Die hier angegebenen Gebetszeiten beruhen auf der geografischen Lage von Grefrath (Breite 51,34° N, Länge 6,34° E) und der Zeitzone Europe/Berlin. In dieser Breitenlage sind die Sommertage sehr lang, während die Wintertage kurz sind. Dadurch verschieben sich die täglichen Gebetszeiten merklich: Im Juni liegt Fadschr oft weit vor 04:00 Uhr, Ischa kann erst nach 23:00 Uhr beginnen; im Dezember hingegen liegen Maghrib und Ischa eng beieinander. Wer die Systematik dahinter kennt, kann die veröffentlichten Zeiten besser einschätzen und für den eigenen Tagesablauf nutzen.
Berechnungsmethoden: MWL, Diyanet und IGMG im Vergleich
In Deutschland werden vor allem drei Rechenmodelle verwendet, um die Winkel der Sonne unter dem Horizont für Fadschr und Ischa festzulegen:
- MWL (Muslim World League): 18° für Fadschr, 17° für Ischa. Diese relativ großen Winkel führen zu früheren Morgen- und späteren Abendzeiten.
- Diyanet (Präsidium für Religionsangelegenheiten Türkei): 18° für Fadschr, 17° für Ischa, jedoch mit leicht abweichenden Tabellen für Mitteleuropa. Viele DITIB-Gemeinden übernehmen diese Vorgaben.
- IGMG: orientiert sich an Diyanet, nutzt aber eigene, regelmäßig aktualisierte Datensätze. Die Unterschiede liegen meist unter fünf Minuten.
Alle Methoden setzen den Moment von Zuhr auf den Höchststand der Sonne und ermitteln daraus Asr mit zwei Varianten: Standard (Schattenlänge = Objekthöhe) und Hanafi (Schattenlänge = doppelte Objekthöhe). In den meisten deutschen Tabellen wird die hanafitische Berechnung als separate Spalte ausgewiesen. Welches Zeitfenster man letztlich nutzt, richtet sich nach dem eigenen Madhhab oder der Empfehlung der lokalen Gemeinde.
Leichte Abweichungen von ein bis zehn Minuten zwischen verschiedenen Webseiten sind normal. Sie entstehen, weil einzelne Dienste unterschiedliche Höhenmodelle, Rundungen oder Zeitzonen-Updates verwenden. Wer konsequent die gleiche Methode nutzt, wahrt dennoch die Übereinstimmung mit den islamisch geforderten Anhaltswerten.
Warum die Zeitspanne zwischen Maghrib und Ischa im Winter kürzer wird
Maghrib beginnt unmittelbar nach Sonnenuntergang, sobald die obere Sonnenscheibe den Horizont vollständig unterschritten hat. Ischa startet, wenn die astronomische Abenddämmerung endet und der Horizont vollständig dunkel ist. In Grefrath senkt sich die Sonne im Dezember steil unter den Horizont: Der Weg von 0° auf die für Ischa angesetzten 17–18° wird in weniger als 90 Minuten zurückgelegt. Im Juni dagegen verläuft die Sonnenbahn flacher, sodass der gleiche Winkel erst nach mehr als zwei Stunden erreicht wird.
Diese Verkürzung hat praktische Folgen:
- Zwischen Maghrib und Ischa bleiben im Winter kaum zwei Stunden für Abendmahl und Weg zur Moschee.
- Viele Muslime kombinieren im Dezember deshalb freiwillige Gebete wie rawâtib direkt im Anschluss an Maghrib, um vor Ischa ausreichend Zeit zu haben.
- Kalender, die kleinere Winkel (z. B. 15°) ansetzen, rücken Ischa zusätzlich nach vorn. Wer sich mit Freunden oder Familie abstimmt, sollte daher vorher klären, nach welchem Modell man sich richtet.
Die Verkürzung ist eine natürliche Konsequenz unserer geographischen Lage und kein Rechenfehler. Gleichwohl bleibt das Zeitfenster für Ischa bis Mitternacht (halbe Nacht) offen – ein nützlicher Puffer, falls man den Gemeindetermin verpasst.
Schuruk verstehen: Fadschr rechtzeitig beenden
Schuruk (Sonnenaufgang) markiert das Ende der Morgendämmerung. Das Fadschr-Gebet darf nur in der Periode zwischen dem Einsetzen des Morgenrots und verrichtet werden. Sobald die Sonnenscheibe sichtbar wird, beginnt eine Zeit, in der laut authentischen Hadithen keine Pflichtgebete durchgeführt werden sollen („verbotene Zeit“).
Unterschied zwischen Fadschr und Schuruk
- Fadschr: Beginn, wenn der horizontale Streifen des ersten Lichts (fadschar ṣādiq) erscheint. Berechnet wird er anhand des gewählten Sonnenwinkels (z. B. 18°).
- Schuruk: Moment, wenn die Sonne den sichtbaren Horizont 0° erreicht. Er wird astronomisch exakt beobachtet und variiert mit Gelände- und Wetterbedingungen.
Die Unterscheidung ist wichtig, weil ein Überschreiten von Schuruk das Fadschr-Gebet ungültig macht. Wer knapp aufsteht, sollte daher immer einige Minuten Sicherheitsabstand einplanen.
Zusammengefasst gilt: Die veröffentlichten Zeiten beruhen auf etablierten, international anerkannten Modellen, werden aber stets an Breite, Datum und Zeitzone angepasst. So entsteht ein dynamischer Kalender, der sich Tag für Tag verschiebt und die natürlichen Sonnenbewegungen für den muslimischen Alltag in Grefrath präzise abbildet.