Die Uhrzeiten der fünf täglichen Gebete richten sich nach klar definierten astronomischen Ereignissen. Wer in Bergisch Gladbach lebt, stellt schnell fest, dass die Angaben hier geringfügig von denen benachbarter Orte abweichen. Der Grund liegt in den konkreten geografischen Koordinaten und der gewählten Berechnungsmethode – beides wird im Folgenden erläutert.
Geografische Lage und ihr Einfluss auf den Sonnenuntergang
Bergisch Gladbach befindet sich bei 50,99 ° nördlicher Breite und 7,13 ° östlicher Länge. Die Länge entscheidet, wann die Sonne lokal den Horizont erreicht: Pro Längengrad verschiebt sich der Sonnenuntergang um etwa vier Minuten. Zwischen Bergisch Gladbach und dem nur 20 km entfernten Köln (6,96 ° Ost) beträgt die Differenz daher knapp eine Minute. Je weiter man in Richtung Osten fährt, desto später geht die Sonne unter, was sich direkt auf die Maghrib— und Ischa-Zeit auswirkt.
Die Breite von fast 51 ° bewirkt zudem große Unterschiede zwischen Sommer- und Wintertagen. Im Juni dauert der helle Tag über 16 Stunden; Fadschr beginnt sehr früh, Ischa endet erst nahe Mitternacht. Im Dezember hingegen verkürzt sich der Tag auf gut acht Stunden: Der Abstand zwischen Maghrib und Ischa schrumpft, während zwischen Ischa und dem nächsten Fadschr eine lange, dunkle Phase liegt – für viele eine gute Orientierung, um die Mitte der Nacht mit zu ermitteln.
Asr-Zeit nach Ḥanafī- und Schāfiʿī-Schule
Das Nachmittagsgebet (Asr) besitzt zwei anerkannte Berechnungsweisen:
- Schāfiʿī, Mālikī, Ḥanbalī: Asr beginnt, sobald der Schatten eines Objekts seine eigene Länge erreicht – zusätzlich zum sogenannten Meridianschatten.
- Ḥanafī: Asr beginnt, wenn der Schatten doppelt so lang ist.
Im Raum Bergisch Gladbach ergibt das meist einen zeitlichen Abstand von 35–50 Minuten. Viele Gemeinden orientieren sich am ḥanafītischen Wert, weil ein großer Teil der in Deutschland lebenden Muslime aus Ländern stammt, in denen diese Rechtsschule vorherrscht. Beide Zeiten gelten als gültig; entscheidend ist die bewusste Wahl und Konsistenz in der eigenen Praxis.
Rechenmethoden MWL, Diyanet und IGMG: warum mehrere Tabellen?
Hinter jeder veröffentlichten Gebetszeit steckt ein Satz astronomischer Parameter, vor allem der Sonnenstand für Fadschr und Ischa. In Deutschland sind drei Verfahren am gebräuchlichsten:
MWL (Muslim World League)
Setzt –18° für Fadschr und –17° für Ischa an. Diese relativ großen Werte führen zu frühen Morgendämmerungs- und späten Abendzeiten. Viele internationale Apps nutzen MWL als Voreinstellung.
Diyanet
Die türkische Religionsbehörde wählt –18° für beide Gebete, arbeitet jedoch mit leicht anderer Korrektur bei Höhenlage und Refraktion. Da zahlreiche Moscheen in Bergisch Gladbach von DITIB getragen werden, ist Diyanet hier sehr verbreitet.
IGMG
Die Islamische Gemeinschaft Millî Görüş hat ihr eigenes Schema: –12° (Fadschr) und –13° (Ischa). Dadurch liegen die Gebetszeiten etwas später am Morgen und früher am Abend – ein Kompromiss, der vor allem in nördlichen Breiten den langen Sommernächten entgegenkommt.
Unterschiede von fünf bis zwanzig Minuten sind daher normal. Wichtig ist, dass eine Gemeinde für alle fünf Gebete dieselbe Methodik beibehält, damit das tägliche Zeitgefüge stimmig bleibt. Wer allein betet, kann bewusst die Methode wählen, die seinem Gewissen und seinem lokalen Umfeld am nächsten kommt.