Die astronomischen Kriterien für die fünf täglichen Gebete gelten überall gleich, doch die konkreten Uhrzeiten sind das Ergebnis mehrerer Berechnungsschritte. Wer in Bergkamen betet, sollte verstehen, warum sich Tabellen, Apps oder Aushänge manchmal um wenige Minuten unterscheiden und wie man diese Differenzen richtig einordnet.
Berechnungsmethoden: MWL, Diyanet und IGMG im Vergleich
Die gebräuchlichsten Rechenwerke in Deutschland verwenden unterschiedliche Werte für die Sonnentiefe unter dem Horizont (Twilight-Winkel) bei Fadschr und Ischa. Diese Winkel bestimmen, wann das erste bzw. das letzte Licht der Sonne wahrnehmbar ist.
Typische Parameter
- Muslim World League (MWL): 18° für Fadschr, 17° für Ischa – international weit verbreitet, deshalb oft in Smartphones voreingestellt.
- Diyanet İşleri Başkanlığı: 18° für beide Gebete – bindend für viele türkische Gemeinden, auch in Bergkamen.
- IGMG: 12°–13° für Ischa (regional angepasst), 18° für Fadschr – berücksichtigt lange mitteleuropäische Dämmerungen und erleichtert die Einhaltung spätabendlicher Gebete.
Je kleiner der Winkel, desto später beginnt Ischa und desto früher endet Fadschr. Für Bergkamen kann der Unterschied zwischen MWL und IGMG an langen Sommerabenden bis zu 25 Minuten betragen. Da die meisten Moscheen in Nordrhein-Westfalen dem Diyanet- oder IGMG-Kalender folgen, weichen dort ausgehängte Zeiten häufig von internationalen Web-Portalen ab.
Fadschr, Sonnenaufgang und ihre Abgrenzung
Fadschr beginnt mit der nautischen Morgendämmerung (astronomischer Winkel), endet jedoch spätestens beim Sonnenaufgang – in Tabellen als Schuruk oder Sonnenaufgang ausgewiesen. Wer also vor betet, erfüllt die Bedingung sicher, auch wenn sich Methoden unterscheiden.
Einfluss der geographischen Länge auf den Sonnenuntergang in Bergkamen
Bergkamen liegt bei 7,64° östlicher Länge. Jede Längendifferenz von rund einem Grad verschiebt den wahren Sonnenuntergang um etwa vier Minuten. Deshalb geht die Sonne in Dortmund (7,47° E) nur gut 40 Sekunden später unter, während sie im deutlich weiter östlich gelegenen Leipzig (12,4° E) schon ca. 19 Minuten früher untergeht – obwohl beide Städte in derselben Zeitzone liegen.
Für das Gebet bedeutet das:
- Maghrib knüpft exakt an den Sonnenuntergang an; schon wenige Kilometer Unterschied verändern die Uhrzeit.
- Zuhr verschiebt sich entsprechend, da er auf dem Sonnenhöchststand basiert.
Breitengrad 51,6° N – lange Sommertage, frühe Winterabende
Auf 51,6° N wird der Tag im Juni sehr lang; Fadschr kann kurz nach 3 Uhr beginnen, und Ischa liegt erst nach 23 Uhr. Im Dezember verkürzt sich die Dämmerung drastisch – zwischen Maghrib und Ischa vergehen oft weniger als 70 Minuten. Diese jahreszeitlichen Extreme resultieren allein aus der Breitenlage und sind der Grund, warum sich die Gebetszeiten Tag für Tag ändern.
Asr-Zeit: Unterschied zwischen schafiitischer und hanafitischer Berechnung
Die Asr-Zeit beginnt, sobald der Schatten eines Gegenstands eine bestimmte Länge erreicht.
Definitionen
- Schafiitische (sowie malikitische und hanbalitische) Schule: Asr beginnt, wenn der Schatten die eigene Länge des Objekts erreicht (zusätzlich zum Mittags-Schatten).
- Hanafitische Schule: Asr beginnt erst, wenn der Schatten doppelt so lang wie das Objekt ist (plus Mittags-Schatten).
In Deutschland folgen viele türkisch geprägte Gemeinden der hanafitischen Meinung, während internationale Apps oft die schafiitische Variante anzeigen. Der dadurch entstehende Unterschied beträgt in Bergkamen meist 50 – 70 Minuten im Sommer und 30 – 45 Minuten im Winter. Beide Auffassungen sind in der klassischen Rechtslehre verankert; wer sich konsequent an eine Linie hält, vermeidet Überschneidungen und Zweifel.
Unabhängig vom Mazhab endet Asr mit dem Sonnenuntergang, also dem Eintritt von Maghrib. Es bleibt daher immer ausreichend Zeit, auch bei der späteren hanafitischen Berechnung.