Kurze Winterabende: Warum die Zeit zwischen Maghrib und Ischa in Greifswald schrumpft
In Greifswald geht die Sonne in der zweiten Dezemberhälfte bereits kurz vor 16 Uhr unter. Maghrib beginnt unmittelbar mit dem Sonnenuntergang. Ischa dagegen setzt erst ein, wenn die rote Dämmerung vollständig verschwunden ist. Bei den in Deutschland verbreiteten Berechnungen (häufig 15–17 ° unter dem Horizont) dauert das im Winter kaum mehr als 60–70 Minuten. Dadurch liegt das Ende des Maghrib-Zeitfensters sehr nah am Beginn von Ischa. Wer nach Feierabend betet, kann beide Gebete daher meist noch bequem zu Hause verrichten, ohne bis spät in die Nacht wach bleiben zu müssen.
Mit zunehmender Tageslänge verschiebt sich diese Spanne: Im März sind es schon rund anderthalb Stunden, im Juni bis zu drei Stunden. Die Kürze des Abends im Dezember ist also kein Rechenfehler, sondern eine direkte Folge der niedrigen Sonnenbahn über dem 54. Breitengrad.
Asr nach zwei Schulen: der Unterschied zwischen schafiitischer und hanafitischer Berechnung
Das Asr-Gebet beginnt laut Schafiiten, Malikiten und Hanbaliten, sobald der Schatten eines Gegenstands seine eigene Länge plus den Mittagsschatten erreicht. Im hanafitischen Fiqh muss der Schatten die doppelte Länge erreichen. Dieser zweite Schattenpunkt tritt in Greifswald durchschnittlich 50 bis 70 Minuten nach dem ersten ein; im Sommer kann die Differenz auf mehr als 90 Minuten anwachsen.
Der Unterschied basiert nicht auf astronomischen, sondern auf juristischen Überlieferungen, die beide als authentisch betrachtet werden. Viele deutsche Gebetskalender weisen daher zwei Spalten für Asr aus oder markieren das spätere hanafitische Zeitfenster gesondert. Betende orientieren sich einfach an der Methode ihres Madhhab. Wichtig ist lediglich, Asr vor Sonnenuntergang abzuschließen, denn mit Maghrib endet die Zeit unumkehrbar.
Lange Sommertage auf 54° N: Herausforderung für Fadschr und Ischa
Je weiter nördlich ein Ort liegt, desto flacher taucht die Sonne im Sommer unter den Horizont. In Greifswald unterschreitet sie zwischen Mitte Mai und Ende Juli nachts nicht immer die verbreiteten 18 °. Klassische Berechnungen würden somit weder ein klares Ende der Abenddämmerung noch den Beginn der Morgendämmerung liefern. Damit das Gebet nicht ausfällt, greifen europäische Rechtsgremien auf Ersatzregeln zurück:
- Zeitanteil-Methode: Die Nacht wird in gleiche Teile geteilt; Ischa liegt z. B. bei einem Siebtel der Nachtlänge nach Maghrib, Fadschr bei zwei Siebteln vor Sonnenaufgang.
- Feste Intervalle: Einige Kalender setzen Ischa pauschal 90 Minuten nach Maghrib und Fadschr 90 Minuten vor Sonnenaufgang an.
- Halbe-Nacht-Marke: Spätestens bis sollte Ischa gebetet sein, auch wenn keine astronomische Dämmerung eintritt.
Unser Standort auf 54 ° N zeigt somit, dass Sommernächte nicht immer „islamisch dunkel“ werden. Die gewählte Berechnungsmethode sorgt dennoch für verlässliche Zeiten, an denen die Pflicht sicher erfüllt wird.
Moscheen und islamische Zentren in Greifswald
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