Kurze Winterabende: Warum die Zeit zwischen Maghrib und Ischa in Dreieich schrumpft
Mit einer Breite von rund 50° N erlebt Dreieich ausgeprägte Jahreszeiten. Je tiefer die Sonne unter den Horizont sinkt, desto länger dauert die bürgerliche, nautische und astronomische Dämmerung. Im Sommer ist das Intervall zwischen Sonnenuntergang und vollständiger Dunkelheit lang, im Dezember dagegen sehr kurz. Da Maghrib unmittelbar nach Sonnenuntergang beginnt und Ischa erst mit dem Ende der nautischen Dämmerung eintritt, rückt der Beginn von Ischa in den Wintermonaten spürbar näher an Maghrib heran. Gläubige bemerken, dass kaum mehr als eine Stunde bleibt, um beide Gebete nacheinander zu verrichten, während im Juni fast drei Stunden dazwischen liegen können.
Die Uhrzeiten im Kalender bilden diese Schwankung exakt ab: Sie basieren auf dem Sonnenstand in Dreieich, der durch Datum, Länge und Breite, aber auch durch die lokale Zeitzone bestimmt wird. Darum wechselt das Intervall Tag für Tag leicht, wird jedoch erst im Herbst merklich kürzer und dehnt sich nach der Wintersonnenwende wieder aus.
Fadschr und Schuruk: Weshalb der Sonnenaufgang die Deadline setzt
Fadschr beginnt, sobald am östlichen Horizont der erste horizontale Lichtstreifen – die sogenannte «zweite Morgendämmerung» – erscheint. In den Tabellen ist das der Zeitpunkt, an dem der Sonnenmittelpunkt etwa 12–18 Grad unter dem Horizont steht. Schuruk – genauer: – markiert dagegen den Moment, in dem die obere Sonnenscheibe den Horizont durchstößt. Ab diesem Augenblick ist das Fadschr-Gebet verpasst und nicht mehr gültig nachzuholen. Darum enthalten viele Planer zusätzlich eine Sicherheitsminute vor Schuruk.
Die geographische Breite beeinflusst, wie lange Morgendämmerung und Dämmerungsphase dauern. Bei 50° N ist die Dauer moderat: Im Juni kann zwischen Fadschr und Schuruk fast zwei Stunden liegen, im Dezember hingegen wenig mehr als 80 Minuten. Wer seine Gebetsroutine organisiert, sollte diese jahreszeitliche Bandbreite kennen, um den Tag rechtzeitig und ohne Eile zu beginnen.
Zwei Ansätze für Asr: Hanafitische und schafiitische Berechnung
Die islamischen Rechtsschulen leiten den Beginn von Asr aus der Länge des Schattens ab, den ein Objekt wirft:
- Schafiiten (ebenso Maliki und Hanbali) betrachten Asr als eingetreten, sobald die Schattenlänge eines Gegenstandes seine Eigenlänge übersteigt.
- Hanafiten warten, bis der Schatten das Doppelte der Eigenlänge erreicht.
Für Dreieich bedeutet das an einem typischen Tag, dass der hanafitische Asr etwa 40–60 Minuten später liegt als der schafiitische. Die absolute Differenz schwankt, weil die Sonne im Sommer einen anderen Winkel beschreibt als im Winter. In den veröffentlichten Zeitplänen wird deshalb oft das frühere (schafiitische) oder das spätere (hanafitische) Ergebnis ausgewiesen oder beide Werte nebeneinander gestellt. Gläubige richten sich nach der in ihrer Gemeinde üblichen Praxis; wichtig ist, innerhalb des gewählten Rahmens konsequent zu bleiben.
Warum unterschiedliche Tabellen abweichen können
Auch jenseits des Asr-Methodenunterschieds kommt es zu Abweichungen von ein bis fünf Minuten zwischen verschiedenen Kalendern. Dies hat mehrere Gründe:
- Verschiedene Berechnungsinstitute benutzen leicht abweichende Dämmerungswinkel für Fadschr und Ischa, z. B. 18° oder 15°.
- Die verwendete Höhe über Meer, die Refraktion der Atmosphäre und Rundungen auf volle Minuten können Ergebnisse verschieben.
- Manche Planer berücksichtigen eine pauschale «Sicherheitsmarge», um lokale Sichtbedingungen auszugleichen.
Solange das zugrunde liegende Verfahren transparent ist und den anerkannten Rahmen nicht verlässt, sind diese Abweichungen islamisch zulässig. Wer konsequent nach einer Tabelle betet, erfüllt seine Pflicht.
Die hier angezeigten Zeiten für Dreieich basieren auf den offiziellen Koordinaten (50,02° N, 8,70° E) und der Zeitzone Europa/Berlin. Damit sind echte Ortszeiten gemeint; Sommer- und Winterzeitumstellungen werden automatisch berücksichtigt.