Geographische Länge und der genaue Sonnenuntergang in Eitorf
Eitorf liegt auf 50,77° nördlicher Breite und 7,45° östlicher Länge. Die Breite bestimmt vor allem die Länge von Tag und Nacht im Jahresverlauf: Je weiter nördlich ein Ort liegt, desto länger werden die Sommertage und desto kürzer die Wintertage. Bei rund 51° Nord tritt der Sonnenaufgang im Juni sehr früh auf, während der Sonnenuntergang erst spät am Abend erfolgt. Umgekehrt verkürzt sich das Tageslicht im Dezember deutlich. Diese Verschiebungen wirken sich direkt auf Fadschr und Ischa aus, da beide Gebete an die Dämmerung gebunden sind.
Die östliche Länge entscheidet darüber, wann die Sonne den lokalen Meridian erreicht. Schon wenige Kilometer machen sich bemerkbar: Köln liegt etwa 0,5° westlicher als Eitorf, Bonn sogar noch etwas mehr. Pro Längengrad verschiebt sich der Sonnenuntergang um rund vier Minuten. Deshalb kann das Maghrib-Gebet in Eitorf einige Minuten früher stattfinden als in den genannten Nachbarstädten, obwohl alle Orte in derselben Zeitzone liegen. Wer pendelt, sollte diese Differenz berücksichtigen, wenn er sein Fasten bricht oder zur Abendgebetszeit unterwegs ist.
Einfluss auf das Asr-Gebet
Das Asr-Gebet hängt vom Schatten eines Objekts ab. Der genaue Zeitpunkt wird folglich ebenso von Länge und Breite bestimmt. Bei tiefer stehender Sonne (Herbst und Winter) erreicht der Schatten schneller die erforderliche Länge als im Sommer. Bei der hanafitischen Berechnung beginnt Asr, sobald der Schatten doppelt so lang ist wie das Objekt selbst, während nach der schafiitischen, malikitischen und hanbalitischen Meinung das Gebet bereits bei einfacher Schattenlänge zulässig ist. Dadurch kann die hanafitische Zeit in Eitorf – besonders im Sommer – bis zu einer Stunde später beginnen.
Beliebte Rechenmethoden in Deutschland: MWL, Diyanet und IGMG im Vergleich
In Deutschland sind drei Berechnungssysteme besonders verbreitet:
- Muslim World League (MWL): Nutzt für Fadschr −18° und für Ischa −17° Sonnenhöhe unter dem Horizont. Die Methode ist international anerkannt und liefert ausgeglichene Zeiten, die für gemäßigte Breiten gut geeignet sind.
- Diyanet (Türkische Religionsbehörde): Verwendet Fadschr −18° und Ischa −17°, ergänzt jedoch einen Korrekturalgorithmus für hohe Breitengrade. Viele Moscheen türkischer Herkunft folgen diesem Standard.
- IGMG (Islamische Gemeinschaft Millî Görüş): Nimmt −12° für Fadschr und Ischa. Damit beginnen Fadschr und enden Ischa früher, was insbesondere in sehr kurzen Sommernächten Entlastung schaffen soll.
Alle drei Institute arbeiten mit identischen astronomischen Gleichungen, unterscheiden sich aber bei den zugrunde gelegten Winkelwerten. Diese Winkel geben an, wie tief die Sonne unter dem Horizont stehen muss, bis am Himmel genügend Dunkelheit herrscht. Je kleiner der Winkel, desto heller ist der Himmel und desto kürzer wird die Nacht. Deshalb weichen die Gebetszeiten zwischen MWL- und IGMG-Kalendern in Eitorf im Sommer am stärksten voneinander ab, während sie im Winter fast deckungsgleich sind.
Da keine weltweit einheitliche Norm existiert, akzeptieren islamische Gelehrte mehrere Methoden. Es ist empfehlenswert, sich an den Kalender der lokalen Moschee oder an den eigenen Madhhab zu halten und Unterschiede als legitime Vielfalt zu verstehen.
Astronomische Dämmerung und die Berechnung des Fadschr-Gebets
Der Beginn von Fadschr wird im Koran (2:187) mit dem Erscheinen des „weißen Fadens“ im Osten beschrieben – gemeint ist die Morgendämmerung (Fadschr ṣādiq). Astronomisch setzt sie ein, wenn die Sonne einen bestimmten Tiefenwinkel unter dem Horizont erreicht und das erste horizontale Lichtband erscheint. Für mittlere Breiten gelten traditionell −18° bis −15° als brauchbar; MWL nutzt −18°, IGMG −12°.
Der Rechenweg lässt sich vereinfachen:
- Bestimmen des Datums und der geografischen Koordinaten (Eitorf: 50,77° N, 7,45° E).
- Ermitteln des Sonnenwinkels, bei dem der zivile (−6°), nautische (−12°) und astronomische (−18°) Dämmerungsbeginn liegt.
- Anwenden des gewünschten Gebetswinkels auf die lokale Sonnenbahn; dabei wird der Zeitzonenoffset (CET/CEST) berücksichtigt.
Im Sommer erreicht die Sonne in Eitorf nur kurz oder gar nicht −18°. Das führt dazu, dass ein vollwertiger astronomischer Fadschr nicht vorhanden ist. Die meisten Kalender wechseln dann automatisch auf geringere Winkel oder alternative Formeln: zum Beispiel eine proportionale Nachtteilung oder eine feste Zeitdifferenz zum Sonnenaufgang. Ein verbreitetes Verfahren ist die Methode „1/7 der Nacht“. Auch die Angabe der mittleren Nacht () oder der letzten Drittelnacht () hilft, optionale Gebete wie Tahadschjud zu planen.
Vergleicht man unterschiedliche Apps oder Printkalender, entstehen Abweichungen, wenn:
- unterschiedliche Winkelsätze (z. B. −18° vs. −15°) genutzt werden,
- der Höheneffekt (Gelände über NN) unterschiedlich einfließt,
- Sommerzeitumstellung nicht korrekt berücksichtigt wird,
- oder die Asr-Regel nach Hanafi bzw. Shafi’i angewandt wird.
Wer einheitliche Zeiten für Familie oder Gemeinde anstrebt, sollte sich gemeinsam auf eine Quelle einigen und diese konsequent verwenden. Entscheidend ist die Absicht (niyya) und die Bemühung, das Gebet innerhalb seines legitimen Rahmens zu verrichten.