Wie die Fadschr-Zeit auf der Basis astronomischer Dämmerung bestimmt wird
Fadschr beginnt, sobald am östlichen Horizont das erste schwache Lichtband sichtbar wird. Aus astronomischer Sicht liegt dieser Zeitpunkt bei der sogenannten astronomischen Morgendämmerung, wenn die Sonne etwa 18 Grad unter dem Horizont steht. Einige Kalender benutzen 15 Grad, andere 16,5 Grad. Je kleiner der gewählte Winkel, desto später fällt die berechnete Zeit aus. Die Koordinaten von Gelnhausen (Breite 50,20° N, Länge 9,19° E) gehen direkt in die Berechnung ein, weil der Sonnenstand vom Abstand zum Äquator abhängt.
Auf 50° nördlicher Breite sind die Unterschiede zwischen Sommer und Winter deutlich spürbar: Im Juni erscheint das erste Licht schon weit vor 04:00 Uhr, im Dezember oft erst nach 06:30 Uhr. Der Grund ist die stark schwankende Länge des Tageslichts. Gleichzeitig wirkt sich die Zeitzone Europe/Berlin aus: Während der Mitteleuropäischen Sommerzeit (MESZ) wird eine Stunde hinzugezählt, wodurch die angezeigten Uhrzeiten nach vorn rücken.
Wer zur Sicherheit einen kleinen Puffer einplanen möchte, kann sich an der Meinung einiger Gelehrter orientieren, das Gebet ein paar Minuten nach dem rechnerischen Beginn zu verrichten. Ein praktischer Referenzpunkt ist die Mitte der Nacht bei etwa , die als spätester Zeitpunkt für Witr empfohlen wird.
Asr-Zeit – Unterschied zwischen schafiitischer und hanafitischer Methode
Für das Asr-Gebet beobachten alle Rechtsschulen den Schatten eines Objekts, aber sie setzen unterschiedliche Kriterien:
- Schafiʿi, Malik, Hanbali: Asr beginnt, wenn der zusätzliche Schatten eines Gegenstands dessen reale Länge erreicht (Schatten = 1 × Objektlänge).
- Hanafi: Der zusätzliche Schatten muss doppelt so lang sein (Schatten = 2 × Objektlänge).
In Gelnhausen führt das im Sommer zu einer Differenz von rund 45–60 Minuten, im Winter oft zu 30 Minuten oder weniger. Wer einer der beiden Meinungen folgt, achtet einfach auf das entsprechend hinterlegte Asr-Zeitfenster und verrichtet sein Gebet innerhalb dieses Rahmens. Beide Methoden gelten als gültig, weil sie sich jeweils auf authentische Überlieferungen stützen.
Warum der Abstand zwischen Maghrib und Ischa im Winter kürzer ist
Maghrib tritt unmittelbar mit dem Sonnenuntergang ein. Ischa beginnt, sobald die bürgerliche, nautische und schließlich die astronomische Dämmerung verstrichen sind – technisch gesehen, wenn die Sonne etwa 17–18 Grad unter dem Horizont steht. Auf der 50. Breite läuft die Sonne im Dezember steiler unter den Horizont als im Juni. Dadurch verschwinden die Abendröte und alle Resthelligkeit schneller; die Dämmerungsphase kann auf weniger als 70 Minuten schrumpfen.
Im Sommer hingegen verläuft der Sonnenpfad flacher, was die Dämmerung verlängert. Zwischen Maghrib und Ischa liegen dann häufig 100–120 Minuten. An sehr hellen Juninächten wird die astronomische Dämmerung sogar so lang, dass einige Berechnungssysteme einen Grenzwert festsetzen oder Ischa über die ein-Siebteldauer-Regel beziehungsweise die Mitternachtsregel (z. B. ) definieren. Für Gelnhausen reicht jedoch meist die klassische 18-Grad-Methode, da die Sonne hier noch ausreichend tief sinkt.
Praktisch bedeutet das: Im Winter bleibt nur eine relativ kurze Zeitspanne für das Essen nach Maghrib, das Verrichten der Sunnah-Gebete und die Vorbereitung auf Ischa. Wer seinen Tagesablauf daran anpasst, vermeidet Stress und verpasst keine Gebetsfrist.