1. Längengrad und die exakte Zeit des Sonnenuntergangs
Burscheid liegt bei 7,11 ° östlicher Länge. Diese geografische Position bestimmt, wann die Sonne den lokalen Horizont erreicht und damit wann Maghrib beginnt. Als Faustregel gilt: Pro Grad Längendifferenz verschiebt sich der Sonnenuntergang um etwa vier Minuten. Verglichen mit Köln (6,95 ° E) geht die Sonne in Burscheid nur rund 40 Sekunden früher unter, während sie in östlicher gelegenen Städten wie Wuppertal (7,18 ° E) bereits etwa 30 Sekunden früher untergeht. Diese scheinbar kleinen Abweichungen werden beim Rechnen der Gebetszeiten berücksichtigt, damit das Ende von Asr und der Beginn von Maghrib hier wirklich der lokalen Wirklichkeit entsprechen.
Beim Asr-Gebet kommt ein weiterer Faktor hinzu: die Schule, der man folgt. Im hanafitischen Madhhab beginnt Asr, wenn der Schatten eines Objekts das Doppelte seiner Länge plus den Mittagsschatten erreicht; in den übrigen Rechtsschulen reicht das Einfache. Dadurch kann die Asr-Zeit in Burscheid—je nach Auswahl—um 40 bis 60 Minuten variieren. Beide Berechnungen basieren jedoch auf demselben Sonnenstand und unterscheiden sich nur in der juristischen Definition des Grenzwertes.
2. Was bedeutet Schuruk und warum endet Fadschr davor?
Als Schuruk (Sonnenaufgang) bezeichnet man den Moment, in dem die obere Sonnenscheibe die Horizontlinie durchbricht. In den Gebetszeitenlisten finden Sie dieses Ereignis häufig direkt nach Fadschr. Der Prophet ﷺ hat betont, dass das Morgengebet vor dem tatsächlichen Aufgang abgeschlossen sein muss. Mit anderen Worten: Die Zeitspanne zwischen dem ersten Morgendämmern (Fadschr) und dem Beginn des sichtbaren Sonnenaufgangs (Schuruk) ist das zulässige Fenster für das Gebet.
Für Burscheid wird der genaue Moment des Schuruk mit Hilfe der astronomischen Refraktion ermittelt. Das bedeutet, dass nicht nur der geometrische Aufgang (−0,833 ° Sonnenstand) berücksichtigt wird, sondern auch, wie die Erdatmosphäre das Licht bricht. Dadurch erhalten Sie eine Uhrzeit, die praxisnah und sicher ist. Spätestens zu sollte das Fadschr-Gebet beendet sein, um nicht in das verbotene Zeitfenster direkt beim Sonnenaufgang zu geraten.
Nach Schuruk beginnt eine kurze Phase, in der keine Pflichtgebete verrichtet werden. Erst ab dem Sonnenhöchststand (Zuhr) wird das nächste Gebet fällig. Das hilft, die fünf Gebete klar voneinander abzugrenzen und verhindert Überschneidungen.
3. Breitenwirkung: Sommernächte und die Berechnung von Ischa
Mit 51,08 ° nördlicher Breite liegt Burscheid deutlich oberhalb der 48-Grad-Marke, ab der die Sommertwilight-Problematik einsetzt. Je näher der Sommer kommt, desto kürzer wird die Nacht und desto länger dauern die bürgerlichen sowie nautischen Dämmerungen an. Das führt dazu, dass die Sonne nach Maghrib nur flach unter den Horizont sinkt und der Himmel noch lange aufgehellt bleibt. Für Ischa, das formell mit dem Ende der astronomischen Dämmerung (Sonnenstand ≈ −17 ° bis −18 °) beginnt, ergeben sich dadurch sehr späte Zeiten.
Um den Gläubigen dennoch praktikable Uhrzeiten anzubieten, verwenden Rechenzentren mehrere Ansätze:
- Fester Sonnenstands-Winkel: Häufig 17 ° oder 18 °. Liefert präzise, aber teils sehr späte Zeiten in Juni und Juli.
- Prozentualer Nachtanteil: Ischa = oder ½ der Nacht (), wenn astronomische Dämmerung nicht erreicht wird.
- Kombinationsmodelle: Wechsel zwischen Winkel und festen Intervallen, je nachdem, ob der Winkelwert vor Mitternacht liegt.
Die hier veröffentlichte Tabelle wendet den Muslim World League-Standard (18 °/17 °) an. Für extrem späte Sommerwerte stellt das System automatisch auf proportionale Nachtteilung um, damit Ischa in Burscheid nicht in den frühen Morgenstunden landet. Diese Vorgehensweise ist von europäischen Fatwa-Gremien anerkannt und wird auch in umliegenden Städten genutzt.
Die hohe Breite beeinflusst ebenfalls den Zeitpunkt von Fadschr. Je heller die Nächte, desto später setzt der wahre Morgendämmerungspunkt ein. So kann im Juni die Zeit zwischen Fadschr und Schuruk deutlich unter zwei Stunden liegen, während sie im Dezember bei über vier Stunden liegt. Eine gute Planung der Schlaf- und Anfahrtszeiten zum Gebet ist daher besonders im Sommer hilfreich.