Kürzere Abende: Warum der Abstand zwischen Maghrib und Ischa im Winter so klein wird
Forst liegt auf 51,7° nördlicher Breite. Je weiter ein Ort vom Äquator entfernt ist, desto stärker schwanken die Tageslängen im Jahresverlauf. Im Dezember dauert der helle Teil des Tages hier nur rund acht Stunden, während er im Juni fast 16 Stunden erreicht. Diese Unterschiede wirken sich direkt auf die Gebetszeiten aus.
Maghrib beginnt, sobald die Sonne vollständig unter dem Horizont verschwunden ist. In den Wochen um die Wintersonnenwende folgt darauf sehr rasch das Verschwinden der roten Abenddämmerung (schuruq al-schafaq). Der Zeitraum bis Ischa beträgt dann oft weniger als 70 Minuten. Praktisch bedeutet das, dass viele Gläubige das Abendessen, Familienpflichten und zwei Gebete in einen engen Zeitkorridor legen müssen. Wer früh plant – etwa das Essen schon vor Maghrib vorbereitet – vermeidet Stress und kann beide Gebete pünktlich verrichten.
Im Sommer kehrt sich die Situation um: Die Abenddämmerung hält lange an, manchmal bis nahe Mitternacht. Dadurch verschiebt sich Ischa nach hinten, während zwischen Maghrib und Ischa deutlich mehr Zeit bleibt. Besonders nördlich von 48° Breite beobachtet man in hellen Juninächten, dass der Übergang von rötlicher zu dunkler Dämmerung kaum stattfindet. Für Forst ist dieses Phänomen spürbar, aber kein extremes Problem; die für Deutschland gängigen Rechenmethoden berücksichtigen es, indem sie für Ischa einen festen Sonnenstand (z. B. –17°) ansetzen oder eine Zeitbegrenzung einführen.
MWL, Diyanet oder IGMG? – Ein Vergleich der wichtigsten Berechnungsmethoden in Deutschland
Die Uhrzeiten in der Monatsübersicht basieren auf astronomischen Daten: Datum, geografische Koordinaten (51,7354° N, 14,6397° E), Zeitzone (CET/CEST) und dem Sonnenstand unter dem Horizont. Unterschiedlich ist allerdings, welcher Sonnenstand für Fadschr und Ischa angesetzt wird. Daraus erklären sich Abweichungen von einigen Minuten zwischen verschiedenen Kalendern.
MWL (Muslim World League)
MWL nutzt –18° für Fadschr und –17° für Ischa. Diese Einstellung liefert für mittlere Breiten solide Ergebnisse und ist weltweit verbreitet. Viele Apps in Europa greifen standardmäßig auf MWL zurück.
Diyanet (Präsidium für Religionsangelegenheiten, Türkei)
Diyanet übernimmt –18° für Fadschr, aber –17° für Ischa nur bis 45° Breite. Nördlich davon – also auch in Forst – verwendet Diyanet im Sommer eine alternative „Günstigste Nacht“-Regel, wenn die Sonne nicht tief genug sinkt. Dadurch entstehen in Juni-Nächten manchmal frühere Ischa-Zeiten als bei MWL.
IGMG (Islamische Gemeinschaft Millî Görüş)
IGMG orientiert sich an –12° (Fadschr) und –12° (Ischa). Der geringere Winkel liefert deutlich frühere Ischa- und spätere Fadschr-Zeiten. Viele Gemeinden in Deutschland nutzen diesen Ansatz, weil er die Problemnächte im Juni pragmatisch löst und die fünf Gebete über den Tag verteilt.
Welche Methode man wählt, entscheidet die lokale Moscheegemeinde oder jede Person in Abstimmung mit ihrer Rechtschule. Wichtig ist, sich konsequent an ein Kalenderwerk zu halten, um keine Gebete zu verpassen.
Der Asr-Unterschied zwischen Hanafi und Schafi-i
Auch beim Nachmittagsgebet gibt es zwei Berechnungen: Schafi-i, Malikiten und Hanbaliten nehmen den Zeitpunkt, wenn der Schatten eines Objekts genau seiner Länge entspricht. Hanafiten warten, bis der Schatten doppelt so lang ist. In Forst variiert der Abstand zwischen beiden Ansätzen je nach Jahreszeit zwischen 30 und 60 Minuten.
Schuruk verstehen: Die Grenze für das Fadschr-Gebet
Fadschr beginnt mit der Morgendämmerung, wenn der erste helle Streifen am Osthimmel erscheint. Diese Phase endet strikt mit dem Sonnenaufgang, den Kalender oft als „Sonnenaufgang“ oder „Schuruk“ kennzeichnen. In Forst können zwischen Beginn von Fadschr und je nach Saison 90 bis 140 Minuten liegen.
Warum muss das Fadschr-Gebet vor Schuruk abgeschlossen sein? Der Prophet ﷺ sagte sinngemäß: „Wer das Morgengebet vor Sonnenaufgang betet, befindet sich im Schutz Allahs.“ (Muslim). Mit dem ersten Sonnenlicht beginnt eine Zeit, die keinem Pflichtgebet gewidmet ist. Daher sollten Gebet, Sunna-Gebete und das anschließende Dhikr spätestens einige Minuten vor Schuruk beendet sein.
Wer regelmäßig verschläft, kann Folgendes ausprobieren:
- Wecker nicht nur zur Startzeit von Fadschr, sondern zusätzlich 15 Minuten früher stellen.
- Abends leichte Mahlzeiten bevorzugen, um morgens wacher zu sein.
- Die Gebetskleidung und den Gebetsteppich bereits vor dem Schlafen herrichten.
Da sich die Fadschr-Zeit täglich um etwa eine Minute ändert, empfiehlt es sich, den Wecker einmal pro Woche neu zu justieren. So bleibt genügend Puffer, um das Gebet sicher vor Schuruk zu vollenden.