Die konkreten Uhrzeiten für Fadschr, Sonnenaufgang, Zuhr, Asr, Maghrib und Ischa findest du bereits oben auf dieser Seite. Die folgenden Abschnitte erklären, wie diese Zahlen berechnet werden, warum sie sich von Quelle zu Quelle unterscheiden können und wie du sie im Alltag in Coswig richtig einordnest.
Unterschiedliche Berechnungsmethoden: MWL, Diyanet und IGMG
In Deutschland werden vor allem drei Rechenmodelle genutzt, die alle auf astronomischen Formeln beruhen, sich aber in den zugrunde liegenden Parametern unterscheiden.
MWL – Muslim World League
Die Muslim World League legt den Beginn des Fadschr-Gebets auf den Zeitpunkt, an dem die Sonne 18° unter dem Horizont steht; Ischa beginnt bei 17°. Diese relativ großen Winkel führen zu einem frühen Fadschr und einem etwas späteren Ischa.
Diyanet – Türkische Religionsbehörde
Diyanet verwendet dieselben Winkeldistanzen wie MWL (18°/17°), passt aber die Zeiten für Europa regelmäßig um wenige Minuten an, um Rundungsfehler und Zeitzonenanpassungen zu glätten. Für viele in Sachsen lebende Türkischstämmige Gemeinden ist dies die Standardmethode.
IGMG – Islamische Gemeinschaft Millî Görüş
Die IGMG geht von 15° für Fadschr und 15° für Ischa aus. Weil hier kleinere Winkel verwendet werden, rückt der Beginn des Fadschr etwas später, Ischa etwas früher. Das Modell wird oft gewählt, um den langen Sommernächten in Mitteleuropa Rechnung zu tragen.
Dasselbe astronomische Ereignis kann also je nach Methode um einige Minuten differieren. Bei Abweichungen von maximal zehn bis fünfzehn Minuten spricht man in der Praxis von tolerablen Unterschieden. Entscheidend ist, dass du dich konsequent an eine Methode hältst, damit deine Gebete in einem einheitlichen Rahmen stattfinden.
Breitengrad 51° N – lange Sommertage und die Ischa-Frage
Coswig liegt auf 51,13° nördlicher Breite. Je höher der Breitengrad, desto länger sind die Tage im Sommer und desto kürzer im Winter. Zwei Effekte sind für die Gebetszeiten besonders spürbar:
- Früher Fadschr im Juni / Juli: Die Morgendämmerung setzt bereits kurz nach Mitternacht ein. Ein Fadschr um 03:00 Uhr oder noch früher ist hier keine Seltenheit.
- Sehr spätes Ischa: Am selben Tag kann Ischa erst nach 23:00 Uhr beginnen, weil die astronomische Abenddämmerung lange anhält.
Man spricht in diesem Zusammenhang von „weißen Nächten“. Wenn der Sonnenwinkel 18° unter Horizont nicht mehr erreicht wird, greifen viele Kalender auf Ersatzlösungen zurück:
- Prozentmethode: Ischa wird auf einen festen Anteil der Nacht nach Maghrib gelegt, zum Beispiel 1/7 oder 1/9.
- Mitternachtsregel: Das Gebet darf bis zur Mitte der Nacht hinausgezögert werden; ein Blick auf zeigt dir diese Grenze.
- Letztes Drittel: Für freiwillige Nachtgebete wird häufig das letzte Drittel der Nacht herangezogen ().
Welches Verfahren angewendet wird, siehst du im Methodenkürzel des jeweiligen Kalenders. Für Coswig wählen viele Muslime in der Praxis die IGMG-Winkel oder die Mitternachtsregel, damit Ischa nicht in die frühen Morgenstunden rutscht.
Asr nach zwei Madhhabs: ein kurzer Vergleich
Die Zeit für Asr wird nach der Länge des Schattens bestimmt, den ein senkrechter Stab wirft, sobald die Sonne nach dem Zenit weitergewandert ist.
- Schatten = Körperlänge (Schafi’i, Maliki, Hanbali): Sobald der Schatten eines Objekts seine eigene Länge erreicht hat, beginnt Asr. In Coswig liegt dieser Zeitpunkt im Jahresmittel ungefähr 20–40 Minuten früher.
- Schatten = doppelte Körperlänge (Hanafi): Der Hanafi-Madhhab wartet, bis sich der Schatten verdoppelt. Diese spätere Variante wird von vielen Gemeinden mit türkischem oder indischem Hintergrund bevorzugt.
Beide Meinungen sind authentisch belegt. Achte deshalb in Gemeindekalendern auf den Hinweis „Hanafi“ oder „Standard“, um die für dich richtige Uhrzeit zu wählen. Die übrigen fünf Gebetszeiten bleiben von dieser Entscheidung unberührt.
Schließlich noch ein praktischer Hinweis: Weil das Sonnenjahr nicht exakt 365 Tage hat und die Erde sich auf einer Ellipse bewegt, verschieben sich die Sekunden der Dämmerung täglich. Darum zeigt der Monatskalender für jeden Tag andere Werte – selbst wenn Wetter oder Temperatur gleich bleiben.