Geografische Länge: Warum der Sonnenuntergang in Coesfeld anders fällt als im Umland
Coesfeld liegt auf 7,17° östlicher Länge. Jede Längendifferenz von etwa einem Grad verschiebt den lokalen Sonnenuntergang um ungefähr vier Minuten. Das bedeutet: Befindet sich eine Nachbarstadt 100 km weiter östlich – zum Beispiel Bielefeld bei rund 8,5°–, geht die Sonne dort im Durchschnitt sechs bis sieben Minuten früher unter als in Coesfeld. Auf den ersten Blick wirkt dieser Zeitversatz gering, doch bei der Berechnung der Maghrib-Zeit spielt er eine entscheidende Rolle. Da die Scharia den Beginn des Maghrib eindeutig mit dem vollständigen Untergang der Sonnenscheibe verknüpft, muss selbst eine Differenz von wenigen Minuten berücksichtigt werden, damit das Gebet zuverlässig innerhalb der vorgeschriebenen Spanne verrichtet wird.
Auch für das Zuhr- und Asr-Gebet ist die Länge relevant, da beide Gebetszeiten vom wahren Sonnenmittag (Solarnoon) abhängen. Dieser tritt in Coesfeld ein paar Minuten später ein als in östlicher gelegenen Orten Nordrhein-Westfalens. Moderne Algorithmen gleichen die Abweichung automatisch aus, indem sie Längenkoordinaten, Tagesdatum und die Gleichung der Zeit zusammenführen. So entsteht ein minutengenaues Profil für jeden Tag im Jahr – inklusive der leichten Schwankungen, die durch die elliptische Bahn der Erde verursacht werden.
51,9° nördliche Breite und die kurzen Sommernächte
Die Breite Coesfelds (51,94° N) sorgt für ausgeprägte jahreszeitliche Unterschiede bei der Länge von Tag und Nacht. Von Mitte Mai bis Ende Juli sinkt die Sonne nur flach unter den Horizont. Die astronomische Dämmerung endet dann oft erst nach 23 Uhr, während sie gegen 3 Uhr bereits wieder beginnt. Dadurch rücken das Fadschr-Gebet und das Ischa-Gebet in manchen Nächten ungewöhnlich nah aneinander heran: Fadschr kann vor 4 Uhr stattfinden, Ischa teilweise erst kurz vor Mitternacht.
Nördlich von 48° verschwindet die nautische Dämmerung im Hochsommer manchmal vollständig, sodass kein klassischer „Nachthimmel“ mehr auftritt. Bei 51,9° ist dieses Phänomen zwar abgeschwächt, doch die Dämmerungsphasen bleiben sehr lang. Viele Berechnungsmethoden verwenden deshalb in Mitteleuropa einen geringeren Dämmerungswinkel (z. B. 15° statt 18°) oder wenden feste Zeit-Offsets zum Sonnenuntergang an, um realistische Ischa-Zeiten zu erhalten. Für Gläubige bedeutet das: Wer seine Gebete an den hinterlegten Algorithmen ausrichtet, kann sich trotz heller Nächte auf verlässliche Zeitrahmen verlassen, ohne eigene astronomische Beobachtungen durchführen zu müssen.
Asr nach zwei Schulmeinungen: Unterschied zwischen Standard- und hanafitischer Berechnung
Der Beginn des Asr-Gebets wird traditionell über die Schattenlänge eines Gegenstands definiert. Dabei existieren zwei anerkannte Herangehensweisen:
- Schafiitische, malikitische und hanbalitische Sicht: Asr beginnt, sobald der Schatten eines Objekts seine eigene Länge erreicht (plus den ursprünglichen Mittagsschatten).
- Hanafitische Sicht: Asr beginnt erst, wenn der Schatten das Doppelte der Objektlänge erreicht (ebenfalls zuzüglich des Mittagsschattens).
In Coesfeld führt das im Sommer zu einer Differenz von ungefähr einer Stunde, im Winter meist zu 20–30 Minuten. Die Tabellen auf dieser Seite berücksichtigen beide Optionen. Welche Zeit man wählt, richtet sich nach dem eigenen Mazhab oder nach der Empfehlung der lokalen islamischen Autorität. Wichtig ist, eine Linie beizubehalten, um Konsistenz im Gebetsalltag zu gewährleisten.