Das astronomische Fundament: Wie der Fadschr in Cottbus berechnet wird
Der Beginn des Fadschr-Gebets hängt unmittelbar von den sogenannten nautischen Dämmerungen ab. Sobald die Sonne rund 18 Grad unter dem Horizont steht, erscheint im Osten das erste schwache Lichtband. Diese Grenze wird von den meisten internationalen Gebetszeit-Algorithmen als true dawn angesetzt und bildet den Startpunkt des täglichen Fasten- und Gebetsplans.
Cottbus liegt auf 51,76° nördlicher Breite. Je weiter man sich vom Äquator entfernt, desto stärker ändert sich die Länge der Dämmerungsphasen im Jahresverlauf. Zwischen Juni und Juli dauern die morgendlichen Dämmerungen deutlich länger als im Dezember, weil die Sonne während der kurzen Sommernächte nur flach unter den Horizont taucht. Das führt dazu, dass Fadschr im Hochsommer bereits sehr früh einsetzt, während er im Winter fast schon zu menschenfreundlichen Zeiten beginnt.
Für die tägliche Berechnung werden folgende Parameter kombiniert:
- Datum: Jeder Tag hat eine eigene Sonnenbahn.
- Koordinaten: Latitude 51,76° N und Longitude 14,33° E bestimmen die exakte Lokalisation von Cottbus.
- Zeitzone: Europe/Berlin (UTC +1 / +2 im Sommerzeitmodus).
- Sonnenhöhe: –18 Grad für Fadschr, 0 Grad für den Sonnenaufgang ().
- Rechenmethode: In Deutschland verbreitet ist der „Muslim World League“-Ansatz; andere Organisationen nutzen Winkel von 15 bis 20 Grad. Das erklärt kleine Abweichungen zwischen unterschiedlichen Tabellen.
Wichtig: Der Zeitraum zwischen dem tatsächlichen Erscheinen des Bidhan-Lichts am Horizont und den hier veröffentlichten Werten liegt in der Regel unter einer Minute, kann aber bei dunstigem Wetter variieren. Wer ganz sicher gehen möchte, sollte einen Puffer von zwei bis drei Minuten einplanen.
Asr nach zwei Rechtsschulen: Unterschied zwischen hanafitischer und schafiitischer Methode
Alle vier sunnitischen Rechtsschulen binden das Asr-Gebet an die Schattenlänge. Strittig ist lediglich, welcher Verdopplungsgrad des Objektschatten herangezogen wird:
- Schafiʿitische, malikitische und hanbalitische Schule: Asr beginnt, sobald der Schatten eines Gegenstandes genau so lang wie der Gegenstand selbst ist – zusätzlich zum ursprünglichen Mittags-Schatten.
- Hanafitische Schule: Asr beginnt, wenn der Schatten die doppelte Länge des Gegenstandes erreicht.
Auf der Breite von Cottbus bedeutet dies:
- Im Sommer liegt zwischen den beiden Berechnungen meist nur eine halbe Stunde Unterschied, weil die Sonne steil steht und die Schatten schnell wachsen.
- Im Winter kann der Abstand aufgrund des flachen Sonnenstandes deutlich größer sein – mitunter bis zu einer vollen Stunde.
Die hier angegebene Standardzeit für Asr orientiert sich an der schafiʿitischen Methode. Viele muslimische Communities in Deutschland folgen jedoch der hanafitischen Auslegung. Wer dieser Schule folgt, kann die Asr-Zeit durch einfachen Vergleich beider Werte auswählen; beide Zeiten sind gültig, solange das Gebet innerhalb des eigenen Mazhab-Fensters verrichtet wird.
Kurze Abende in Brandenburg: Warum Maghrib und Ischa im Winter so nah beieinander liegen
Sobald die obere Sonnenscheibe komplett untergeht, beginnt Maghrib. Der Sonnenuntergang erfolgt auf 51,76° N im Dezember schon gegen 16 Uhr (). Die Zeit für Ischa startet, wenn die nautische Dämmerung beendet ist und keine Röte mehr am westlichen Horizont zu sehen ist – im Rechenmodell meist bei –17 bis –18 Grad Sonnenhöhe.
Da die Sonne im Winter sehr flach in einem spitzen Winkel untergeht, verschwindet das Restlicht rasch. Die Folge: Zwischen Maghrib und Ischa liegen teilweise weniger als 70 Minuten. In den Sommermonaten dehnt sich dieser Zeitraum auf über zwei Stunden aus, weil die Sonne relativ flach unter den Horizont gleitet und die zivilen sowie nautischen Dämmerungsphasen länger dauern.
Der enge Abendkorridor im Winter erfordert daher etwas Organisation: Wer vorhat, beide Gebete in der Moschee zu verrichten, plant idealerweise direkte Anschlusszeiten ein. Umgekehrt bietet der lange Sommerabend die Gelegenheit, Ischa auch nach später Heimkehr noch rechtzeitig zu beten.