Unterschiede der Berechnungsmethoden: MWL, Diyanet und IGMG
Wer sich in Deutschland nach Gebetszeiten richtet, trifft am häufigsten auf drei Algorithmen: die Muslim World League (MWL), die Türkisch-Islamische Union Diyanet und die Islamische Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG). Alle drei Methoden greifen auf die astronomische Position der Sonne zurück, unterscheiden sich jedoch bei den zugrunde gelegten Sonnenhöhen für Fadschr und Ischa.
- MWL setzt den Beginn des Fadschr bei –18° Sonnenhöhe und das Ende des Ischa bei –17° an. Diese konservativen Werte liefern längere Nachtgebete und sind weltweit verbreitet.
- Diyanet arbeitet in Deutschland mit –18°/–17°, passt jedoch sekundäre Parameter – etwa atmosphärische Refraktion – eigenen Messreihen an. Dadurch können die Zeiten ein bis zwei Minuten vom MWL abweichen.
- IGMG verwendet –14°/–14°, um den realen Lichtverhältnissen Mitteleuropas besser zu entsprechen. Das führt im Sommer zu einem deutlich früheren Ischa, was vielen Gläubigen den Alltag erleichtert.
Welcher Wert gewählt wird, ist eine Frage des Vertrauens in die jeweilige Institution und der lokalen Masdschid-Praxis. Scharia-konform sind alle drei Ansätze, solange die gewählten Winkel die im Fiqh geforderte Morgendämmerung bzw. Nachtfinsternis wiedergeben.
Schuruk verstehen: Warum der Fadschr vor dem Sonnenaufgang endet
Der Begriff Schuruk bezeichnet den Moment, in dem die obere Sonnenscheibe den Horizont berührt. Zu diesem Zeitpunkt endet die Zeit des Fadschr unwiderruflich. Der prophetische Befehl lautet sinngemäß: „Betet Fadschr, solange die Morgendämmerung sichtbar ist, und unterlasst ihn beim Sonnenaufgang.“ Damit wird verhindert, dass freiwillige oder obligatorische Gebete in die kurze Phase der aufgehenden Sonne fallen, in der laut Sunna keine Gebete verrichtet werden sollen.
In Friedrichshagen schwankt der Abstand zwischen Fadschr und jahreszeitlich stark. Im Dezember beträgt er etwa 90 Minuten, im Juni knapp 60 Minuten. Wer also knapp vor Schuruk betet, sollte die angegebenen Minutenangaben besonders beachten, um das Ende der Fadschr-Zeit nicht zu verpassen.
Geografische Lage: Wie Breite und Länge die Gebetszeiten in Friedrichshagen formen
Mit einer Breite von 52,45° N liegt Friedrichshagen deutlich nördlich der traditionellen islamischen Kerngebiete. Das hat drei praktische Folgen:
- Lange Sommertage: Im Juni sinkt die Sonne nachts nur flach unter den Horizont. Die nautische Dämmerung endet oft erst kurz vor Mitternacht und beginnt schon gegen 2 Uhr. Dadurch rücken Fadschr und Ischa enger zusammen, besonders bei konservativen Berechnungen.
- Kurze Wintertage: Im Dezember steht die Sonne nur niedrig. Der Sonnenuntergang – und damit Maghrib – findet bereits gegen 16 Uhr statt, während Ischa relativ früh beginnt. Das schafft längere Zeitfenster für das Nachtgebet.
- Längengrad 13,62° E: Schon wenige Kilometer westlich oder östlich verschieben sich die Zeiten um bis zu drei Minuten, weil sich der wahre Sonnenmittag geografisch verschiebt. Deshalb unterscheiden sich die Zuhr-Zeiten zwischen Berlin-Mitte und Friedrichshagen geringfügig, obwohl beide im selben Zeitgürtel liegen.
Alle Zeiten auf dieser Seite wurden mit den exakten Koordinaten von Friedrichshagen, dem amtlichen Zeitstandard „Europe/Berlin“ und den oben genannten Methoden berechnet. Damit erhältst du Werte, die speziell auf deinen Aufenthaltsort zugeschnitten sind.
Asr nach zwei Rechtsschulen
Die hanafitische Schule lässt das Asr-Gebet erst beginnen, wenn der Schatten des Objekts doppelt so lang ist wie das Objekt selbst, während die übrigen drei Rechtsschulen bereits beim einfachen Schattenwert beten. Auf dieser Seite wird standardmäßig der frühere Zeitpunkt angezeigt; wer nach hanafitischer Meinung betet, addiert in der Regel rund eine Stunde (je nach Jahreszeit). Beide Varianten gelten als gültig, solange das Gebet innerhalb des jeweiligen Zeitfensters verrichtet wird.