Wie der Fadschr-Zeitpunkt anhand der astronomischen Dämmerung bestimmt wird
Für das erste Gebet des Tages ist nicht die Uhrzeit entscheidend, sondern ein klar definierter Himmelszustand: die astronomische Morgendämmerung. Sobald die Sonne etwa 18 Grad unter dem Horizont steht, erscheint am östlichen Horizont ein schwacher Lichtstreifen; ab diesem Moment beginnt die Zeit für das Fadschr-Gebet. Sie endet erst mit dem Sonnenaufgang – also dem Zeitpunkt, an dem die Oberkante der Sonnenscheibe sichtbar wird ().
Die dafür nötigen Berechnungen berücksichtigen:
- Datum: Jeder Tag hat eine andere Sonnenposition.
- Geografische Koordinaten: Bürstadt liegt auf 49,64° nördlicher Breite und 8,46° östlicher Länge. Je höher die Breite, desto länger dauern die Dämmerungsphasen im Sommer und desto kürzer im Winter.
- Zeitzone: Europe/Berlin (UTC+1 bzw. +2 im Sommer).
- Berechnungsmethode: Für Deutschland wird häufig das Muslim World League-Modell (Fadschr/Ischa-Winkel 18°/17°) verwendet. Andere Institute können 15° oder 20° ansetzen; dadurch verschieben sich die angegebenen Minuten.
Gerade in Breitengraden oberhalb von 48° – Bürstadt liegt knapp darüber – kommt es im Sommer vor, dass die nautische und astronomische Dämmerung ineinander übergehen. In klaren Nächten ist das in der Praxis kaum bemerkbar; Rechnerisch verlängert sich aber der Zeitraum zwischen Fadschr und Schuruk deutlich.
Asr-Berechnung: Unterschied zwischen hanafitischer und schafiitischer Sicht
Das Nachmittagsgebet Asr beginnt, wenn der Schatten eines Objekts seine reale Länge übersteigt. Doch welches Verhältnis gilt?
- Schafiʿi-, Malikī- und Hanbalī-Madhhab: Asr beginnt, sobald der Schatten gleich lang wie das Objekt plus sein ursprünglicher Mittagsschatten ist.
- Hanafī-Madhhab: Der Beginn wird erst angenommen, wenn der Schatten die doppelte Länge des Objekts plus den ursprünglichen Mittagsschatten erreicht.
In Bürstadt ergibt sich daraus im Jahresdurchschnitt ein Zeitunterschied von 40 bis 70 Minuten. Wer dem hanafitischen Madhhab folgt, hat also ein längeres Zeitfenster für Zuhr und ein späteres Asr-Gebet. Beide Meinungen stützen sich auf authentische Hadithe und gelten als gültig; die Wahl richtet sich nach der persönlichen Rechtsschule oder der lokalen Gemeindepraxis.
Warum der Abstand zwischen Maghrib und Ischa im Winter so kurz ist
Maghrib tritt exakt mit Sonnenuntergang ein; Ischa beginnt, sobald die astronomische Abenddämmerung verschwindet, also wenn die Sonne rund 17–18 Grad unter dem Horizont steht. Im Winter neigt sich die Sonne in unseren Breiten sehr steil unter den Horizont. Dadurch werden die Dämmerungsphasen stark verkürzt.
Konkret bedeutet das für Bürstadt:
- Kurze Tage: Der Sonnenuntergang rückt bereits gegen 16:30 Uhr heran.
- Schnelle Dunkelheit: Die Abenddämmerung ist nach etwa 60–70 Minuten vorbei.
- Enges Zeitfenster: Das Gebetsintervall zwischen Maghrib und Ischa schrumpft teilweise auf eine knappe Stunde. Wer direkt nach Maghrib betet, gewinnt Ruhe für Ischa, das im Anschluss nicht lange aufschiebbar ist.
Im Sommer verhält es sich umgekehrt: Der flachere Winkel der Sonnenspur sorgt für lange, teilweise über zweistündige Dämmerungen. Aus demselben Grund verschiebt sich Ischa auf deutlich spätere Uhrzeiten.