Geografische Breite 50,8° N – was bedeutet das für die Gebetszeiten?
Erftstadt liegt auf 50,81 ° nördlicher Breite. Damit gehört die Stadt zwar nicht zu den Regionen, in denen die Sonne im Sommer gar nicht mehr untergeht, jedoch sind die Tage von Juni bis August deutlich länger als in südlicheren Gegenden. Die Dämmerungsphasen erstrecken sich in dieser Zeit weit in die Nacht hinein. Das führt dazu, dass:
- der Fadschr sehr früh einsetzt, weil die astronomische Morgendämmerung bereits viele Minuten vor Sonnenaufgang beginnt,
- das Ischa-Gebet im Hochsommer erst spät gebetet werden kann, da erst die vollständige Dunkelheit (Ende der Abenddämmerung) abgewartet wird,
- sich die Zeitspanne zwischen Maghrib und Ischa verkürzt, während zwischen Ischa und Fadschr teilweise nur wenige Stunden liegen.
Im Winter kehrt sich dieses Verhältnis um: Die Sonne erreicht ihren Tiefststand, der Tag ist kurz und die Nacht lang. Dann verschiebt sich Fadschr nach später, Ischa nach früher, und zwischen den Gebeten bleiben lange Pausen. Diese jahreszeitlichen Schwankungen sind der Hauptgrund dafür, dass sich die Gebetszeiten in Erftstadt täglich um einige Minuten verschieben.
Astronomische Dämmerung: Wie Fadschr und Ischa berechnet werden
Die fünf Pflichtgebete sind direkt an Positionen der Sonne gebunden. Wichtig sind dabei besonders die Dämmerungsphasen:
- Fadschr beginnt, sobald die Sonne einen bestimmten Winkel unter dem Horizont erreicht hat und der erste horizontale Lichtstreifen (die sogenannte «wahre Morgendämmerung») erscheint. Dieser Winkel liegt je nach Rechenmethode meist zwischen 15° und 18°.
- Sonnenaufgang (Schuruk) markiert das Ende der Fadschr-Zeit. Ab diesem Moment ist das Nachholen der Morgengebetsrakʿāt nicht mehr gültig.
- Maghrib setzt unmittelbar mit dem Untergang der Sonnenscheibe ein – hier gibt es unter den Gelehrten kaum Differenzen.
- Ischa beginnt, wenn der rote Abenddämmerungsstreifen vollständig verschwunden ist. Auch hier wird mit Winkeln gearbeitet, die meist identisch mit denen des Fadschr angesetzt sind.
Der Mittelwert zwischen Maghrib und Fadschr, traditionell als nisf al-lail (Hälfte der Nacht) bezeichnet, fällt heute ungefähr auf . Wer freiwillige Nachtgebete plant, kann sich an dieser Marke orientieren.
Warum zwei Asr-Methoden?
Für Asr gibt es zwei anerkannte Berechnungsweisen: Im hanafitischen Madhhab beginnt Asr, wenn der Schatten eines Objekts seine zweifache Länge erreicht (exklusive Mittagsschatten), in den anderen drei Madhhab-Traditionen bereits bei der einfachen Länge. Im Zeitplan von Erftstadt wird daher häufig eine zusätzliche Spalte «Asr (Hanafi)» geführt, sodass jeder die für ihn maßgebliche Zeit entnehmen kann.
Rechenmethoden in Deutschland: MWL, Diyanet und IGMG im Vergleich
In der Bundesrepublik sind drei Berechnungsverfahren besonders verbreitet:
- MWL (Muslim World League) – 18°/17°: Wird international häufig verwendet und bildet in vielen Apps und Kalendern den Standard.
- Diyanet (Türkische Religionsbehörde) – 18°/17° mit leichten Korrekturen für hohe Breiten. In Gemeinden mit türkischem Hintergrund ist diese Methode die Regel.
- IGMG – 14°/14°: Eine Anpassung der Diyanet-Werte, die für Mitteleuropa kürzere Dämmerungswinkel vorsieht, um die späte Ischa-Zeit im Sommer zu entschärfen.
Alle Verfahren basieren auf denselben astronomischen Grundlagen, unterscheiden sich aber bei den zugrunde gelegten Winkeln und bei eventuellen Korrekturtabellen. Daher kann das Fadschr-Gebet zwischen zwei Kalendern durchaus um 10–15 Minuten variieren, ohne dass eine der Angaben «falsch» wäre. Welches Verfahren angewendet wird, entscheiden in der Praxis meist die jeweilige Moscheegemeinde oder persönliche Präferenzen.
Wichtig ist, sich konsequent an eine verlässliche Quelle zu halten, damit keine Gebete verpassen werden. Wer sich auf die in Erftstadt angezeigten Zeiten stützt, orientiert sich an einem einheitlichen Rechenverfahren – Abweichungen zu anderen Kalendern sind damit erklärt und nachvollziehbar.