Astronomische Dämmerung und die Bestimmung des Fadschr in Dillingen/Saar
Die erste Pflichtgebetszeit des Tages beginnt mit der Morgendämmerung (Fadschr). Islamisch gesehen endet die Nacht, sobald am Osthorizont ein feiner, sich ausbreitender Lichtstreifen (das sogenannte «wahre Morgenrot») sichtbar wird. Astronomisch entspricht das in der Regel einer Sonnenhöhe zwischen –18 ° und –15 °. Bei dieser Position ist der Himmel noch dunkel, doch das Sonnenlicht reicht bereits aus, um den Horizont leicht zu erhellen.
Für Dillingen/Saar ist der Breitengrad von 49,36 ° bedeutend. In den Sommermonaten dauern die zivilen und nautischen Dämmerungsphasen hier sehr lange. Je weiter nördlich ein Ort liegt, desto früher beginnt das diffuse Licht am Morgen und desto später verschwindet es am Abend. Dadurch rückt die Fadschr-Zeit im Juni und Juli weit nach vorne, während Ischa erst sehr spät – teilweise erst nach 23 Uhr – eintritt. Im Winter hingegen liegen Fadschr und Ischa näher zusammen, weil die Sonne steil unter den Horizont sinkt und die Dunkelheit schneller einsetzt.
Die Gebetszeitenrechung berücksichtigt neben der Sonnenhöhe auch das genaue Datum, die geografischen Koordinaten (49,36 ° N, 6,73 ° O) und den lokalen Zeitversatz zur UTC. Daraus wird für jeden Tag ein neues Zeitfenster ermittelt. Deshalb findest du für zwei aufeinanderfolgende Tage niemals identische Zeiten, selbst wenn das Wetter gleich bleibt – die Sonne steht buchstäblich jeden Tag ein wenig anders.
Vergleich der Berechnungsmethoden MWL, Diyanet und IGMG
In Deutschland haben sich drei Berechnungsstandards etabliert:
- MWL (Muslim World League) – nutzt 18 ° für Fadschr und 17 ° für Ischa.
- Diyanet – die türkische Religionsbehörde rechnet mit 18 °/17 °, passt aber den Asr nach der hanafitischen Regel an.
- IGMG – verwendet 15 ° für Fadschr und Ischa und bietet separate Tabellen für Asr 1 (schafiitisch/malikitisch/hanbalitisch) und Asr 2 (hanafitisch).
Der Unterschied von drei Grad bei den Winkeln kann die Gebetszeit um 10–20 Minuten verschieben. Gerade bei Breitengraden um 49 ° wird dieser Effekt deutlich, weil hier die Dämmerung länger andauert als in südlicheren Regionen.
Beim Nachmittagsgebet (Asr) spielt nicht nur die Sonnenhöhe, sondern auch die Rechtsschule eine Rolle. Die Mehrheit der Gelehrten (Schafiiten, Malikiten, Hanbaliten) beginnt Asr, sobald der Schatten eines Objekts die eigene Länge plus die Mittagslänge erreicht. Die hanafitische Schule wartet, bis der Schatten doppelt so lang ist. Viele Gebetskalender zeigen daher zwei Zeiten: «Asr 1» und «Asr 2». Welche Zeit du folgst, hängt von deiner persönlichen Madhhab-Zugehörigkeit oder Gemeindepraxis ab.
Was bedeutet Schuruk und warum endet die Fadschr-Zeit davor?
Schuruk (Sonnenaufgang) bezeichnet den Moment, in dem die obere Sonnenscheibe am östlichen Horizont erscheint. Nach islamischem Konsens muss das Fadschr-Gebet vor diesem Zeitpunkt vollständig abgeschlossen sein. Sobald die Sonne sichtbar wird, tritt eine verbotene Gebetszeit ein, die bis zum vollständigen Aufstieg der Sonne (etwa 15 Minuten später) andauert.
Praktisch bedeutet das: Das Ende der Fadschr-Zeit ist exakt der in der Spalte «Sonnenaufgang» angegebene Moment, hier dynamisch dargestellt als . Wer erst kurz vor Schuruk beginnt, sollte einplanen, dass die rituelle Waschung, die Anrufungen und mindestens zwei Rakʿa noch rechtzeitig abgeschlossen werden.
Die klare Abgrenzung zwischen Fadschr und Schuruk hilft außerdem, die Tageszeit richtig zu strukturieren. Danach folgt eine kurze Pause, bis die Sonne hoch genug steht und die Zeit für das Duha-Gebet (freiwillig) beginnt, während das Pflichtgebet Zuhr erst mit dem Erreichen des Sonnenhöchststands fällig wird.