Die Gebetszeiten, die oben für Geesthacht angezeigt werden, basieren auf klar definierten astronomischen Kriterien. Damit Sie nachvollziehen können, warum die Zeiten von Tag zu Tag anders sind und sich gelegentlich von anderen Kalendern unterscheiden, finden Sie hier einen fachlichen Einblick in die wichtigsten Einflussfaktoren.
Breitengrad 53,4° N – was das für die Nächte im Juni und Juli bedeutet
Geesthacht liegt deutlich nördlich des 48. Breitengrades. Dadurch werden die Nächte rund um die Sommersonnenwende sehr kurz, während die Sonne nur flach unter den Horizont taucht. In manchen Nächten verschwindet die astronomische Abenddämmerung gar nicht vollständig. Das hat direkten Einfluss auf die Ischa-Zeit:
- Sobald der Sonnenmittelpunkt 18° unter dem Horizont steht, beginnt nach der Mehrheitsmeinung die astronomische Nachtdunkelheit. Erst dann kann Ischa gebetet werden.
- Erreicht die Sonne diesen Winkel in den Wochen um den 21. Juni nicht mehr, wird auf Ausgleichsverfahren zurückgegriffen. Üblich ist in Deutschland die sogenannte Tabellen- oder Portionsmethode, bei der der Nachtabschnitt zwischen Maghrib und Sonnenaufgang in gleiche Teile geteilt wird. Ischa fällt dann zum Beispiel auf 17 % oder 18 % der Nachtlänge.
- Die Mitte der Nacht liegt heute um . Wer sich an die Hanbali- oder Schafiʿi-Meinung hält, darf Ischa bis kurz vor diesem Zeitpunkt verrichten.
Im Winter kehrt sich der Effekt um: Längere Nächte bedeuten einen frühen Ischa-Beginn, während Fadschr später liegt. Diese jahreszeitlichen Verschiebungen sind rein geophysikalisch und betreffen ganz Norddeutschland.
Der Einfluss des Längengrads auf Maghrib und die kleinen regionalen Unterschiede
Neben der Breite spielt auch die geographische Länge eine Rolle. Geesthacht befindet sich bei 10,38° Ost. Pro Längengrad verschiebt sich der wahre Sonnenuntergang um etwa vier Minuten. Deshalb geht die Sonne hier wenige Minuten früher unter als in westlicher gelegenen Orten Schleswig-Holsteins und etwas später als in weiter östlich liegenden Gemeinden von Mecklenburg-Vorpommern.
Maghrib beginnt unmittelbar nach dem vollständigen Untergang der Sonne. Selbst ein Abstand von nur 15 Kilometern kann dabei ein bis zwei Minuten Unterschied bewirken. Wenn Sie also einen Kalender aus Hamburg vergleichen, ist eine Abweichung von bis zu fünf Minuten völlig normal und kein Widerspruch in der religiösen Praxis. Wichtig ist allein, dass Maghrib dann gebetet wird, sobald die Sonnenscheibe komplett verschwunden ist; das kann jederzeit optisch überprüft werden.
Astronomische Dämmerung: So wird der Beginn von Fadschr bestimmt
Für die Bestimmung von Fadschr beobachten islamische Gelehrte seit Jahrhunderten das erste diffuse Licht am östlichen Horizont (Sadiq-Dämmerung). Heute wird dieses natürliche Kriterium rechnerisch abgebildet:
- Der Winkelabstand der Sonne zum Horizont wird als Depression bezeichnet.
- International anerkannt sind Werte zwischen 15° und 18°. Die meisten deutschen Moscheeverbände folgen der Muslim World League mit 18°. Dadurch entsteht eine konservative Zeit, die etwas früher liegt als manche Apps mit 15°-Einstellung.
- Sobald der Rechner feststellt, dass der Sonnenmittelpunkt den festgelegten Winkel unterschreitet, wird die Fadschr-Zeit ausgegeben. Ab diesem Moment beginnt die Zeit für das Morgen-Gebet und das Fasten.
Ein Wort zum Asr-Gebet
Die Zeit von Asr richtet sich nach der Länge des Schattens. Während die hanafitische Schule einen Schatten von zwei Körperlängen (plus den Mittags-Schatten) verlangt, genügt den anderen drei Rechtsschulen eine einfache Körperlänge. Der Unterschied führt in Geesthacht im Sommer zu etwa 30–40 Minuten, im Winter zu etwas weniger. In vielen Kalendern können Sie zwischen beiden Varianten wählen; religiös ist jede Methode innerhalb ihres Rechtsschulrahmens gültig.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Gebetszeiten sind Ergebnis präziser Astronomie, kombiniert mit klassischem Fiqh. Geringe Abweichungen zwischen verschiedenen Listen spiegeln unterschiedliche Parameter wider, nicht widersprüchliche Religion. Wer nach Sonnenstand betet, liegt immer richtig, wer nach verlässlichen Tabellen betet, ebenfalls – Hauptsache, die Bedingungen des eigenen Madhhabs werden eingehalten.