Sonnenstand und astronomische Dämmerung – wie der Fadschr in Ditzingen berechnet wird
Der Beginn des Tagesgebets (Fadschr) richtet sich nicht nach einem festen Uhrzeitwert, sondern nach der sogenannten astronomischen Morgendämmerung. Sie setzt ein, sobald sich das Sonnenzentrum ungefähr 18° unter dem Horizont befindet. In Deutschland wird dafür – auch in Ditzingen – meist die Methode der Muslim World League (MWL) verwendet. Das bedeutet, dass der erste blass-weiße Lichtstreifen am östlichen Horizont als Gebetsanfang gilt, noch bevor die Sonne selbst erscheint. liegt also deutlich vor dem eigentlichen Sonnenaufgang ().
Mit einer Breite von 48,83° N erlebt Ditzingen sehr lange Dämmerungsphasen im Sommer. Zwischen Juni und Juli verschmelzen Abend- und Morgendämmerung nahezu miteinander: Ischa tritt spät ein, Fadschr rückt weit nach vorn, die Nacht wird spürbar kürzer. Im Winter dagegen senkt sich die Sonne steiler unter den Horizont; die 18-Grad-Marke wird schneller erreicht, sodass Fadschr später und Ischa früher liegt. Diese jahreszeitlichen Verschiebungen erklären, warum das Gebetszeiten-Raster auf dem Kalender täglich ein anderes Bild abgibt.
Die Berechnung berücksichtigt außerdem:
- das aktuelle Gregorianische Datum,
- die exakten Koordinaten (48,82672 ° N, 9,06703 ° E),
- die Zeitzone Europe/Berlin (UTC +1 / +2 Sommerzeit),
- Refraktion und Erdkrümmung (Standardwert 34′).
Wer den Tagesbeginn zusätzlich aus spiritueller Sicht verfolgen möchte, kann die Mitte der Nacht () oder das letzte Drittel () als Orientierung für Nachtgebete (Qiyâm) nutzen. Diese Marken werden ebenfalls aus Sonnenstand und Nachtlänge errechnet.
Asr gemäß unterschiedlichen Rechtsschulen – warum zwei Zeiten angezeigt werden können
Das Nachmittagsgebet (Asr) beginnt, sobald der eigene Objektschatten eine bestimmte Länge erreicht. In den Rechtsschulen gibt es hierzu zwei gängige Definitionen:
- Schafiitisch, Malikisch, Hanbalitisch: Asr startet, wenn der Schatten genau eine zusätzliche Eigenlänge erreicht (fi filil-awwal).
- Hanafitisch: Asr beginnt erst, wenn der Schatten zwei zusätzliche Eigenlängen aufweist (fi filil-thani).
In Ditzingen beträgt der zeitliche Abstand zwischen beiden Berechnungen im Winter meist 30 bis 45 Minuten, im Sommer kann er wegen der flacheren Sonnenbahn bis zu 90 Minuten erreichen. Beide Ansätze sind durch authentische Überlieferungen gedeckt; welche Zeit man in der Praxis nimmt, richtet sich nach der eigenen Mazhab-Zugehörigkeit oder der Empfehlung der lokalen Gemeinde. Wichtig ist lediglich, die gewählte Methode konsequent beizubehalten, um keine Gebete zu verpassen.
Einfluss der geographischen Länge auf Maghrib und die Unterschiede zu Nachbarorten
Der Sonnenuntergang – und damit Maghrib – hängt stark von der geographischen Länge ab. Ditzingen liegt bei 9,067° östlicher Länge. Da die Erde sich in 24 Stunden einmal dreht, verschiebt sich die lokale Sonnenzeit pro Längengrad um etwa 4 Minuten:
- Städte weiter westlich, z. B. Karlsruhe (≈ 8,4° E), erleben den Sonnenuntergang einige Minuten später als Ditzingen.
- Städte weiter östlich, z. B. Ulm (≈ 9,9° E), sehen die Sonne entsprechend früher untergehen.
Vergleicht man also Maghrib-Zeiten verschiedener Gebetskalender, genügt schon eine Verschiebung um wenige Zehntel Grad, um Abweichungen von 1–2 Minuten zu erklären. Hinzu kommen Unterschiede in den verwendeten astronomischen Parametern (etwa Höhe der Sonnenscheibe, atmosphärische Refraktion) und Rundungsregeln. All das macht es unvermeidlich, dass zwei seriöse Quellen nicht immer exakt dieselbe Uhrzeit ausgeben.
Bleibt man jedoch innerhalb eines konsistenten Berechnungsmodells, ist die tägliche Verschiebung problemlos nachvollziehbar: Von Tag zu Tag verlagert sich der Sonnenuntergang um rund eine Minute – im Frühjahr später, im Herbst früher. So entsteht das lebendige Gebetszeiten-Raster, das viele Gläubige als festen Taktgeber ihres Alltags schätzen.