Asr-Zeit: Unterschied zwischen hanafitischer und schafiitischer Berechnung
Das Asr-Gebet beginnt, wenn der eigene Schatten eine bestimmte Länge erreicht. In den schafiitischen, malikitischen und hanbalitischen Rechtsschulen gilt Asr bereits, sobald der Schatten die gleiche Länge wie der Körper hat (Faktor 1). Im hanafitischen Madhhab wartet man, bis der Schatten das Doppelte der Körpergröße erreicht (Faktor 2). Dadurch verschiebt sich der Beginn von Asr in Erkrath an einem typischen Sommertag um rund eine Stunde nach hinten, im Winter um deutlich weniger. Weil beide Methoden durch authentische Überlieferungen gedeckt sind, veröffentlicht man in Deutschland häufig zwei Uhrzeiten. Welcher Ansatz befolgt wird, hängt von der eigenen Rechtsschule oder der Empfehlung der lokalen Gemeinde ab.
Kurze Dämmerung: Maghrib ↔ Ischa im Winter an 51° N
Erkrath liegt auf 51,2° nördlicher Breite. Im Dezember geht die Sonne schon am späten Nachmittag unter, während die Nacht fast fünfzehn Stunden dauert. Die nautische Dämmerung endet daher rasch, und die Zeitspanne zwischen Maghrib und Ischa schrumpft oft auf 60–70 Minuten. Umgekehrt dehnt sich dieses Fenster im Juni auf bis zu zweieinhalb Stunden aus, weil der Sonnenstand flacher verläuft.
Der späte Sonnenaufgang führt außerdem dazu, dass Fadschr relativ spät beginnt, obwohl er nominell 18° Sonnenstand vor Sonnenaufgang (Schuruk) festgelegt ist. In den hellen Sommernächten wird das Ende der Abenddämmerung manchmal gar nicht richtig schwarz – ein Effekt, der sich jenseits von 48° N stärker zeigt. In Erkrath ist das Problem seltener, aber die Berechner verlängern in der Regel die Nacht bis zum künstlichen Punkt , also Mitternacht nach islamischer Definition, falls keine astronomische Ischa-Zeit ermittelt werden kann.
Warum unterscheiden sich MWL, Diyanet und IGMG?
Die Uhrzeiten für Fadschr und Ischa hängen primär vom zugrunde gelegten Sonnenstand (Zenitwinkel) ab. Drei Methoden sind in Deutschland am weitesten verbreitet:
- MWL (Muslim World League): 18° für Fadschr und 17° für Ischa. Diese Werte sind international üblich und dienen vielen Apps als Standard.
- Diyanet (Türkische Religionsbehörde): 18° für Fadschr, 17° für Ischa, jedoch mit Korrekturtabellen für hohe Breitengrade. Diyanet ist für viele türkischstämmige Gemeinden maßgeblich.
- IGMG: 12° für beide Gebete. Der geringere Winkel führt zu späteren Fadschr- und früheren Ischa-Zeiten und wird bevorzugt, um die praktische Machbarkeit in Mitteleuropa zu erleichtern.
Neben dem Winkel fließen geographische Koordinaten (51,2223° N, 6,9083° E), das Datum und die Zeitzone Europe/Berlin in die Rechnung ein. Schon wenige Minuten Rundungsdifferenz bei der Sonnenposition oder ein anderes Höhenmodell der Erdoberfläche können den angezeigten Wert um mehrere Minuten verschieben. Deshalb erscheinen auf verschiedenen Webseiten leicht abweichende Zeiten, obwohl alle seriös arbeiten.
Für eine verlässliche Planung empfiehlt es sich, die Methode zu wählen, die auch die eigene Moschee in Erkrath nutzt, und bei kritischen Handlungen wie dem Fastenbeginn einen Vorsprung von etwa Minuten einzuhalten.