Berechnungsmethoden in Deutschland: MWL, Diyanet und IGMG
Die meisten Gebetskalender, die in Deutschland verbreitet sind, stützen sich auf eine der drei folgenden Institutionen:
- MWL (Muslim World League): arbeitet weltweit mit festen Winkeln von –18° für Fadschr und –17° für Ischa. Diese konservative Wahl verlängert die Nachtgebete etwas und wird oft als Standardmethode in internationalen Apps verwendet.
- Diyanet: die türkische Religionsbehörde rechnet je nach Jahreszeit und Breitengrad mit leicht angepassten Winkeln. Für Dormagen führt das meist zu Zeiten, die wenige Minuten vom MWL-Wert abweichen.
- IGMG: der Verband der muslimischen Gemeinden in Deutschland kombiniert eigene Sonnenstandsdaten mit lokalen Korrekturen, um möglichst praxisnahe Zeiten für den hiesigen Alltag zu liefern.
Alle drei Methoden basieren auf denselben astronomischen Grundlagen, unterscheiden sich jedoch bei zwei Punkten:
- Gewählter Dämmerungswinkel: Ein kleinerer Winkel (z. B. –15°) verschiebt den Fadschr nach hinten und den Ischa nach vorn, was vor allem im Sommer deutlicher ins Gewicht fällt.
- Rundungs- und Sicherheitszuschläge: Einige Kalender fügen pauschal 2–5 Minuten hinzu, um Verspätungen auszugleichen. Dadurch ergeben sich sichtbare, aber theologisch unkritische Differenzen.
Welcher Kalender bevorzugt wird, entscheidet jede Gemeinde selbst. Wichtig ist, innerhalb eines Tages nur einheitliche Zeiten zu verwenden, um Verwirrung zu vermeiden.
Astronomische Dämmerung: Wie der Fadschr exakt bestimmt wird
Der Beginn des Fadschr ist an das erste schwache Morgenlicht gebunden (Subh Ṣādiq). Astronomisch entspricht das dem Moment, an dem die Sonne eine bestimmte Zahl von Grad unter dem Horizont steht. Bei den in Deutschland üblichen Methoden sind das zwischen –15° und –18°.
Die Berechnung erfolgt Schritt für Schritt:
- Bestimmung des zivilen, nautischen und astronomischen Sonnenstandes.
- Abgleich mit dem lokalen Datum, dem Längengrad (6,83° O) und vor allem der Breitengrad von Dormagen (51,10° N).
- Umrechnung in die mitteleuropäische Zeitzone (CET/CEST), wobei Sommer- und Winterzeit automatisch berücksichtigt werden.
Je höher der Breitengrad, desto länger hält sich die Morgendämmerung. Dormagen liegt nördlich des 51. Breitengrads, daher verschiebt sich der Fadschr im Juni auf sehr frühe Uhrzeiten, während er im Dezember deutlich später stattfindet. Sichtkontrollen zeigen, dass die theoretisch berechnete Zeit gut mit dem tatsächlichen Lichtphänomen übereinstimmt.
Als Orientierung kann man sich merken: Sobald Fadschr eingetreten ist, bleibt noch ein kurzes Zeitfenster bis zum Sonnenaufgang (Schuruq). Nach ist das Fadschr-Gebet nicht mehr gültig.
Warum die Zeiten manchmal voneinander abweichen
Unterschiedliche Dämmerungswinkel, lokale Anpassungen und runde Minutenangaben führen dazu, dass auf Webseiten kleine Abweichungen von 2–10 Minuten auftreten. Solange dieselbe Berechnungsmethode konsequent genutzt wird, ist jede dieser Angaben zulässig.
Wie sich die Zeit zwischen Maghrib und Ischa im Winter verkürzt
Maghrib beginnt unmittelbar mit dem Sonnenuntergang. Ischa startet, wenn die Abenddämmerung vollständig verschwunden ist. Beide Zeitpunkte hängen von der Länge der astronomischen Dämmerung ab, die ihrerseits stark vom Breitengrad und der Jahreszeit beeinflusst wird.
Auf 51° N verläuft die Sonne im Dezember steiler unter den Horizont als im Juni. Dadurch schrumpft der Abstand zwischen Sonnenuntergang und dem Ende der Dämmerung deutlich. Praktisch bedeutet das für Dormagen:
- Dezember/Januar: Nur etwa 60–70 Minuten zwischen Maghrib und Ischa. Die Gebete folgen rasch aufeinander.
- Juni/Juli: Bis zu 120 Minuten Abstand, teilweise noch länger, weil die Sonne flach untergeht und das Restlicht sich hartnäckig hält.
Diese Verkürzung verlangt im Winter gute Planung, besonders wenn man nach der Arbeit beide Gebete rechtzeitig verrichten möchte. Viele Gemeinden bieten dann zusammengelegte Gebetsrunden an, um den kurzen Abstand praktisch zu überbrücken – theologisch bleiben es jedoch zwei getrennte Gebete.
Bei extrem langen oder kurzen Dämmerungsphasen greifen einige Schulen auf Methoden wie 1/2 Nacht oder 1/3 Nacht zurück, die durch die Scharia abgesichert sind. Für Dormagen ist das nur selten nötig, da selbst im Hochsommer eine ausreichende Dunkelheit eintritt.