Die fünf täglichen Gebete sind an klar definierte Sonnenpositionen gebunden. Damit du die Zeiten in Dahlem richtig einordnen kannst, lohnt sich ein Blick auf die gängigsten Rechenansätze und die besonderen Lichtverhältnisse auf 52,46° nördlicher Breite.
Verschiedene Rechenmethoden: MWL, Diyanet und IGMG
In Deutschland werden vor allem drei Berechnungsmodelle eingesetzt:
- MWL (Muslim World League): setzt die Morgendämmerung (Fadschr) und das Ende der Abenddämmerung (Ischa) jeweils bei einem Sonnenstand von –18° unter dem Horizont an. Für Asr wird meist die schafiitische Regel (Schattendistanz = 1 × Körperlänge) verwendet.
- Diyanet: nutzt ebenfalls –18° für Fadschr, jedoch –17° für Ischa und wählt die hanafitische Regel für Asr (Schattendistanz = 2 × Körperlänge). Dieses Schema entspricht dem amtlichen Kalender der Türkei und wird von vielen Gemeinden mit türkischem Hintergrund übernommen.
- IGMG: orientiert sich an MWL, passt jedoch die Parameter für hohe Breiten an und wendet im Sommer Ausgleichsformeln an, wenn die Sonne zu flach untergeht.
Dass verschiedene Websites voneinander abweichen, liegt daran, dass sie unterschiedliche Modelle, geografische Koordinaten, Rundungsregeln oder Höhenkorrekturen verwenden. Schon wenige Bogengrade Unterschied (z. B. –17° statt –18°) können den Beginn von Fadschr und Ischa um 10 bis 15 Minuten verschieben.
Fadschr, Sonnenaufgang und die Rolle des Schattens bei Asr
Fadschr beginnt, sobald der erste horizontale Lichtstreif erscheint – lange vor dem Sonnenaufgang (). Zwischen beiden Zeitpunkten liegen in Dahlem durchschnittlich 90 bis 110 Minuten. Zuhr fällt auf den Kulminationspunkt der Sonne, während Asr – je nach gewählter Madhhab – beim einfachen oder doppelten Schattensprung anfängt. Maghrib beginnt unmittelbar nach Sonnenuntergang und markiert den Eintritt des neuen islamischen Datums; mit dem vollständigen Ende der bürgerlichen Dämmerung folgt Ischa.
Winterliche Verkürzung zwischen Maghrib und Ischa
Je näher sich die Sonne ihrer südlichen Wendekreisposition nähert, desto steiler sinkt sie am Abend ab. Für Dahlem bedeutet das: Im Dezember und Januar vergehen oftmals nur 60 bis 70 Minuten zwischen Maghrib und Ischa. Wer nach der Arbeit pünktlich zum Maghrib betet, sollte daher wenig Zeit verstreichen lassen, um Ischa noch in seinem bevorzugten Zeitraum zu verrichten.
Die kurze Spanne hat praktische Folgen: Das gemeinschaftliche Gebet wird in vielen Moscheen dichter getaktet, und auch die empfohlene Zeit für das dreistufige Sunnah-Muster (Maghrib – Pause – Ischa) verkürzt sich spürbar. Dennoch darf Ischa laut überwiegender Gelehrtenmeinung bis Mitternacht gebetet werden; eine Notlösung ist sogar bis vor Fadschr zulässig.
Lange Sommertage und die Herausforderung der Ischa-Zeit nördlich des 48. Breitengrades
Auf 52,46° N geht die Sonne im Juni sehr flach unter den Horizont. Die astronomische Dämmerung endet teilweise gar nicht, sodass die –18°-Marke rechnerisch nie erreicht wird. Um trotzdem einen verlässlichen Zeitpunkt für Ischa festzulegen, greifen die genannten Methoden zu Ersatzregeln:
- Proportionale Nachtteilung: MWL und IGMG wählen oft die Halbe Nacht () oder das letzte Drittel (). Damit verschiebt sich Ischa im Hochsommer peu à peu nach vorne, bleibt aber immer nach Maghrib.
- Fester Winkelersatz: Diyanet stellt in extremen Fällen auf einen kleineren Winkel (z. B. –15°) um oder setzt eine fixe Zeitdifferenz von 90 Minuten nach Maghrib.
Diese Kompromisse wurden von Fiqh-Gremien entwickelt, um das Gebet auch in Regionen mit „weißen Nächten“ praktikabel zu halten. Für den einzelnen Betenden gilt: Wenn deine Gemeinde eine Methode festgelegt hat, schließe dich ihr an, solange kein sicherer Widerspruch zur Scharia erkennbar ist.