Zwischen Maghrib und Ischa: Warum der Abstand im Winter so kurz ist
Maghrib beginnt unmittelbar mit dem Sonnenuntergang, Ischa hingegen erst, wenn die nautische Dämmerung endet und der Himmel vollkommen dunkel ist. In Gilching liegt die geografische Breite bei 48,1 ° N. Auf dieser Breite erreicht die Sonne im Winter sehr flache Winkel, so dass die Dunkelheit rasch einsetzt. Das Resultat ist ein deutlich kürzeres Zeitfenster zwischen den beiden Gebeten: An den kürzesten Tagen trennen Maghrib und Ischa kaum 70 – 80 Minuten, während es im Juni mehr als zwei Stunden sein können.
Dieses Phänomen hat praktische Folgen: Wer nach der Arbeit nach Hause fährt, erlebt oft, dass die Zeit für Ischa bereits beginnt, bevor das Abendessen auf dem Tisch steht. Viele Gläubige planen deshalb ihren Tagesablauf im Winter bewusster, um beide Gebete rechtzeitig zu verrichten. Die islamische Rechtslehre erlaubt es in besonderen Situationen, Maghrib leicht zu verzögern oder Ischa vorzuziehen, solange die Grenzen respektiert werden. Dennoch empfiehlt die Mehrheit der Gelehrten, Maghrib möglichst bald nach Sonnenuntergang und Ischa nicht unnötig spät zu beten.
Einfluss der geographischen Länge auf den Sonnenuntergang in Gilching
Neben der Breite bestimmt auch die geographische Länge die exakte Zeit des Sonnenuntergangs. Gilching liegt bei 11,29 ° Ost. Verglichen mit Städten, die nur 1° weiter westlich liegen, geht die Sonne hier etwa vier Minuten früher unter. Das klingt marginal, summiert sich aber: Zwischen Augsburg, Gilching und München können sich so spürbare Differenzen im Maghrib-Zeitpunkt ergeben, obwohl die Städte weniger als 60 Kilometer auseinanderliegen.
Für die Berechnung gilt die einfache Regel: Je weiter östlich, desto früher Sonnenuntergang. Das erklärt, warum Gläubige in westlicher gelegenen Orten an einem identischen Datum ein paar Minuten länger Zeit haben, ihr Asr-Gebet zu beenden und auf Maghrib zu warten. Umgekehrt endet die Fadschr-Zeit dort ebenfalls später. Dieser Effekt ist klein im Vergleich zu saisonalen Schwankungen, aber bei genauer Einhaltung der Gebetszeiten durchaus relevant.
Breite 48 ° N und die Herausforderung der Sommernächte
Auf 48 Grad Breite wird es im Juni nur kurz oder gar nicht vollständig dunkel. Die astronomische Dämmerung kann fast mit Ischa zusammenfallen. Viele Kalender arbeiten deshalb im Sommer mit einer festen Obergrenze von 90 bis 120 Minuten nach Sonnenuntergang, um realistische Ischa-Zeiten auszugeben. Wer besonders gewissenhaft sein möchte, kann zusätzlich die Mitternachts- oder Ein-Drittel-Methode konsultieren, um das Nachtgebet nicht unnötig zu verzögern.
MWL, Diyanet und IGMG: Drei beliebte Rechenmethoden im Vergleich
In Deutschland sind hauptsächlich drei Berechnungsansätze verbreitet: die Muslim World League (MWL), die Diyanet-Formel des türkischen Präsidiums für Religionsangelegenheiten und der IGMG-Standard. Alle arbeiten mit astronomischen Sonnenständen, unterscheiden sich jedoch bei den Winkeln für Fadschr und Ischa.
- MWL: 18° unter dem Horizont für Fadschr und Ischa. Wird oft als internationaler Kompromiss verwendet.
- Diyanet: 18° für Fadschr, aber 17° für Ischa. Dadurch liegt Ischa wenige Minuten früher als bei MWL, was besonders im Winter spürbar ist.
- IGMG: 15° für Fadschr und Ischa. Das führt zu späteren Fadschr- und früheren Ischa-Zeiten, was längere Schlafphasen ermöglichen kann.
Welche Methode man wählt, hängt von der lokalen Moschee, der persönlichen Rechtsschule und praktischen Gesichtspunkten ab. Wichtig ist, sich konsequent an eine Linie zu halten, um Verwirrung zu vermeiden. Unterschiedliche Winkel erklären auch die Zeitdifferenzen, die man zwischen Apps, Kalendern oder Aushängen in verschiedenen Gemeinden bemerkt.
Asr nach zwei Rechtsschulen
Die Rechtsschulen unterscheiden sich nicht in der astronomischen Berechnung, sondern im Kriterium für die Schattengrenze. Die Schāfiʿī-, Mālikī- und Ḥanbalī-Schule betrachten den Zeitpunkt, an dem der Objektschatten seine eigene Länge erreicht. Die Ḥanafī-Schule wartet, bis der Schatten doppelt so lang ist. Dadurch liegt Asr nach hanafitischer Auffassung etwa 20–30 Minuten später, abhängig von Jahreszeit und Breitengrad.