Die Gebetszeiten in Gelsenkirchen richten sich nach den natürlichen Merkmalen der Sonne. Breite, Länge und Zeitzone werden dabei mathematisch miteinander verknüpft. Das vorliegende Tages- und Monatsraster basiert auf der internationalen Muslim World League-Methode und berücksichtigt die Koordinaten von 51,505° N und 7,097° E.
Geografische Länge und der lokale Sonnenuntergang
Obwohl Ruhrgebietsstädte wie Essen, Bochum oder Dortmund nur wenige Kilometer voneinander entfernt liegen, verschiebt sich der Zeitpunkt des Sonnenuntergangs um einige Minuten. Ursache ist die geografische Länge: Jede Westabweichung von etwa 1° bedeutet rund vier Minuten spätere Sonnenuntergangszeit.
- Gelsenkirchen liegt bei 7,1° Ost.
- Essen liegt etwas westlicher (circa 6,9° Ost) – der Sonnenuntergang erfolgt daher weniger als eine Minute früher.
- Dortmund bei rund 7,5° Ost erlebt den Sonnenuntergang gut eine Minute früher als Gelsenkirchen.
Diese scheinbar kleinen Differenzen führen dazu, dass das Maghrib-Gebet für jeden Ort separat berechnet werden muss. Ein Umzug in einen Nachbarort genügt, um das Ende des Fastentags oder den Eintritt des Ischa geringfügig zu verschieben.
Asr-Zeit: Schafiitische und hanafitische Berechnung
Die Zeit für das Asr-Gebet beginnt, wenn der Schatten eines Objekts länger wird als seine eigentliche Höhe. Im Detail unterscheiden sich die Rechtsschulen:
- Schafiitischer, malikitischer und hanbalitischer Madhhab: Asr beginnt, sobald der Schatten exakt die eigene Länge plus den Mittags-Nullschatten erreicht.
- Hanafitischer Madhhab: Asr beginnt erst, wenn der Schatten das Doppelte der Körperlänge plus den Mittags-Nullschatten misst.
Für Gelsenkirchen bedeutet das im Jahresdurchschnitt einen Unterschied von etwa 50–70 Minuten zwischen den beiden Methoden. Wer dem hanafitischen Madhhab folgt, betet Asr also deutlich später als jemand, der nach der schafiitischen Methode handelt. In beiden Fällen endet die Asr-Zeit jedoch mit dem Eintritt des Maghrib und bleibt somit klar begrenzt.
Schuruk verstehen: Warum Fadschr vorher enden muss
Der Begriff Schuruk (Sonnenaufgang) kennzeichnet den Moment, in dem die obere Sonnenscheibe sichtbar wird. Genau zu diesem Zeitpunkt endet die Zeitspanne des Fadschr-Gebets. Voraussetzung für einen gültigen Fadschr ist daher, dass er vor Schuruk vollständig abgeschlossen ist – idealerweise mit einigen Minuten Sicherheitsabstand.
Die Gebetszeit des Fadschr beginnt schon mit dem Morgengrauen (astronomische Dämmerung), wenn die Sonne 18° unter dem Horizont steht. Auf der Breite von 51,5° sind die Unterschiede zwischen Winter und Sommer besonders ausgeprägt:
- Im Juni liegt der Fadschr häufig um 03:00 Uhr, weil die Nacht sehr kurz ist.
- Im Dezember verschiebt sich der Fadschr auf etwa 06:50 Uhr, da die Sonne deutlich später aufsteigt.
Je höher die Breite, desto länger bleiben die Abend- und Morgendämmerungen sichtbar. Das verzögert im Sommer den Ischa-Beginn, weil die nautische Dämmerung (12° Sonnenstand) später endet. Bei 51,5° N ist das noch gut berechenbar; in nördlicheren Regionen müssen Spezialmethoden wie Angle Based oder Middle of the Night eingesetzt werden. In Gelsenkirchen reicht jedoch die klassische 18°-Methode, sodass das Ende der Dämmerung und damit Ischa zuverlässig bestimmt werden kann.
Merke: Der Fadschr endet mit dem Sonnenaufgang um . Wer die Morgengebete sorgfältig plant, vermeidet Zeitdruck und bewahrt die Konzentration in der ersten Pflichtgebetszeit des Tages.