Vor Sonnenaufgang: Fadschr und das Ende durch den Schuruq
Die Zeit des Fadschr beginnt mit dem ersten, schwach rötlichen Lichtstreifen am östlichen Horizont (astronomische Morgendämmerung) und endet exakt mit dem Schuruq, also dem Moment, in dem die obere Sonnenscheibe erscheint. Das heißt: Spätestens bis sollte die Fadschr-Gebeteinheit abgeschlossen sein. Wer noch betet, wenn die Sonne bereits sichtbar ist, befindet sich außerhalb der vorgeschriebenen Zeit.
Garbsen liegt auf 52,41° nördlicher Breite. Je höher die Breite, desto stärker schwanken Länge und Charakter der Dämmerungsphasen:
- Sommer: Sehr kurze Nächte und eine lange Morgendämmerung lassen Fadschr schon vor 03:00 Uhr einsetzen, während Ischa erst weit nach 23:00 Uhr beginnen kann.
- Winter: Die Sonne steigt flacher auf, die Dämmerung ist kürzer, und Fadschr beginnt erst am frühen Morgen.
In Deutschland verschwinden die bürgerlichen und nautischen Dämmerungsphasen im Juni nicht ganz, aber sie überlappen sich. Für Garbsen bedeutet das: Fadschr und Ischa rücken so nahe zusammen, dass zwischen beiden Gebeten manchmal weniger als sechs Stunden liegen. Wer längere Entfernungen pendelt oder in Schichtarbeit steht, sollte daher die Zeiten regelmäßig prüfen.
Zwei Schulen, zwei Asr-Zeiten: die hanafitische und die schafiitische Berechnung
Asr wird bestimmt, indem man den Schatten eines senkrechten Objekts mit seiner eigenen Höhe vergleicht. Die Unterschiede:
- Schafiitisch, Malikitsch, Hanbalitisch: Die Asr-Zeit beginnt, sobald die Länge des Schattens genau der Objektlänge entspricht (zusätzlich zum Mittagsschatten).
- Hanafitisch: Sie beginnt erst, wenn der Schatten die doppelte Objektlänge erreicht. Das verschiebt Asr in Garbsen – je nach Jahreszeit – um 40 bis 70 Minuten nach hinten.
Die Ursachen liegen in unterschiedlichen Interpretationen eines Hadith, in dem der Prophet ﷺ den Schatten als Kriterium nennt. Beide Auffassungen haben eine lange Rechtstradition und gelten als gültig. Unsere Tagesübersicht weist deshalb eine Asr-Zeit aus, die meist dem üblicheren schafiitischen Standard entspricht. Hanafiten können durch einfaches Hinzurechnen der Differenz oder durch einen Blick auf spezialisierte Tabellen die spätere Zeit ermitteln.
MWL, Diyanet oder IGMG? Warum sich Tabellen in Deutschland unterscheiden
Die fünf täglichen Gebete folgen astronomischen Ereignissen. Um daraus konkrete Minutenwerte abzuleiten, müssen vier Faktoren kombiniert werden:
- Datum – wegen der jährlichen Bahn der Erde.
- Koordinaten – in Garbsen: 52,41° N, 9,59° E.
- Zeitzone – Europa/Berlin, inklusive Sommerzeit.
- Berechnungsparameter – vor allem die Sonnenwinkel für Fadschr und Ischa.
Hier setzen die Methoden an:
- MWL (Muslim World League): 18° unter dem Horizont für Fadschr und 17° für Ischa. International verbreitet, in Deutschland häufig Grundlage vieler Apps.
- Diyanet (Türkische Religionsbehörde): Ebenfalls 18°/17°, nutzt aber eine eigene Korrektur für hohe Breiten und bezieht lokale Geländehöhen in die Rechnung ein. Dadurch weichen die Zeiten im Sommer um einige Minuten ab.
- IGMG (Islamische Gemeinschaft Millî Görüş): 15°/15°, plus hauseigene Übergangsregeln bei sehr kurzen Nächten. Das rückt Fadschr und Ischa näher an den Sonnenauf- bzw. ‑untergang heran und kann insbesondere im Juni spürbare Unterschiede erzeugen.
Die Wahl der Methode ist keine Frage von „richtig“ oder „falsch“, sondern von Präferenz und Vertrauensquelle. Manche Gemeinden folgen Diyanet, andere IGMG, wieder andere MWL. Im Alltag genügt es, sich konsequent an eine Methode zu halten und nur diese für die Einhaltung der Gebetszeiten heranzuziehen. Wichtig ist, die zugrunde liegenden Annahmen zu kennen und innerhalb einer Familie oder Gemeinde einheitlich zu handeln.