Fadschr und die astronomische Morgendämmerung
Das Morgengebet beginnt nicht einfach „irgendwann vor Sonnenaufgang“, sondern exakt mit der astronomischen Morgendämmerung. Dabei steht die Sonne etwa 18 Grad unter dem Horizont, und der erste, horizontale Lichtstreifen wird am Osthorizont sichtbar. Auf dieser Seite wird dieser Moment mit dem Zeitpunkt des Fadschr angezeigt.
Warum ändert sich dieses Gebetsfenster täglich? Crimmitschau liegt auf 50,8° nördlicher Breite. Je weiter nördlich ein Ort liegt, desto stärker schwanken Länge und Lage der Dämmerungsphasen im Jahresverlauf. Im Winter bleibt die Sonne lange unter dem Horizont – Fadschr tritt spät ein und die Nacht ist lang. Im Sommer hingegen erscheint der erste Lichtschimmer sehr früh, weil die Sonne nur flach unter den Horizont taucht. In der kürzesten Nacht liegt zwischen Fadschr und Ischa oft kaum mehr als fünf Stunden.
Für die Berechnung werden folgende Daten kombiniert:
- Datum des gregorianischen und des hijrī-Kalenders
- Geografische Koordinaten (50,816° N, 12,390° O)
- Zeitzone Europe/Berlin (UTC + 1 / + 2)
- Winkelparameter der gewählten Methode (in Deutschland meist 18° für Fadschr, 17° für Ischa)
Selbst minimale Rundungsdifferenzen – zum Beispiel Sekundenbruchteile beim Längengrad – können bereits eine Verschiebung von bis zu einer Minute bewirken. Das erklärt, warum zwei seriöse Kalender nie völlig identisch sind.
Schuruq: die Grenze für das Morgengebet
Schuruq (Sonnenaufgang) markiert das Ende der Zeitspanne für das Fadschr-Gebet. Wer den Fadschr beten möchte, muss dies vor abschließen. Mit dem tatsächlichen Sonnenaufgang beginnt eine kurze Phase, in der laut Sunna keine freiwilligen Gebete verrichtet werden sollen. Erst mit Zuhr öffnet sich wieder ein neues Pflichtzeitfenster.
Da sich der Sonnenaufgang ebenfalls täglich verschiebt, variiert der Abstand zwischen Fadschr und Schuruq. In Crimmitschau kann dieser Abstand im Dezember mehr als zwei Stunden betragen, während er im Juni auf unter 90 Minuten schrumpft. Das ist ein direkter Effekt der geographischen Breite und der Neigung der Erdachse.
Praktischer Tipp: Wer den Wecker stellt, berechnet am besten einen Sicherheitspuffer von fünf bis zehn Minuten bis Schuruq ein. Kleine Ungenauigkeiten in Smartphone-Kalendern oder die eigene Uhrenabweichung sind dann kein Problem mehr.
Asr: ein Gebet, zwei anerkannte Berechnungen
Die Zeit des Nachmittagsgebets beginnt, wenn der Schatten eines Objekts eine bestimmte Länge erreicht. Hier trennen sich zwei in der Scharia gleichberechtigte Meinungen:
- Schafiʿiten, Malikiten, Hanbaliten: Asr beginnt, sobald der Schatten die exakte Länge des Gegenstandes erreicht (Schattenglänge = 1 × Objektlänge).
- Hanafiten: Asr beginnt, wenn der Schatten die doppelte Länge erreicht (Schattenglänge = 2 × Objektlänge).
In Crimmitschau führt das jahreszeitabhängig zu einer Differenz von rund 30 bis 45 Minuten. Viele Gebetskalender in Deutschland zeigen daher zwei Asr-Zeiten an oder vermerken den Unterschied in den Fußnoten. Jede Gemeinde folgt üblicherweise der Mazhab-Tradition, an die sie sich gebunden fühlt. Wichtig ist, konsequent bei einer Methode zu bleiben, um nicht versehentlich beide Zeiten zu überschneiden oder zu verpassen.
Welchen Ansatz Sie wählen, beeinflusst die nachfolgenden Gebete nicht: Maghrib beginnt weiterhin exakt mit Sonnenuntergang, und Ischa richtet sich wieder nach dem festgelegten Dämmerungswinkel.