Das Gebetszeiten-Fenster auf dieser Seite zeigt bereits die tagesaktuellen Angaben für Dinslaken. Um sie richtig einordnen zu können, hilft ein Blick auf die Art, wie solche Zeiten berechnet werden und welche Besonderheiten die geografische Lage der Stadt mit sich bringt.
Unterschiedliche Berechnungsmethoden in Deutschland
In der Bundesrepublik werden vor allem drei Rechenmethoden genutzt: MWL (Muslim World League), Diyanet und IGMG. Alle setzen auf astronomische Sonnenstände, unterscheiden sich aber in den zugrunde gelegten Dämmerungswinkeln für Fadschr und Ischa:
- MWL verwendet 18° für Fadschr und 17° für Ischa. Der Ansatz gilt als „klassischer Standard“ und liefert weltweit vergleichbare Resultate.
- Diyanet (Präsidium für Religionsangelegenheiten der Türkei) rechnet mit 18°/17°, passt allerdings sekundäre Parameter wie Sonnenhöhe bei Sonnenaufgang geringfügig an türkische Normen an. Türkische Moscheegemeinden in Deutschland orientieren sich deshalb oft an Diyanet.
- IGMG (Islamische Gemeinschaft Millî Görüş) setzt 12° für Fadschr und 13° für Ischa an. Das führt hierzulande zu etwas späterem Fadschr und früherem Ischa, was vielen Gemeindemitgliedern eine praktikablere Zeitspanne zwischen Nacht- und Morgengebet bietet.
Weil jede Methode konsistent für alle Tage des Jahres gerechnet wird, ist keine „richtiger“ oder „falscher“. Entscheidend ist die einheitliche Anwendung innerhalb der eigenen Gemeinde, damit Gemeinschaftsgebete koordiniert stattfinden können.
Einfluss der geografischen Lage von Dinslaken
Dinslaken liegt auf 51,56° nördlicher Breite und 6,74° östlicher Länge. Die Breite bestimmt, wie stark die Tageslängen zwischen Sommer und Winter schwanken. Im Juni dauert der lichte Tag hier fast 17 Stunden, im Dezember kaum 8. Dadurch rücken Fadschr und Ischa im Sommer weit auseinander, während sie im Winter auf engem Raum liegen.
Bei einer Breite über 48° werden in sehr hellen Sommernächten manchmal die astronomischen Dämmerungen nicht vollständig erreicht. Für Dinslaken bedeutet das, dass die Nacht nur kurz ist und die Sonnenuntergangs-Dämmerung (Ischa) mit der Morgendämmerung (Fadschr) fast verschmelzen kann. Berechnungsverfahren wie IGMG reduzieren dann die Winkel, um praktikable Zeiten anzubieten.
Die Länge (6,74° E) beeinflusst, wann die Sonne den lokalen Meridian erreicht. Pro Grad Ost- oder Westverschiebung verschiebt sich der Sonnenuntergang knapp vier Minuten. Verglichen mit Düsseldorf (6,77° E) geht die Sonne in Dinslaken nur wenige Sekunden später unter, gegenüber Städten weiter östlich wie Dortmund (7,47° E) jedoch bereits rund drei Minuten früher. Diese Differenz wirkt sich direkt auf Maghrib und alle nachfolgenden Gebetszeiten aus.
Praxisbezug
Wer zwischen benachbarten Städten pendelt, sollte deshalb immer die Zeiten des jeweiligen Ortes beachten und nicht automatisch von einem Kalender auf alle Orte schließen.
Asr-Zeit nach verschiedenen Rechtsschulen
Der Zeitpunkt des Nachmittagsgebets wird nach dem Schatten eines senkrechten Objekts berechnet. Es existieren zwei anerkannte Varianten:
- Schattenlänge = 1 × Höhe – verbreitet im schafiitischen, malikitischen und hanbalitischen Madhhab. Diese Regel führt zu einem etwas früheren Asr.
- Schattenlänge = 2 × Höhe – üblich im hanafitischen Madhhab und daher auch in vielen türkisch geprägten Gemeinden des Ruhrgebiets. Hier beginnt Asr etwa eine halbe bis eine Stunde später.
Auf dieser Seite wird standardmäßig der hanafitische Beginn ausgewiesen, sofern er von den regionalen Moscheen überwiegend genutzt wird. Wer dem schafiitischen Zeitrahmen folgen möchte, kann sich an dem Zeitpunkt orientieren, an dem der Schatten die einfache Länge erreicht – er liegt spürbar vor der angezeigten hanafitischen Uhrzeit.
Verhältnis zwischen Fadschr, Sonnenaufgang und Maghrib
Fadschr markiert den Beginn der Morgendämmerung, wenn ein erster heller Streifen am Osthorizont erscheint. Die Zeitspanne bis zum Namen=»shuruq»> währt in Dinslaken je nach Jahreszeit ca. 70 bis 105 Minuten. Nach Sonnenaufgang ist das Gebet ungültig, bis die Scheibe deutlich gestiegen ist. Maghrib beginnt unmittelbar mit dem Untergang der Sonnenscheibe. Ischa wird gebetet, sobald die nautische Dämmerung beendet und der westliche Himmel vollständig dunkel ist – der exakte Zeitpunkt hängt, wie beschrieben, von der gewählten Berechnungsmethode ab.
Wer diese Zusammenhänge kennt, kann die angezeigten Gebetszeiten besser verstehen und eigenständig überschlagen, ob er noch in das gültige Zeitfenster eines Gebets fällt – selbst dann, wenn er sich einmal ohne Kalender im Freien aufhält.