Geographische Länge: Warum der Sonnenuntergang in Ettlingen ein paar Minuten später sein kann
Ettlingen liegt auf 8,41° östlicher Länge. Pro Längengrad wandert der wahre Sonnenuntergang ungefähr vier Minuten. Schon zwischen Ettlingen und dem nur 40 km entfernten Pforzheim (8,70° E) ergibt sich dadurch eine Differenz von knapp 1,5 Minuten beim Maghrib. Das erklärt, warum zwei benachbarte Städte nie exakt dieselben Gebetszeiten haben, selbst wenn sie zur selben Zeitzone gehören.
Die Berechnung jeder einzelnen Gebetszeit kombiniert mehrere astronomische und geografische Parameter:
- Datum des Gregorianischen und Hijri-Kalenders
- Breite 48,94° N und Länge 8,41° E des Ortes
- Zonenzeit (Europe/Berlin, UTC + 1 bzw. + 2 im Sommer)
- Sonnenstand (Höhe der Sonnenscheibe über oder unter dem Horizont)
- Festgelegte Sonnendepressionen (z. B. 18° für Fadschr, 17° für Ischa nach MWL-Methode)
Bei Fadschr wird beobachtet, wann die erste horizontale Helligkeit am Osthorizont erscheint. Der Schuruk () kennzeichnet den Moment, in dem die obere Sonnenscheibe den Horizont erreicht. Maghrib fällt dagegen genau auf den Sonnenuntergang, sobald die Scheibe vollständig verschwunden ist.
Gebetszeiten im deutschen Arbeitsalltag: Strategien für kurze Wintertage
Zwischen November und Januar sinkt die Tageslänge in Ettlingen auf knapp acht Stunden. Dadurch rücken Fadschr, Zuhr, Asr und Maghrib dichter zusammen, während der Berufs- oder Studienalltag unverändert bleibt. Folgende Tipps helfen, alle fünf Pflichtgebete dennoch stressfrei zu verrichten:
- Fadschr vor dem Pendeln: Ein Wecker zehn Minuten vor der tatsächlichen Gebetszeit schafft ausreichend Puffer für Wudhu und zwei Rakaʿāt, noch bevor der Tag beginnt.
- Zuhr in der Mittagspause: Viele Arbeitgeber in Deutschland bieten eine 30- bis 45-minütige Pause. Eine kleine Reisegebetsmatte im Spind oder im Auto reicht aus, um das Gebet ungestört zu verrichten.
- Asr rechtzeitig planen: Im Winter kann Asr bereits kurz nach 15 Uhr beginnen. Wenn Sie am Arbeitsplatz nicht beten können, richten Sie Ihren Heimweg so ein, dass Sie direkt nach Dienstschluss beten. Die zulässige Zeit endet erst, wenn die Sonne sichtbar zu untergehen beginnt.
- Maghrib ohne Verzögerung: Da Maghrib nur etwa eine Stunde offen ist, empfiehlt es sich, unmittelbar nach dem ersten Adhan zu beten und andere Aufgaben kurz zurückzustellen.
- Ischa flexibel: Ischa bleibt bis Mitternacht (nach Mondnacht-Berechnung) offen. Wer spät heimkehrt, kann das Gebet in Ruhe nach Familie und Abendessen verrichten.
Hanafi- vs. Shafiʿi-Methode beim Asr
Die hanafitische Rechtsschule legt den Asr-Beginn fest, wenn der Schatten eines Objekts das Doppelte seiner Länge erreicht. Bei Schafiʿi, Maliki und Hanbali genügt bereits das Einfache. In Ettlingen verschiebt sich Asr nach hanafitischer Berechnung um 30 bis 50 Minuten nach hinten. Beide Methoden sind islamisch gültig; maßgeblich ist, welcher Madhhab persönlich befolgt wird oder was in der lokalen Moschee praktiziert wird.
Lange Sommerabende und das Ischa-Gebet auf 48,9° nördlicher Breite
Die Breite von 48,94° bringt sehr helle Nächte zwischen Juni und Mitte Juli. Die astronomische Abenddämmerung – und damit der Beginn von Ischa – tritt dann erst sehr spät ein, teils nach 23 Uhr. Für Gemeindemitglieder, die früh zur Arbeit müssen, kann das zur Herausforderung werden.
Islamische Institute gehen damit unterschiedlich um:
- Konventionelle Berechnung: Ischa erfolgt erst, wenn die Sonne 17° unter dem Horizont steht. Das kann in Ettlingen 90–100 Minuten nach Maghrib sein.
- Feste Zeitspanne: Manche Moscheen verwenden in der hellen Nacht eine pauschale Regel von 90 Minuten nach Sonnenuntergang, um extreme Zeiten zu vermeiden.
- Mitternachtsregel: Wird die Dämmerung gar nicht vollständig dunkel, erlaubt die Mehrheit der Gelehrten, Ischa bis zur bürgerlichen Mitternacht (Mitte zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang) zu verrichten. Das lässt sich leicht mit dem Wert abschätzen.
Unabhängig von der gewählten Methode gilt: Wer berechtigte Zweifel an der Aktualität seiner Gebetszeiten hat, sollte die Angaben der örtlichen Moschee oder eines anerkannten islamischen Zentrums konsultieren.