Bergneustadt liegt auf 51,02° nördlicher Breite. Diese hohe Lage führt dazu, dass die Länge des Tages im Jahresverlauf stark schwankt: Im Juni wird es sehr spät dunkel, während im Dezember die Sonne schon am frühen Nachmittag untergeht. Genau dieses Wechselspiel wirkt sich unmittelbar auf die Gebetszeiten aus, besonders auf Fadschr und Ischa, weil sie an die Morgendämmerung bzw. die Abenddämmerung gekoppelt sind.
Wie sich die Zeit zwischen Maghrib und Ischa in den Wintermonaten verkürzt
Maghrib beginnt, sobald die obere Scheibe der Sonne unter dem Horizont verschwunden ist. Ischa tritt erst ein, wenn die nautische Abenddämmerung endet und der Himmel vollständig dunkel wird. Im Winter sinkt die Sonne in Bergneustadt steiler unter den Horizont als im Sommer. Die Phase der Dämmerung ist daher deutlich kürzer und Ischa folgt schon 60–70 Minuten nach Maghrib. Wer nach der Arbeit noch beide Gebete verrichten möchte, hat nur ein kleines Zeitfenster und sollte diese Besonderheit im Dezember und Januar fest einplanen.
Im Sommer ist das Verhältnis umgekehrt: Die Sonne bewegt sich flacher unter den Horizont, und die nautische Dämmerung hält lange an. Ab einer Breite von über 48° kann es sogar vorkommen, dass die astronomische Dämmerung nicht vollständig endet. In Bergneustadt wird Ischa dadurch sehr spät – oft erst nach 23 Uhr. Das erklärt, warum die Gebetszeiten-Tabelle je nach Jahreszeit so stark schwankt.
Asr-Zeit: schafiitische vs. hanafitische Berechnung
Alle Rechtsschulen leiten den Beginn von Asr aus dem Schatten eines Objekts ab. Unterschiedlich ist jedoch, welcher Schatten gemeint ist:
- Schafiitischer, malikitischer und hanbalitischer Mazhab: Asr beginnt, wenn der Schatten eines Gegenstands seine eigene Länge erreicht (zusätzlich zum Mittags-Schatten).
- Hanafitischer Mazhab: Asr beginnt erst, wenn der Schatten das Doppelte seiner Länge erreicht.
In Bergneustadt kann diese Differenz – je nach Jahreszeit – 40 bis 70 Minuten betragen. Die meisten deutschen Gebetskalender zeigen beide Zeiten an, damit jede Gemeinde ihre Praxis umsetzen kann. Wer dem hanafitischen Mazhab folgt, hat somit mehr Spielraum für das Nachmittagsgebet, sollte aber darauf achten, Maghrib nicht zu verpassen, falls der Tag kurz ist.
Schuruk verstehen: Warum Fadschr vor Sonnenaufgang endet
Fadschr erstreckt sich von der Morgendämmerung (wahres, horizontales Lichtband) bis unmittelbar vor den Sonnenaufgang. Dieser Moment wird auf Arabisch Schuruk genannt und ist in der Tabelle als gekennzeichnet. Wird Fadschr nach dem Schuruk verrichtet, gilt es als verpasst (qada). In Bergneustadt kann der Abstand zwischen Fadschr-Beginn und Schuruk im Juni fast drei Stunden betragen, im Dezember dagegen weniger als zwei Stunden. Ursache ist erneut die Breite von 51°, die im Sommer lange Morgendämmerungen verursacht.
Praktischer Hinweis: Wer seine Weckerzeit anpasst, sollte ein paar Minuten Sicherheitsabstand einplanen, da selbst kleine Rundungsunterschiede in Berechnungsprogrammen den tatsächlichen Schuruk geringfügig verschieben können. Eine gute Orientierung bietet außerdem die halbe Nacht (nisf al-lail), die sich mit berechnen lässt und in langen Sommernächten ein zusätzliches Zeitfenster für freiwillige Gebete markiert.