Schuruk verstehen: Warum Fadschr vor dem Sonnenaufgang endet
Der Begriff Schuruk bezeichnet den Moment, in dem die oberste Kante der Sonnenscheibe den Horizont erreicht. Ab diesem Zeitpunkt beginnt der neue Tag nach islamischem Verständnis und das Fadschr-Gebet darf nicht mehr verrichtet werden. Wer also Fadschr beten möchte, muss dies in dem Zeitfenster zwischen dem Eintreten der Morgendämmerung und dem Schuruk tun. In Gersthofen liegt der heutige Sonnenaufgang etwa um . Ein paar Minuten Sicherheitsabstand sind ratsam, weil der tatsächliche Horizont durch Gebäude, Hügel oder Wetterbedingungen verdeckt sein kann.
Praktisch bedeutet das: Sobald das erste Lichtband (die sogenannte wahre Morgendämmerung) am östlichen Horizont erscheint, tritt die Zeit für Fadschr ein. Sie endet, sobald die Sonne sichtbar wird. Zwischen diesen beiden Punkten liegt das kürzeste aller Gebetsfenster – im Sommer in Gersthofen oft nur knapp über eine Stunde, im Winter hingegen bis zu zwei Stunden – ein Effekt der geografischen Breite von 48,42° Nord.
Längengrad und lokale Abweichungen beim Sonnenuntergang
Neben der Breite beeinflusst vor allem die geografische Länge, wann in einer Stadt die Sonne untergeht. Gersthofen liegt bei 10,87° östlicher Länge. Vergleicht man damit benachbarte Orte westlich oder östlich, verschiebt sich der Sonnenuntergang grob um vier Minuten pro Längengrad. Deshalb kann Maghrib in Ulm ein paar Minuten später und in München etwas früher stattfinden, obwohl alle drei Städte im selben Bundesland liegen. Auch kleine Distanzen von 15–20 Kilometern können einen Unterschied von einer bis zwei Minuten ausmachen – genug, um im Sommer das Fasten oder das Maghrib-Gebet exakt terminieren zu müssen.
Die Uhrzeit für Maghrib beginnt islamisch unmittelbar nach dem Sonnenuntergang. Für die Berechnung wird der Zeitpunkt herangezogen, an dem die Sonnenscheibe vollständig unter dem geometrischen Horizont verschwunden ist. Moderne Algorithmen berücksichtigen neben Länge und Breite zusätzlich den Höhenunterschied über dem Meeresspiegel sowie die lokale Zeitverschiebung (Europa/Berlin, im Sommer mit MESZ).
Astronomische Dämmerung und die Berechnung von Fadschr
Um die Eintrittszeit von Fadschr zu bestimmen, wird das Zentrum der Sonne in Relation zum geometrischen Horizont betrachtet. International üblich sind zwei Winkelpaare: 18° für Fadschr und 17° für Ischa (Muslim World League) oder 12°/12° nach der Universität von Istanbul. In Deutschland verwenden die meisten Gebetskalender die Variante 18°/17°, weil sie die konservativste Sicherheit bietet.
Bei einem Sonnenstand von –18° beginnt die astronomische Morgendämmerung; das Restlicht der Sonne ist so schwach, dass bislang nur empfindliche Sensoren es erfassen. Dieser Punkt markiert aus islamischer Sicht die wahre Morgendämmerung (al-fadscharu ṣ-ṣādiq). Die Berechnungen berücksichtigen:
- das exakte Datum, da sich die Bahn der Erde täglich ändert,
- die Koordinaten Gersthofens (48,424° N, 10,873° E),
- die Zeitzone und die Umstellung zwischen Normal- und Sommerzeit,
- eventuelle atmosphärische Refraktion.
Auf mittleren Breiten wie 48° N ist die astronomische Dämmerung im Sommer extrem lang, teilweise verschmelzen Fadschr und Ischa beinahe miteinander. Das erklärt, warum die nächtliche Erholungszeit für Muslime in Juni-Nächten kurz sein kann. Im Winter hingegen dauert die Nacht lange genug, sodass zwischen Ischa und Fadschr eine ausgedehnte Ruhephase liegt.
Moscheen und islamische Zentren in Gersthofen
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