Die Gebetszeiten, die Sie hier für Erwitte sehen, beruhen auf astronomischen Berechnungen, die an die islamischen Vorgaben für jede der fünf täglichen Pflichtgebete angepasst sind. Grundlage sind das aktuelle Datum, die geografischen Koordinaten von 51,61° N und 8,34° O sowie die gesetzliche Zeit in der Zeitzone Europe/Berlin. Aus dem Höhenwinkel der Sonne über oder unter dem Horizont lässt sich exakt bestimmen, wann der Morgen dämmert, wann die Sonne kulminiert und wann sie untergeht. Daraus entstehen die Zeitfenster für Fadschr, Zuhr, Asr, Maghrib und Ischa.
1. Unterschiedliche Berechnungsmethoden: MWL, Diyanet und IGMG
In Deutschland sind vor allem drei Rechenmethoden verbreitet:
- Muslim World League (MWL): Verwendet einen Sonnendepressionswinkel von 18° für Fadschr und 17° für Ischa. Viele internationale Apps greifen standardmäßig auf MWL zurück.
- Diyanet (Türkische Religionsbehörde): Nutzt 18°/17°, ergänzt aber lokale Korrekturen für Europa. Zahlreiche DITIB-Gemeinden richten sich danach.
- IGMG: Legt 15°/15° an. Dadurch beginnen Fadschr und Ischa in der Regel einige Minuten später als bei MWL oder Diyanet.
Der Unterschied von drei Grad klingt gering, kann aber je nach Jahreszeit bis zu 20 Minuten ausmachen. Wer regelmäßig in verschiedenen Moscheen betet, bemerkt daher leichte Abweichungen. Alle drei Methoden orientieren sich jedoch an anerkannten Kriterien der klassischen Fiqh-Literatur und sind gültig, solange die Reihenfolge der Gebete eingehalten wird.
2. Zeitmanagement an kurzen Wintertagen
Auf 51,6° nördlicher Breite sind die Tage im Dezember deutlich kürzer als im Juni. Fadschr beginnt dann spät in der Nacht, während Maghrib schon am späten Nachmittag eintritt. Die Pausen zwischen Zuhr, Asr und Maghrib schrumpfen teilweise auf nur wenige Stunden. Folgende Strategien haben sich in Deutschland bewährt:
- Pausenzeiten klug legen: Wer flexible Arbeitszeit hat, kann die Mittagspause so platzieren, dass sowohl Zuhr als auch Asr innerhalb eines zusammenhängenden Fensters verrichtet werden.
- Erinnerungen einstellen: Eine einzige Benachrichtigung kurz vor reicht oft, um sich rechtzeitig auf das Nachmittagsgebet vorzubereiten.
- Gebete auf Reisen zusammenlegen: In anerkannten Fällen von Reise (safar) darf Zuhr mit Asr und Maghrib mit Ischa kombiniert werden. Das erleichtert den Arbeitsweg oder längere Dienstreisen.
- Nacht besser nutzen: Wer im Sommer späte Ischa-Zeiten vermeiden möchte, kann das optionale Tahadschjud nach einplanen und so den Schlaf rhythmisch anpassen.
Im Sommer verursacht die lange Dämmerung auf unserer Breite, dass Ischa sehr spät stattfindet. Viele Gemeinden greifen dann auf eine «Festlegung des nächtlichen Bruchs» zurück, um unnötig späte Zeiten zu vermeiden – ein anerkanntes Vorgehen nördlich der 48. Breite.
3. Längengrad und der genaue Zeitpunkt des Sonnenuntergangs
Neben der Breite spielt auch der Längengrad eine Rolle. Erwitte liegt auf 8,34° östlicher Länge. Pro Längengrad verschiebt sich der wahre Sonnenuntergang um etwa vier Minuten. Dadurch geht die Sonne in Erwitte rund zwölf Minuten später unter als in Köln (6,96° O), während das benachbarte Paderborn (8,77° O) einige Minuten voraus ist. Diese Verschiebung wandert tagsüber durch die Zeitzone, bleibt aber in den Tabellen korrekt berücksichtigt.
Warum ändern sich die Zeiten täglich?
Die Erdbahn ist elliptisch und die Erdachse geneigt. Dadurch verschieben sich Höhe und Azimut der Sonne von Tag zu Tag, am stärksten in der Nähe der Tag-und-Nachtgleichen. Schon ein halbes Grad Sonnenwinkel – das entspricht dem scheinbaren Durchmesser der Sonne – verändert die Gebetszeit um ein bis zwei Minuten. Daher aktualisieren zuverlässige Kalender die Zeiten zwar täglich, aber nur selten um mehr als wenige Minuten.
Beim Asr-Gebet existieren zwei etablierte Einstellungen: nach Shafi-i und den meisten anderen Rechtsschulen tritt Asr ein, sobald der Schatten eines Objekts seine ursprüngliche Länge erreicht hat (zusätzlich zum Mittagsschatten). Hanafiten warten, bis der Schatten doppelt so lang ist. Dieses spätere Fenster wird in vielen türkischen und südasiatischen Gemeinden bevorzugt. Beide Ansichten haben starke Überlieferungen und sind gültig, solange man konsequent einer Methode folgt.