Berechnungsmethoden in Deutschland: MWL, Diyanet und IGMG
Wer in Goch nach verlässlichen Gebetszeiten sucht, stößt meist auf drei Rechenansätze: Muslim World League (MWL), das Präsidium für Religionsangelegenheiten der Türkei (Diyanet) und die Islamische Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG). Alle drei verwenden dieselbe astronomische Grundlage – den Stand der Sonne – unterscheiden sich aber in den Dämmerungsgraden, die sie für Fadschr und Ischa ansetzen.
- MWL: 18° für Fadschr, 17° für Ischa. International weit verbreitet und daher oft in Gebets-Apps hinterlegt.
- Diyanet: 18° für beide Gebete, zusätzlich leichte Korrekturen für hohe Breitengrade. In Moscheen mit türkischer Gemeinde ist dies meist Standard.
- IGMG: 14° für Fadschr, 15° für Ischa. Die niedrigeren Werte führen zu späteren Fadschr- und früheren Ischa-Zeiten und erleichtern den Tagesrhythmus im deutschen Arbeitsalltag.
Alle Methoden beziehen dieselben Ortsdaten ein: Koordinaten von Goch (51,68° N, 6,16° O) und die lokale Zeitzone Europe/Berlin. Dennoch können sich die angezeigten Zeiten um einige Minuten unterscheiden. Diese Differenz erklärt sich aus den oben genannten Dämmerungsgraden sowie aus Rundungsregeln der jeweils verwendeten Algorithmen. Bei regelmäßiger Einhaltung des Gebets genügt es, sich konsequent an eine Methode zu halten, zum Beispiel die in der eigenen Moschee veröffentlichte.
Warum der Abstand zwischen Maghrib und Ischa im Winter so kurz ist
Je höher ein Ort auf der Nordhalbkugel liegt, desto flacher verläuft die Sonnenbahn im Winter. Auf der Breite von Goch wird die Sonne in den Monaten rund um Dezember schon am späten Nachmittag untergehen. Gleichzeitig sinkt sie rasch weiter unter den Horizont, sodass die astronomische Abenddämmerung schnell eintritt. Daher liegen zwischen Maghrib und Ischa häufig weniger als anderthalb Stunden.
Zwei praktische Folgen sind besonders spürbar:
- Konzentration der Gebete: Wer nach der Arbeit nach Hause kommt, betet oft Maghrib und kurz darauf schon Ischa. Ein strukturiertes Zeitmanagement hilft, beide Gebete nicht aus den Augen zu verlieren.
- Abendliches Programm: Unterricht in der Madrasa, Vereinsaktivitäten oder Familienbesuche beginnen im Winter meist nach Ischa, also deutlich früher als im Sommer.
Im Sommer kehrt sich die Situation um: Durch die langen Tage wird Ischa wesentlich nach hinten verschoben, teilweise kurz vor Mitternacht. Darauf nimmt die Methode der IGMG mit ihrem geringeren Dämmerungsgrad Rücksicht und legt das Nachtgebet etwas früher als MWL oder Diyanet fest.
Astronomische Dämmerung: So wird die Zeit für Fadschr bestimmt
Die Zeit für das Morgengebet (Fadschr) beginnt, sobald der erste schwache Lichtstreifen am östlichen Horizont erscheint. Astronomisch entspricht dies der Morgendämmerung, bei der die Mitte der Sonne einen bestimmten Winkel unter dem Horizont erreicht hat. In den oben genannten Methoden werden dafür 14° bis 18° verwendet. Je größer der Winkel, desto früher beginnt Fadschr.
Einfluss der geografischen Breite
Auf 51,68° N ist der Unterschied zwischen Sommer und Winter besonders ausgeprägt. Im Juni bleibt die Sonne nur wenige Stunden unter dem Horizont, wodurch der Zeitraum zwischen dem Ende von Ischa und dem Beginn von Fadschr sehr kurz wird. An extrem langen Tagen kann er unter zwei Stunden liegen. Umgekehrt verlängert sich dieser Zeitraum im Dezember deutlich.
Besonderheiten bei hohen Breitengraden
Bei Breitengraden oberhalb von 48° – wozu auch Goch gehört – kann es an einigen Tagen vorkommen, dass die Sonne nachts nicht tief genug sinkt, um die astronomische Dämmerung vollständig einzuleiten. In solchen Fällen greifen Recheninstitute auf ergänzende Regeln zurück, etwa die „Angle Correction“ von Diyanet oder die Zwölftel-Methode (Teilung der Nacht in gleiche Abschnitte). So bleibt das Gebetsfenster auch in den hellsten Sommernächten klar definiert.
Moscheen und islamische Zentren in Goch
| Name | Adresse | Kontakt |
|---|---|---|
| DITIB Fatih Moschee Goch | Boelstraße 13, 47574 Goch | Tel.: 02823 86470 |
| IGMG Yunus Emre Moschee | Hubert-Houben-Straße 19, 47574 Goch | — |