Berechnungsmethoden in Deutschland: MWL, Diyanet und IGMG
Die Gebetszeiten für Frankenberg/Sa. werden heute überwiegend nach drei festen Berechnungsverfahren erstellt. Alle Methoden greifen auf dieselben astronomischen Grunddaten zurück (Koordinaten 50,913° N, 13,040° E, Zeitzone Europe/Berlin), unterscheiden sich jedoch in den zugrunde gelegten Sonnendepressionswinkeln für Fadschr und Ischa:
- MWL (Muslim World League): 18° für Fadschr und 17° für Ischa. Dies ist international am weitesten verbreitet und wird häufig von Apps und Gebetskalendern übernommen.
- Diyanet: 18° / 17° wie MWL, ergänzt aber um eine empirische Korrektur für die Türkei und Mitteleuropa. Viele in Deutschland lebende Türkischsprachige orientieren sich daran.
- IGMG: 12° / 12°. Die Islamische Gemeinschaft Millî Görüş wählte bewusst flachere Winkel, weil in nördlichen Breiten die astronomische Morgendämmerung an einigen Tagen kaum visuell wahrnehmbar ist.
Alle drei Verfahren sind islamisch anerkannt. Unterschiede von wenigen Minuten entstehen allein aus den abweichenden Winkeln und Rundungen bei der Umrechnung von Sonnendaten in Ortszeit. Für Frankenberg/Sa. liegen die Abweichungen zwischen MWL und IGMG bei Fadschr im Durchschnitt bei 8-12 Minuten, bei Ischa etwas weniger. Wer regelmäßig nach derselben Methode betet, sorgt für Konsistenz und vermeidet Verwirrung.
Asr im hanafitischen und schafiitischen Verständnis
Der Zeitpunkt des Asr-Gebets wird nicht durch einen Winkel, sondern durch die Schattenlänge bestimmt. Nach dem schafiitischen, malikitischen und hanbalitischen Verständnis beginnt Asr, sobald der Schatten eines Gegenstands seine eigene Länge erreicht. Im hanafitischen Madhhab wird gewartet, bis der Schatten doppelt so lang ist. In den Tabellen finden Sie daher zwei Spalten oder einen Hinweis, welcher Wert angezeigt wird. Beide Auffassungen sind gültig; entscheidend ist die konsequente Befolgung der jeweils gewählten Schule.
Astronomische Grundlagen: Von Fadschr bis Sonnenaufgang
Die Gebetszeiten orientieren sich direkt am Sonnenstand. Der Beginn von Fadschr ist mit dem ersten true dawn (astronomische Morgendämmerung) gleichgesetzt, wenn ein feiner Lichtstreifen horizontal am östlichen Horizont erscheint. Mathematisch entspricht das dem Moment, in dem sich die Sonne in einem bestimmten Winkel unter dem Horizont befindet. Das Rechenmodell liefert daher exakte Uhrzeiten, selbst wenn der Himmel bewölkt ist.
Der genaue Übergang von Nacht zu Tag lässt sich vor Ort manchmal schwer erkennen. Deshalb übernehmen Standardverfahren wie MWL oder Diyanet den festen Winkel von 18 Grad. Sobald die Sonne aufgeht, endet die verbotene Zeit und das nächste Pflichtgebet, Zuhr, rückt näher. Der Sonnenaufgang () ist zugleich die natürliche Grenze, nach der das Nachholen von Fadschr nicht mehr als Gebet in der Zeit (ada’) gilt.
Maghrib beginnt unmittelbar mit dem Sonnenuntergang; das ist der einfachste Referenzpunkt, weil er visuell klar ist. Ischa wird erneut über einen Winkel bestimmt: Der Abenddämmerungshimmel muss vollständig dunkel sein, sodass die rote bzw. weiße Resthelligkeit verschwunden ist. Weil dieser Prozess bei hoher Bewölkung langsamer abläuft, kann sich der praktische Eindruck vom berechneten Wert unterscheiden, ohne dass das Kalkül falsch wäre.
Breitengrad 50,9° N: Sommernächte und das Ishaa-Problem
Frankenberg/Sa. liegt deutlich nördlich des 45. Breitengrades. In den Wochen um die Sommersonnenwende sinkt die Sonne nachts nicht sehr tief unter den Horizont. Die Dämmerungsphasen überlappen sich, sodass die astronomische Nacht extrem kurz oder gar nicht vollständig eintritt. Folgende Auswirkungen sind spürbar:
- Sehr frühes Fadschr: Schon gegen 03 Uhr kann der theoretische Dämmerungsbeginn erreicht sein, weil der 18-Grad-Winkel früh überschritten wird. Wer ein späteres Verfahren (z. B. IGMG 12°) nutzt, gewinnt einige Minuten Schlaf, ohne die Gültigkeit zu gefährden.
- Sehr spätes Ischa: Der Himmel wird lange nicht komplett dunkel, sodass Ischa nach MWL erst kurz vor Mitternacht sein kann. Ist das Gebet praktisch kaum einzuhalten, erlauben viele europäische Fatwas eine Hilfsregel, z. B. das Beten bei Mitternacht islamisch () oder beim letzten Drittel der Nacht ().
- Tägliche Verschiebung: Zwischen zwei aufeinanderfolgenden Tagen können die Zeiten im Juni um fast 3 Minuten springen. Das unterstreicht die Wichtigkeit einer tagesaktuellen Tabelle.
Im Winter kehrt sich das Bild um: Die Sonne steht tiefer, die Nacht ist lang, Fadschr beginnt später und Ischa früher. Damit verschiebt sich das gesamte Gebetsfenster in bequemere Bereiche des Tages.