. Mit dem Augenblick, in dem die Sonnenscheibe die Horizontlinie berührt, tritt ein verhasster Zeitraum (karāha) ein, in dem kein Pflichtgebet verrichtet werden darf.
Wer Fadschr noch kurz vor Schuruq betet, erfüllt die Pflicht. Wird die Zeit jedoch versäumt und erst nach Sonnenaufgang gebetet, gilt das Gebet als qaḍāʾ (nachgeholt). Um dies zu vermeiden, empfiehlt es sich, einen persönlichen Puffer von zwei bis drei Minuten einzuplanen.
Der Begriff Schuruq hilft außerdem, den Zusammenhang der fünf Gebete zu verstehen: Fadschr steht für die Morgendämmerung vor Schuruq, Zuhr für den Sonnenhöchststand, Asr für den Schattenzeitpunkt, Maghrib für den Sonnenuntergang und Ischa für das Ende der Abenddämmerung. So entsteht ein geschlossener Tagesbogen, den der Muslim bewusst strukturiert.
Verkürzte Zeitspanne zwischen Maghrib und Ischa in den Wintermonaten
Im Dezember erreicht die Sonne an 53,9 ° N ihren flachsten Tagesbogen. Sie geht schon gegen 16 Uhr unter, und das Abendrot verblasst rasch. Das bedeutet: Zwischen Maghrib und Ischa vergeht oft kaum mehr als 80 – 90 Minuten. Für Berufstätige und Schüler kann es daher sinnvoll sein, den Heimweg, das Fastenbrechen oder Familienaktivitäten so zu planen, dass Ischa rechtzeitig gebetet werden kann.
Auch das Asr-Gebet rückt im Winter dichter an Maghrib heran. Im hanafitischen Madhhab fällt Asr später, weil hier die doppelte Schattenlänge zugrunde gelegt wird; in den übrigen Rechtsschulen genügt die einfache Schattenlänge. Je nach Methode kann sich Asr an kurzen Wintertagen um 20 – 30 Minuten unterscheiden. Wer mehrere Kalender nutzt, sollte daher prüfen, welches Madhhab-Kriterium angewendet wurde.
Durch die stark schwankende Tageslänge ändert sich das gesamte Gebetsraster von Tag zu Tag. Moderne Berechnungsprogramme beziehen deshalb das tagesaktuelle Sonnen-Azimut ein und aktualisieren die Zeiten automatisch – dennoch bleibt ein natürlicher Restspielraum von ein bis zwei Minuten, der in der Praxis toleriert wird.