Die Gebetszeiten für Bönen richten sich unmittelbar nach der Stellung der Sonne über dem 51,6. Breitengrad. Damit ändern sich die einzelnen Zeiten nicht nur von Monat zu Monat, sondern auch von Tag zu Tag. Je weiter ein Ort vom Äquator entfernt liegt, desto stärker schwanken die Längen von Tag und Nacht. Für Bönen bedeutet das: sehr frühe Fadschr-Beginnzeiten im Juni und späte Ischa-Zeiten, während im Dezember beide Gebete deutlich näher aneinander rücken.
Asr-Zeit: Unterschied zwischen schafiitischer und hanafitischer Berechnung
Die Zeit für das Asr-Gebet beginnt, wenn der Schatten eines Objekts seine eigene Länge plus den „Mittagsschatten“ erreicht. Dabei gibt es zwei anerkannte Herangehensweisen:
- Schafiitisch, malikitisch, hanbalitisch: Asr beginnt bei einer Schattenlänge von 1 × Objektlänge.
- Hanafitisch: Asr beginnt erst bei 2 × Objektlänge.
Auf dem Breitengrad von Bönen führt das an langen Sommertagen zu einem Unterschied von etwa 40 bis 60 Minuten zwischen den beiden Berechnungen; im Winter schrumpft die Differenz auf rund 20 Minuten. Beide Varianten gelten als gültig, weil sie sich jeweils auf authentische Überlieferungen stützen. Wer dem hanafitischen Madhhab folgt, wartet also länger, bis die Asr-Zeit eintritt. Muslims anderer Rechtsschulen dürfen bereits früher beten. Wichtig ist, das gewählte Verfahren konsequent beizubehalten, um Verwirrung zu vermeiden.
Warum das Zeitfenster zwischen Maghrib und Ischa im Winter so kurz ist
Maghrib beginnt unmittelbar mit dem Untergang der Sonnenscheibe. Ischa wird erst fällig, wenn die astronomische Abenddämmerung (die roten und weißen Restlichter) gänzlich verschwunden ist. Auf 51,6° nördlicher Breite sinkt die Sonne im Dezember steil unter den Horizont, sodass der Übergang von ziviler zu nautischer und schließlich astronomischer Dämmerung schnell geschieht. Dadurch verkürzt sich das Intervall zwischen Maghrib und Ischa teilweise auf weniger als 70 Minuten.
Praktisch bedeutet das für den Alltag in Bönen:
- Das Fastenbrechen (Iftar) fällt fast zusammen mit der Vorbereitung auf Ischa und Tarawih, sobald der Winter einsetzt.
- Wer nach Feierabend noch unterwegs ist, sollte bereits vor Maghrib einen Platz zum Beten einplanen, damit Ischa nicht verpasst wird.
Im Sommer kehrt sich die Situation um. Weil die Sonne flacher untergeht, dauert die Dämmerung deutlich länger, und das Intervall zwischen den beiden Gebeten kann bis zu drei Stunden betragen. Die Fadschr-Zeit endet hingegen stets mit dem Sonnenaufgang, also bei .
MWL, Diyanet und IGMG – drei verbreitete Rechenmethoden in Deutschland
Gebetszeiten werden heute in der Regel durch astronomische Algorithmen bestimmt, die zwei Kernparameter variieren: den Sonnenwinkel für Fadschr und Ischa sowie eventuell ein festes Zeitintervall nach Sonnenuntergang. Die drei gängigsten Schemata in Deutschland sind:
1. Muslim World League (MWL)
Verwendet 18° (Fadschr) und 17° (Ischa). Dieser konservative Ansatz liefert vergleichsweise frühe Fadschr- und späte Ischa-Zeiten, was besonders im Sommer in Bönen spürbar ist.
2. Diyanet İşleri Başkanlığı
Die türkische Religionsbehörde nutzt 18° für beide Gebete, rundet aber jede Zeit zur nächsten vollen Minute. Da viele Moscheen in Nordrhein-Westfalen unter DITIB-Verwaltung stehen, ist die Diyanet-Tabelle in Bönen weit verbreitet.
3. IGMG (Islamische Gemeinschaft Millî Görüş)
IGMG kombiniert 12° (Fadschr/Ischa) mit einer Zusatzregel: Wenn die Sonne in den Sommermonaten nach Mitternacht wieder aufgeht, wird ein Ersatzalgorithmus („60-Minuten-Regel“) aktiviert. Das verkürzt die sehr langen Nächte und erleichtert das Einhalten der Gebetszeiten.
Warum erscheinen also in verschiedenen Apps oder Kalendern leicht unterschiedliche Zeiten?
- Jede Methode benutzt eigene Winkel oder Intervallansätze.
- Rundungsstrategien (auf ganze oder halbe Minuten) variieren.
- Die genaue Position von Bönen (Längengrad 7,77° E) kann je nach Quelle leicht unterschiedlich hinterlegt sein.
- Manche Dienste berücksichtigen den Höhenunterschied zum Meeresspiegel oder atmosphärische Refraktion.
Alle drei Methoden sind islamisch anerkannt. Entscheidend ist, dass lokale Gemeinden sich auf einheitliche Zeiten einigen, damit der Gemeindesalah gemeinsam verrichtet werden kann.